Vorsitzende des DGB Bezirk Berlin-Brandenburg

Doro Zinke wirbt in und mit dem DGB-Bezik Berlin-Brandenburg für Pluralismus und demokratische Werte. Gegen Rassismus hilft aus ihrer Sicht nur Aufklärung und Engagement – auch und vor allem am Arbeits- und Ausbildungsplatz.

Statement

„Berlin lebt vom Bunten:
von der Vielfalt, davon, dass Unterschiedliches ausge­halten wird.“

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ZUR PERSON:

Seit 2010 ist Doro Zinke Vorsitzende des DGB Bezirks Berlin-Brandenburg und vertritt 400.000 Männer und Frauen aus acht Einzelgewerkschaften.

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Interview mit Doro Zinke

Gewerkschaften streiten für Menschenrechte – auch am Arbeitsplatz

Viele Menschen haben auch am Arbeitsplatz mit Ausgrenzung und Diskriminierung zu kämpfen. Wie engagiert sich der DGB für eine offene und tolerante Betriebskultur?

Wir vom Deutschen Gewerkschaftsbund arbeiten ganz viel über Transparenz: Wir ermutigen beispielsweise unsere schwulen und lesbischen Kolleginnen und Kollegen sich, selbstverständlich nur wenn sie sich trauen, zu zeigen. Und wir unterstützen sie zum Beispiel mit einem Arbeitskreis hier im Haus.

Selbstverständlich sind wir auch bei Ausländerinnen und Ausländern oder Menschen mit Migrationshintergrund dabei. Wir ermutigen unsere Kolleginnen und Kollegen diese in den Betrieben zu integrieren und mit den Geschäftsführungen zu sprechen, damit sie bei der Vergabe von Ausbildungsplätzen und Arbeitsplätzen berücksichtigt werden.

Und zum Glück dürfen ja alle Menschen, die im Betrieb arbeiten, beim Betriebsverfassungsgesetz mitwählen – also die Betriebsräte mitwählen. Das wünschen wir uns natürlich auch für die örtliche Demokratie. Es wär doch viel besser, wenn beispielsweise bei einer Volksabstimmung alle Berlinerinnen und Berliner abstimmen dürften und nicht nur die Deutschen. Alle die Steuern bezahlen müssen auch mitentscheiden dürfen was damit passiert.

Sie sind auch persönlich seit Jahren in der Antirassismus-Arbeit aktiv. Wie bewerten Sie die aktuelle Situation in Berlin?

Die Gewerkschaften öffnen sich zunehmend für das Thema Auseinandersetzung mit fremdenfeindlichen, antimuslimischen Tendenzen. Wir waren schon immer gegen Rechtsextremismus und gegen Neonazis, aber auch gegen populistische Parteien und Ansätze. Da sind wir gerade, auf einem guten Weg.

Wir stellen aber fest, dass sich das Klima in der Stadt insgesamt verschärft. Das merken wir zum Beispiel bei den Diskussionen um Flüchtlingsheime. Das merken wir, wenn auf einmal Nazis hier offen auftreten. Das wäre vor fünf Jahren so gar nicht möglich gewesen. Aber die Nazis docken natürlich an einer bestimmten Stimmung an. Und da gehen wir auch mit unseren ehrenamtlichen Kolleginnen und Kollegen ganz stark in die Auseinandersetzung hinein. Wir versuchen ein anderes gesellschaftliches Klima in Deutschland und Berlin dazu beizutragen.

Der Ratschlag ist natürlich ganz wichtig, weil wir da mit einer Breite von anderen Organisationen zusammen sind und in aller Offenheit bestimmte Fragestellungen diskutieren können. Toleranz und menschlicher Respekt müssen in der ganzen Stadt gelten: auf den Straßen, in den Kneipen, in den Ämtern, in den Betrieben.

Flüchtlinge mit ungeklärtem Aufenthaltsstatus dürfen bei uns in Deutschland nicht arbeiten. Wie stehen Sie zu diesem Arbeitsverbot?

Dass Problem ist: Asylbewerber dürfen nicht arbeiten. Aber selbstverständlich arbeiten sie doch. Sie arbeiten schwarz. Zu wirklich ganz üblen Bedingungen. Dadurch treten sie in Konkurrenz zu anderen Arbeiterinnen und Arbeitern – zu Menschen, die dann sauer darüber sind, dass die Flüchtlinge zu schlechteren Bedingungen arbeiten und die Preise kaputt machen. Würden die Flüchtlinge auf der anderen Seite aber nicht arbeiten, gehen Leute her und sagen: Diese Schmarotzer und die arbeiten nicht und leben nur auf unsere Kosten. Also wie sie es machen machen, machen sie es falsch. Und deswegen muss dringend eine andere gesetzliche Regelung her. Menschen, die arbeiten wollen, müssen die Möglichkeit bekommen, legal zu arbeiten. Ob sie dann einen Arbeitsplatz bekommen ist wieder ein vollkommen anderes Blatt. Alles andere schafft üble Stimmung und Aggressivität.

 

Wir trafen Doro Zinke iM Gewerkschaftshaus des DGB in der Kaithstraße, Berlin-Schöneberg.