Haupt­geschäfts­führer des Han­delsver­ban­des Berlin-Bran­den­burg e. V.

Mit dem Han­delsver­band Berlin-Bran­den­burg engagiert sich Nils Busch-Petersen seit vie­len Jahren gegen Ras­sis­mus und Diskri­m­inierung in Berlin. Er gehört zu den Intia­toren der Ini­tia­tive „Han­deln statt Wegse­hen“ und ermutigt Betriebe und Beruf­ss­chulen, sich im Arbeit­sall­t­ag gegen Ras­sis­mus und Recht­sex­trem­is­mus zu engagieren und in die Offen­sive für Tol­er­anz und Mit­men­schlichkeit zu gehen.

Statement

Kau­fleute verbinden die Welt. Han­del und Wan­del brauchen und fördern Weltof­fen­heit, Tol­er­anz und Respekt vor­einan­der. Die besten Bedin­gun­gen dafür sehe ich in ein­er starken, funk­tion­ieren­den Demokratie.“

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Zur Person:

Nils Busch-Petersen ist Haupt­geschäfts­führer des Handels­ver­bandes Berlin-Bran­den­burg e.V. Seit 2008 ist er Mit­glied im Berlin­er Ratschlag für Demokratie. Er ist seit 2011 Grün­der und Direk­tor des Louis-Lewandows­ki-Fes­ti­vals, ein­er Konz­ertrei­he für Synagogen­musik. Er set­zt sich aktiv für die Aufarbei­tung der Geschichte des deutschen Einzel­handels speziell während der Nazi-Dik­tatur ein und unter­stützt viele Kam­pag­nen und Aktio­nen gegen Anti­semi­tismus, Rassis­mus, Rechtsradikalis­mus.

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INTERVIEW MIT Nils Busch-Petersen

Diese Stadt wird immer bunter und in diesem Schmelztiegel ist kein Platz für Intoleranz.“

Warum ist das Engagement gegen Rassismus und Rechtsextremismus für den Handel so wichtig?

Eigentlich muss man das nicht begrün­den. Das ist eine ele­mentare Angele­gen­heit, dass wir uns dafür ein­set­zen, dass nie­mand in die Lage kommt, die Demokratie zu gefährden oder andere zu diskri­m­inieren in irgen­dein­er Weise.

Wir ste­hen da als Kau­fleute in ein­er beson­deren Tra­di­tion, weil wir uns immer dafür ein­set­zen, die Men­schen miteinan­der zu verbinden. Ware frei auszu­tauschen bed­ingt, dass man sich gle­ich­berechtigt begeg­net, auf Augen­höhe. Und da ist kein Platz für irgen­deine Form von Diskri­m­inierung.

Diese Stadt wird immer bunter: Wir haben die Touris­ten aus aller Welt und die vie­len Ein­wohn­er mit ver­schieden­sten Migra­tionsh­in­ter­grün­den. Wir haben Mitar­beit­er aus hun­dert­fün­fzig und mehr Natio­nen in unseren Geschäften, die alle gle­ich­berechtigt für die vie­len Gäste dieser Stadt da sind. In diesem Schmelztiegel ist kein Platz für Intol­er­anz.

Was sagen Sie zu den jüngsten Anschlägen auf Moscheen und jüdische Einrichtungen?

Wir sehen, dass die die Schicht – die schützende Schicht Demokratie und demokratis­ches, tol­er­antes Ver­hal­ten, um die Gesellschaft herum sehr dünn ist – sehr ver­let­zlich. Dass, wenn man da ein biss­chen dran kratzt, sehr schnell wieder Ressen­ti­ments, Vorurteile oder auch bes­timmte Neg­a­tiv-Stereo­typen zum Vorschein kom­men. Das zeigt, dass wir noch ganz weit davon ent­fer­nt sind, uns zurück­zulehnen. Viele dieser Ereignisse, ger­ade auch die anti­semi­tis­chen Vor­fälle, haben mich wirk­lich schw­er schock­iert. Man kon­nte sich kaum vorstellen, dass so etwas in Berlin möglich ist.

Ich glaube aber nicht, dass es schlim­mer gewor­den ist als vor eini­gen Jahren. Ich glaube wir sind auf einem recht guten Weg. Und je mehr Men­schen miteinan­der in Kon­takt kom­men – auch wie bei dem Pro­jekt, dass wir ger­ade besucht haben, wo man zusam­men kocht und auf diese Weise Dis­tanz über­windet – ich glaube, mit solchen kleinen Schrit­ten und Begeg­nun­gen, da geht es in die richtige Rich­tung.

Wie haben sich die Vorfälle auf die Stimmung bei muslimischen und jüdischen Händlern ausgewirkt?

Von den mus­lim­is­chen und auch jüdis­chen Kau­fleuten kom­men keine Sig­nale, dass sie sich ängstlich­er fühlen als son­st. In der Mehrheits­ge­sellschaft – davon bin ich überzeugt – ist schon jet­zt kein Platz für solche Ver­hal­tensweisen.

Bezogen auf die Flüchtlingsproblematik, wie kann aktuell in Berlin die „Willkommenskultur“ verbessert werden?

Über­all wo es geht, mehr Raum für Begeg­nung schaf­fen, das Dach dicht machen von ein­er Begeg­nungsstätte, in der man sich trifft, ist manch­mal ein besseres Invest­ment als vielle­icht in irgen­deine Prachtecke. Und vor allen Din­gen: Junge Men­schen zusam­men­führen! Junge Men­schen, bei denen die Vorurteile noch nicht so aus­geprägt sind, bei denen die Bere­itschaft aufeinan­der zuzuge­hen beson­ders groß ist. Wenn wir Kinder zusam­men spie­len lassen, damit diese sich wirk­lich im Miteinan­der als Berlin­er begreifen kön­nen – egal welchen Hin­ter­grund man anson­sten mit­bringt.

 

Wir trafen Nils Busch-Petersen am Rande ein­er Ver­anstal­tung im „Haus Baby­lon“, ein­er interkul­turellen Begeg­nungsstätte in Hellers­dorf. An diesem Tag wur­den Kinder aus dem nahe gele­ge­nen Flüchtling­sheim Hellers­dorf zur Ein­schu­lung in Berlin mit ein­er Schul­ranzenak­tion emp­fan­gen, die von ver­schiede­nen Part­nern finanziert und aus­ges­tat­tet wurde.

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