Bischof der Evan­ge­lis­chen Kirche Berlin-Bran­den­burg-schle­sis­che Ober­lausitz

In Berlin leben Men­schen aus fast allen Län­dern der Erde. Daraus ergibt sich für Bischof Markus Dröge eine beson­dere Ver­ant­wor­tung, das friedliche Zusam­men­leben zu fördern.

Statement

Ras­sis­mus entste­ht im Kopf, Offen­heit auch. Offen­heit ermöglicht Begeg­nung und eine gemein­same Zukun­ft, die alle hier leben­den Men­schen ein­schließt.“

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Zur Person

Dr. Markus Dröge ist seit Novem­ber 2009 Bischof der Evan­ge­lis­chen Kirche Berlin-Bran­den­burg-schle­sis­che Ober­lausitz.  Daneben war er Auf­sich­tratsvor­sitzen­der des Evan­ge­lis­chen Entwick­lungs­di­en­stes (eed). Er ist Mit­glied der EKD-Kam­mer für soziale Ord­nung und des gemein­samen Auss­chuss­es Kirche und Juden­tum der EKD, UEK und VELKD.

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Interview

Wie bewerten Sie aktuell das Verhältnis der Religionen in Berlin? Gibt es Fortschritte oder sehen Sie auch Rückentwicklungen?

Das ist natür­lich sehr unter­schiedlich. Es gibt mus­lim­is­che Gemein­den, die noch nicht viel Erfahrung haben und auch zurück­hal­tend sind im Dia­log. Es gibt aber auch mus­lim­is­che Gemein­den, die sich öff­nen wollen, die den Dia­log suchen, die ihre Türen öff­nen und Kinder­garten­grup­pen ein­laden, die auch den the­ol­o­gis­chen Dia­log suchen. Und ich glaube wir sind hier in Berlin unter­wegs, das Ver­hält­nis zu verbessern und her­zlich­er zu machen. Und da sind die Anfänge ja ganz mut­machend.

Berlin hat in den letzten Wochen und Monaten heftig über die Situation von Flüchtlingen und Asylsuchenden diskutiert. Wie bewerten Sie den Umgang mit Flüchtlingen und Asylsuchenden in Berlin? Wäre die evangelische Kirche auch offen für eine progressivere Flüchtlingspolitik?

Ich freue mich sehr, dass sich viele Kirchenge­mein­den bei uns sehr engagieren. Dass sie Bürg­er­feste organ­isieren und die Kinder von Flüchtlin­gen ein­laden. Ger­ade dann, wenn die Flüchtlinge in Unterkün­ften leben, wo wenig Raum ist. Es ist aber natür­lich auch schwierig. Es gibt nicht nur Men­schen, die Flüchtlinge willkom­men heißen und da müssen wir Bewusst­sein schaf­fen. In let­zter Zeit haben die Flüchtlinge auch stärk­er poli­tis­chen Protest deut­lich gemacht, um auf ihre Sit­u­a­tion aufmerk­sam zu machen. Es ist eine schwierige Sache, wenn sie Forderung stellen, die nicht unmit­tel­bar poli­tisch umset­zbar sind. Dann unter­stützen wir sie zwar, aber wir zeigen auch unsere Gren­zen auf. Wo wir poli­tisch wenig erre­ichen kön­nen, da müssen wir es auch sagen und in diesem Dia­log sind wir und ich halte diesen Dia­log auch für sehr wichtig.

Am 11. September 2014 wurde die St.-Thomas-Kirche hier in Berlin von Flüchtlingen besetzt. Wie sind Sie mit der Situation umgegangen?

Das war eine schwierige Sit­u­a­tion. Weil die Gemeinde unvor­bere­it­et war, weil die Flüchtlinge in eine Aben­dan­dacht gekom­men sind und dann schlicht gesagt haben: Wir bleiben hier. Obwohl die Gemeinde keine räum­lichen, per­son­ellen oder finanziellen Möglichkeit­en hat­te, eine angemessene Unterkun­ft anzu­bi­eten. Deswe­gen mussten wir dafür sor­gen, dass die Flüchtlinge aus der Kirche wieder hin­aus kamen. Wir haben eine Alter­na­tive ange­boten. Aber es muss langfristig auch gelin­gen den rechtlichen und sozialen Sta­tus jedes einzel­nen Flüchtlings anzuschauen. Wir bieten dort Begleitung und Beratung an, aber let­ztlich muss jed­er Flüchtling sich bei der Behörde die für ihn zuständig ist selb­st melden, damit seine Sit­u­a­tion gek­lärt wer­den kann.

Berlin erlebte jüngst das Themenjahr „Zerstörte Vielfalt“, die evangelische Kirche wiederum hat sich im Themenjahr „Reformation und Toleranz“ intensiv mit Inhalten und Grenzen der Toleranz auseinandergesetzt. Welche Schlussfolgerungen ziehen Sie aus den Themenjahren? Was hat Sie überrascht? In welcher Form wird sich die Kirche weiterhin mit Menschenverachtung auseinandersetzen?

Mit diesen The­men­jahren bere­it­en wir uns ja auf das große Refor­ma­tion­sju­biläum 2017 vor : „500 Jahre The­se­nan­schlag Mar­tin Luthers“. Das beson­dere für mich bei diesem let­zten Jahr zum The­ma Tol­er­anz war, dass wir her­aus­gear­beit­et haben, dass eine tol­er­ante Hal­tung zu unserem Glauben dazu gehört. Die Art und Weise wie Jesus Chris­tus sich zu den Men­schen gewandt hat, das war in sich schon eine tol­er­ante Hal­tung. Er ist auf diejeni­gen zuge­gan­gen, die in der Gesellschaft nicht inte­gri­ert waren. Und deshalb glaube ich, dass wir als Kirche eine Ver­söh­nungs­botschaft für diese Gesellschaft haben. Dass es dem Kern unseres Glaubens entspricht, uns für Ver­söh­nung in der Gesellschaft, und das heißt ja auch ein tol­er­antes Umge­hen mit Men­schen, die etwas anders sind als diejeni­gen, die hier aufgewach­sen sind, einzuset­zen.

Haben Sie einen besonderen Ansatz zur Ausbildung einer toleranten Grundhaltung in der Jugendarbeit?

Ich glaube unser spezieller Beitrag als evan­ge­lis­che Kirche ist auch ein Bil­dungs­beitrag. Wir haben Kon­fir­man­de­nun­ter­richt für Jugendliche, wir geben Reli­gion­sun­ter­richt an öffentlichen Schulen und für uns gehört zur Aus­bil­dung des eige­nen Glaubens, zum Ver­ste­hen des eige­nen christlichen Glaubens, immer dazu, ihn so zu leben, dass er im Dia­log mit anderen sich aus­drück­en kann. Das ist unser reli­gion­späd­a­gogis­ch­er Grun­dansatz. Glaube muss immer ler­nen sich auch mit anderem Glauben ins Gespräch zu set­zen. Das wollen wir hier in unsere Stadt ein­brin­gen.

Wir trafen den Bischof in den Andacht­sräu­men des Bischof­s­sitzes der Evan­ge­lis­che Kirche Berlin-Bran­den­burg-schle­sis­che Ober­lausitz.