Lan­des­bezirk­slei­t­erin ver.di Berlin-Bran­den­burg

Im Pri­vatleben und am Arbeit­splatz: Das Engage­ment für Demokratie und Men­schen­rechte ist für Susanne Stumpen­husen eine ständi­ge Auf­gabe.

Statement

Als Gew­erkschaft set­zen wir uns für eine Betrieb­skul­tur ein, die die Gle­ich­w­er­tigkeit der Men­schen anerken­nt, befördert und schützt.“

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Zur Person

Susanne Stumpen­husen ist Mit­glied der Lan­des­bezirk­sleitung der Dien­stleis­tungs­gew­erkschaft ver.di in Berlin-Bran­den­burg. Neben ihrer Anti­ras­sis­musar­beit  set­zte sie sich in den ver­gan­genen Jahren beson­ders für die Rechte der Homo­sex­uellen ein, ließ am ver.di-Gebäude die Regen­bo­gen­flagge hissen und präsen­tierte die Ausstel­lung „Walk with Pride“.

 

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Interview mit Susanne Stumpenhusen

Das Problem hat sich nicht erledigt!“

Wie engagiert sich Ver.di, um in den Betrieben eine tol­er­ante Betrieb­skul­tur ohne Diskri­m­inierung zu erre­ichen?

Mit unser­er Unter­stützung wur­den sehr viele Betrieb­svere­in­barun­gen von Betriebs- und Per­son­al­räten abgeschlossen, mit denen sich die Unternehmen deut­lich gegen Aus­gren­zung, gegen Diskri­m­inierung und gegen Ras­sis­mus aussprechen. Dabei ist häu­fig nicht das Ergeb­nis das Entschei­dende, son­dern es geht dabei um den Prozess: Wenn im Betrieb gemein­sam darüber disku­tiert wird, warum wollen wir hier ver­hin­dern, dass Diskri­m­inierung und Ras­sis­mus bei uns um sich greifen kön­nen. Es gibt viele Betriebe, die in die Offen­sive gegan­gen sind und gesagt haben: Bei uns nicht!

Die Berlin­er Stadtreini­gung ist ein gutes Beispiel: Die haben eine sehr schlanke Betrieb­svere­in­barung, aber es ist abso­lut klar, Ras­sis­mus und Diskri­m­inierung haben bei uns keinen Platz.

Ist die Stadt Berlin auf dem Weg zu mehr Tol­er­anz, Respekt und Weltof­fen­heit oder sehen Sie eher Rückschritte?

Ich stelle immer wieder fest, dass zumin­d­est unsere Mit­glieder sehr aufmerk­sam sind, und dass wir auch nie Prob­leme haben, wenn wir zum Beispiel zu Gegen­demon­stra­tio­nen bei Neon­azi­aufmärschen hier in der Stadt mobil­isieren. Es kom­men immer viele Men­schen zusam­men, wenn wir zu Block­aden aufrufen und Aufmärsche ver­hin­dern wollen – egal ob das in Berlin oder in Bran­den­burg ist. Das ist bei Ver.di ein fes­ter Bestandteil unser­er Arbeit und auch in unser­er Satzung ver­ankert.

Ins­ge­samt würde ich sagen, darf man sich aber nicht dem Glauben hingeben, dass das Prob­lem sich erledigt hätte. Das Prob­lem hat sich nicht erledigt! Wir müssen weit­er aufmerk­sam und wach­sam sein und die Anfänge nicht zulassen.

Flüchtlinge mit ungek­lärtem Aufen­thaltssta­tus dür­fen in Deutsch­land nicht arbeit­en. Wie ste­hen Sie zu diesem Arbeitsver­bot?

Ja, die Diskus­sion ist im Moment wieder per­vertiert wor­den – auch hier in der Region durch den Wahlkampf in Bran­den­burg. Da haben wir sehr unschöne Sachen gehört, auch von der AfD.

Ich denke es gibt ja jede Menge sehr qual­i­fiziert­er Men­schen, die berechtigten Anlass haben, ihr Land zu ver­lassen, weil sie dort bedro­ht und ver­fol­gt wer­den. Die möcht­en arbeit­en! Es ist unehrlich, wenn man ein­er­seits vom Fachkräfte­man­gel in Deutsch­land redet und ander­er­seits ein Arbeitsver­bot aufer­legt und die Men­schen nicht die Möglichkeit haben, ihre Qual­i­fika­tio­nen einzuset­zen. Ich würde es sehr begrüßen, wenn wir die Aus­sage, dass wir tol­er­ant und weltof­fen sind, auch damit unter­stre­ichen wür­den, dass wir den Men­schen die Möglichkeit gäben, hier im Land zu arbeit­en. Die Zeit, wo irgend­je­mand befürcht­en muss, jemand nähme ihm die Arbeit weg, ist so ver­mut­lich nicht mehr gegeben.

Fördern Sie im Sinne der Gedenkkul­tur den Aus­tausch zwis­chen den Gen­er­a­tio­nen in den Betrieben?

Unsere jun­gen Leute suchen zum Beispiel auch den Kon­takt zu unseren Senior­in­nen und Senioren. Da haben wir ja noch einige wenige Zeitzeu­gen, die sich noch an die Zeit des Faschis­mus erin­nern kön­nen und hier bericht­en kön­nen. Das möcht­en wir aufrechter­hal­ten solange es – schon aus demografis­chen Grün­den – möglich ist. Wir haben lei­der vor zwei Jahren den let­zten „Moor­sol­dat­en“ zu Grabe tra­gen müssen. Aber er war langjähriges Mit­glied von Ver.di und es ist doch immer sehr ein­drück­lich, wenn auf ein­er unser­er Kon­feren­zen ein alter Men­sch wie er seine Erfahrun­gen direkt berichtet. Es hat auch unsere jun­gen Leute sehr beein­druckt. Das möcht­en wir auf jeden Fall weit­er pfle­gen.

 

Wir trafen Susanne Stumpen­husen in Ihrem Büro im Ver.di Haupt­ge­bäude in Berlin Mitte.