In den let­zten Wochen haben wir einige Mit­glieder des Ratschlags an ihren Wirkungsstät­ten aufge­sucht und zur aktuellen Lage in Berlin zu den Stich­worten „Respekt-Kul­tur“ und „Flüchtlings­de­bat­te“ befragt. Die Mit­glieder antworteten sehr konkret und mit klaren Posi­tio­nen. Beson­ders bemerkenswert: Ganz unab­hängig von der poli­tis­ch­er Aus­rich­tung der Mit­glieder liegen die Lösungsvorschläge sehr dicht beieinan­der.

Petra Pau

Vizepräsi­dentin des Deutschen Bun­destages

Wir brauchen einen neuen gesellschaftlichen Kon­sens, dass jed­er Men­sch in Not auch sein Recht auf Asyl in Anspruch nehmen kann.“

 

Dr. Markus Dröge

Bischof der Evan­ge­lis­chen Kirche Berlin-Bran­den­burg-schle­sis­che Ober­lausitz

Es muss langfristig auch gelin­gen den rechtlichen und sozialen Sta­tus jedes einzel­nen Flüchtlings anzuschauen. Wir bieten dort Begleitung und Beratung an.“

 

Doro Zinke

Vor­sitzende des DGB Bezirk Berlin-Bran­den­burg

Wir stellen fest, dass sich das Kli­ma in der Stadt ins­ge­samt ver­schärft. Das merken wir zum Beispiel bei den Diskus­sio­nen um Flüchtling­sheime. Das merken wir, wenn auf ein­mal Nazis hier offen auftreten. Das wäre vor fünf Jahren so gar nicht möglich gewe­sen.“

 

Uwe-Karsten Heye

Vor­standsvor­sitzen­der „Gesicht Zeigen! Für ein weltof­fenes Deutsch­land“ e. V.

Islamis­mus hat die Schlagzeilen, aber die Wirk­lichkeit in diesem Lande ist anders: Die Gefahren – so, dass Men­schen dro­hen zu Tode zu kom­men – kom­men von rechts außen. “

 

Ulrich Schellenberg

Vor­sitzen­der des Berlin­er Anwaltsvere­ins e. V.

Oft ist es so, dass es schon sehr schwierig ist, die Ermit­tlungs­be­hör­den über­haupt davon zu überzeu­gen, dass es einen recht­sex­trem­istis­chen Hin­ter­grund für die Straftat gibt. Und da ist es notwendig, dass der Anwalt sich bemüht, schon im Kon­takt mit der Polizei darauf hinzuweisen, dass bes­timmte Anze­ichen über­haupt in die Akte kom­men.“

 

Susanne Stumpenhusen

Lan­des­bezirk­slei­t­erin ver.di Berlin-Bran­den­burg

Ich denke es gibt ja jede Menge sehr qual­i­fiziert­er Men­schen, die berechtigten Anlass haben, ihr Land zu ver­lassen, weil sie dort bedro­ht und ver­fol­gt wer­den. Die möcht­en arbeit­en! Es ist unehrlich, wenn man ein­er­seits vom Fachkräfte­man­gel in Deutsch­land redet und ander­er­seits ein Arbeitsver­bot aufer­legt und die Men­schen nicht die Möglichkeit haben, ihre Qual­i­fika­tio­nen einzuset­zen.“

 

Nils Busch-Petersen

Haupt­geschäfts­führer des Han­delsver­ban­des Berlin-Bran­den­burg e. V.

Wir ste­hen als Kau­fleute in ein­er beson­deren Tra­di­tion, weil wir uns immer dafür ein­set­zen, die Men­schen miteinan­der zu verbinden. Ware frei auszu­tauschen bed­ingt, dass man sich gle­ich­berechtigt begeg­net, auf Augen­höhe. Und da ist kein Platz für irgen­deine Form von Diskri­m­inierung.“

 

Mo Asumang

Mod­er­a­torin, Regis­seurin, Schaus­pielerin, Filmemacherin

In Berlin ist die Real­ität, die wir um uns drum herum haben – die Vielfalt, ver­schiedene Men­schen mit ver­schieden­er Haut­farbe und Reli­gion – die ist so präsent, dass der Nor­mal­bürg­er in Berlin schlauer ist, als das, was man manch­mal so im Fernse­hen sieht.“

 

Anneta Kahane

Vor­standsvor­sitzende der Amadeu Anto­nio Stiftung

Inzwis­chen müsste klar gewor­den sein, dass die ganzen Fra­gen von Flucht und Migra­tion miteinan­der zusam­men­hän­gen. Und man muss diese anders regeln, als mit einem Asyl-Para­grafen, den sowieso nur kleine Grup­pen von Men­schen Anspruch nehmen kön­nen.“

 

Ralf Wieland

Präsi­dent des Abge­ord­neten­haus Berlin

Wir müssen auf­passen: Dem Wieder­erstarken recht­sradikaler Ten­den­zen, dem All­t­ags-Ras­sis­mus und dem wieder erkennbaren Anti­semitismus, muss man sich ent­ge­gen­stellen!“