Vorstandsvorsitzende der Amadeu Antonio Stiftung

Mit der Amadeu Antonio Stiftung engagiert sich Anetta Kahane für eine demokratische Zivilgesellschaft, die sich konsequent gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus wendet. Dabei ist es ihr ein wichtiges Anliegen, gleichermaßen gegen Antisemitismus und Rassismus zu arbeiten. Antisemitismus, auch in Form von Israelfeindlichkeit, und Rassismus sind ein in Deutschland weit verbreitetes Problem. Dem setzt Anetta Kahane mit ihrer Stiftung Aufklärung, Sensibilisierung sowie Beratung und Förderung von lokalen Initiativen entgegen.

Statement

„Berlin ist als Hauptstadt besonders herausgefordert, dafür zu sorgen, dass sich hier die Globalisierung und der Kosmopolitismus in einer Weise spiegelt, dass es für alle Beteiligten angenehm ist.“

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Zur Person

Anetta Kahane war 1998 als Stiftungsratvorsitzende an der Gründung der Amadeu Antonio Stiftung beteiligt. Seit 2003 ist sie hauptamtliche Vorsitzende der Stiftung, die sich nach dem ersten Todesopfer durch „rechte Gewalt“ nach der Widervereinigung Deutschlands benannte. Für ihr vielfältiges Engagement gegen Ausländerfeindlichkeit und Rechtsextremismus erhielt sie 2002 den Moses-Mendelssohn-Preis.

Die Amadeu Antonio Stiftung hat eine Reihe wichtiger Projekte Initiert, so z.B. gemeinsam mit der Zeitschrift stern „Mut gegen rechte Gewalt“, die Website „Netz gegen Nazis“, und den Opferfond gegen rechte Gewalt „CURA“.

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Interview mit Anetta Kahane

Wie hat sich seit den 1990-er Jahren die Situation bei der Arbeit gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus entwickelt?

Die Situation ist einerseits schwieriger geworden, andererseits leichter geworden. Schwieriger geworden ist sie, weil der Rechtsextremismus immer mehr auch Teil von Meinungen wird, die man überall in der Gesellschaft antrifft und sich auch noch verstärkt. Elemente von dem was wir früher nur bei Rechtsextremen gefunden haben, finden wir jetzt eben in allen Schichten der Bevölkerung, egal ob gebildet und ungebildet.

Was leichter geworden ist, ist dass wir doch ein höheres Niveau im Diskurs über Rechtsextremismus und Antisemitismus und Rassismus haben. Lange nicht gut genug, aber es ist schon sehr viel mehr Bewusstsein darüber da, was noch zu tun übrig bleibt.

Wie bewerten Sie die Situation speziell in Berlin?

Berlin ist als Hauptstadt besonders herausgefordert, dafür zu sorgen, dass sich hier die Globalisierung und der Kosmopolitismus in einer Weise spiegelt, dass es für alle Beteiligten angenehm ist. Berlin hat dafür auch schon sehr viel unternommen. Es gibt zum Beispiel nicht nur einen Aktionsplan gegen Rechtsextremismus, sondern es gibt in allen Ressorts des Senats Überlegungen, was man gegen Rassismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus tun kann. Damit ist Berlin viel weiter als viele andere Bundesländer, die immer nur in einem einzelnen Ressort ein bisschen Programm hierfür, ein bisschen Programm dafür, machen. Und insofern – fragen sie mich heute, würde ich sagen ich bin ganz zuversichtlich. Fragen Sie mich an einem Tag, wo gerade wieder jemand Opfer von rechter Gewalt geworden ist, dann würde ich sagen, das reicht auch noch nicht!

Es gibt heftige Diskussionen über den richtigen Umgang mit Flüchtlingen in der Stadt. Was könnte die Lage der Menschen wirklich verbessern?

Flüchtlinge müssen geschützt werden! Wir können an der Situation, wie sie im Moment rechtlich ist, leider nicht so viel ändern. Ich wäre aber schon dafür, dass man generell über die ganze Frage des Asylrechts nochmals neu nachdenkt! In den neunziger Jahren hat Deutschland sein Asyl-Recht in einer Weise eingeschränkt, die mit den Überforderung der Neunziger zu tun hatte. Inzwischen müsste aber klar geworden sein, dass die ganzen Fragen von Flucht und Migration miteinander zusammenhängen. Und man muss diese anders regeln, als mit einem Asyl-Paragrafen, den sowieso nur kleine Gruppen von Menschen Anspruch nehmen können. Und deswegen bin ich für eine politische Debatte über das Thema!

Was man konkret für die Integration von Flüchtlingen in der Stadt tun kann ist, sie besser vor Angriffen zu schützen, die Kinder besser in die Schulen zu integrieren, sich besser zu kümmern. Und eine besondere Sensibilität für diejenigen zu zeigen, die Opfer von Krieg und Verbrechen geworden sind.