Vorsitzende des Vorstands der Berliner Stadtreinigungsbetriebe 

Statement

„Der Erfolg der BSR beruht auch auf der Vielfalt der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit ihren unterschiedlichen Fähigkeiten und Talenten.“

Zur Person

Seit November 2014 ist Dr. Tanja Wielgoß Vorstandsvorsitzende der Berliner Stadtreinigung. In dieser Position verantwortet sie als Fachvorstand auch Straßenreinigung, Müllabfuhr sowie die Recycling- und Entsorgungsanlagen der BSR. Bereits seit 2001 hat die gebürtige Allgäuerin ihren Lebensmittelpunkt in ihrer Lieblingsstadt Berlin.

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„Für Berlin ist die Vielfalt seiner Bewohnerinnen und Bewohner eine große Chance. Die wird zwar schon genutzt, aber es gibt noch einiges zu tun. Auch wir als Unternehmen können dazu einen Beitrag leisten – in Berlin und bei der eigenen Belegschaft.“

Dr. Tanja Wielgoß

Interview:

Integration heißt: Ich leiste einen Beitrag für die Gesellschaft, in der ich mich bewege.

Wie arbeitet die BSR  gegen Rassismus im Unternehmen?

Wenn es rassistische Äußerungen gibt, geht es uns darum rauszufinden, was dahinter steckt, um wirklich einen Denkprozess bei den Leuten anregen zu können, und vielleicht auch Berührungspunkte an der Stelle zu schaffen zu können. Denn meistens ist es ja einfach Unwissenheit.
Ich glaube im Gegensatz dazu ist dieses pädagogische „Gutmenschentum“ meistens eher kontraproduktiv. Was deutlich besser hilft, sind die Erfahrungen, die die Menschen im täglichen Leben machen: Wenn ich gemeinsam mit jemandem arbeite, und er ist türkischer Herkunft, dann weiß ich, das ist ein ganz toller Kerl. Und dann werde ich keine rassistischen Äußerungen mehr gegen Türken machen, weil ich das einfach anders beurteilen kann.
Deswegen, glaube ich, liegt unserer große Aufgabe darin: Wir integrieren und machen damit unserer große BSR immer bunter. Und ganz konkret: Wenn es es mal Vorkommnisse gibt, dann ahnden wir die, und zwar sofort.

Gibt es einen Leitfaden, wie auf Diskriminierung reagiert werden kann?

Da bin ich wirklich auch ein bisschen stolz – hauptsächlich auf die Arbeit meiner Vorgängerin und natürlich des Vorgänger-Vorstands: Wir haben eine sogenannte Dienstvereinbarung gemacht. Dies schon im Jahr 2007 gemeinsam mit dem Vorstand, der Personalvertretung und auch mit den Frauenvertreterinnen usw. Hier zeigt sich auch, Berlin ist geübt an dieser Stelle. Es ist nicht so, dass die Integration von Menschen verschiedener Herkünfte für uns schwierig wäre. Es ist einfach „normal“. Nichts desto trotz geht es darum, Integration auch zu leben. Wir haben auch heute noch die eine oder andere Situation, die würden wir uns anders wünschen. Insofern geht es weiter darum, immer dran zu bleiben – als Führungskräfte und Personalrat natürlich Vorbilder zu sein. Auch hier finde ich es wirklich toll, dass sich alle Kollegen so engagieren, und insofern ist das Wichtigste: Nie nachlassen!

Haben Unternehmen für die Integration in die Gesellschaft eine besondere Verantwortung?

Ich sehe natürlich eine besondere Verantwortung von Unternehmen, weil die Frage ist ja: Was heißt Integration? Ich glaube wir müssen hier viel in konkreten Bildern arbeiten, weil mit den abstrakten Worten bzw. Worthülsen kommen wir nicht weiter. Und Integration heißt ja vor allem erst einmal: „Ich leiste einen Beitrag für die Gesellschaft, in der ich mich bewege.“
Und das ist natürlich mit der Arbeit in einer Firma – wie beispielsweise unserer – ganz deutlich erkennbar. Man leistet dann einen eigenen Beitrag, fühlt sich als nützlicher Teil der Gesellschaft, und wird dann auch als nützlicher Teil wahrgenommen. So funktioniert Integration. Deswegen glaube ich schon, dass Unternehmen eine ganz wichtige Rolle spielen.

Kommen mit den geflüchteten Menschen auch neue Aufgaben auf die BSR zu?

Es ist für uns schon ein Thema, die Entsorgung in den Flüchtlingsunterkünften sehr schnell zu machen. Weil möglichst schnell sauber zu machen, ist auch eine Frage der Lebensqualität. Da haben unsere Mitarbeiter sehr viel zusätzlich geleistet, ohne zu fragen haben sie sofort mit angepackt, und das fand ich wirklich toll!
Und was ganz wichtig für uns alle wäre: Wenn wir insgesamt daran arbeiten würden, eine schöne Vision für Deutschland und die Gäste, die Geflüchteten, zu erarbeiten die wir alle zusammen anstreben könnten.

Wünschen Sie sich Lösungen, um Geflüchtete in Arbeit zu integrieren?

Politisch gibt es natürlich das Thema: Wie schafft man es, dass die Leute arbeiten können. Und da ist es gut, dass der Senat entschlossen hat, zu sagen: Es fängt im Flüchtlingsheim an, bei der Gestaltung des eigenen Umfelds. Wenn ich da selber einen Beitrag leisten kann, fühle ich mich dafür eher verantwortlich. Und auch ich glaube, das ist tatsächlich der erste Schritt.
Und dann natürlich alle Procedere verbessern, um die bürokratischen Hemmnisse abzubauen, damit sicher gestellt werden kann, dass es eine Perspektive gibt – sowohl für die Arbeitgeber wie für die Geflüchteten. Da geht es drum, dass alle zusammen anpacken. Auch beim LAGeSo habe ich den Eindruck, dass man jetzt große Schritte nach vorne machen will.

Ist der Umgang mit Abfall ein Abbild des Zustandes der Gesellschaft?

Der Blick auf den Müll ist immer interessant, weil er sagt, ob Überfluss oder Knappheit herrscht. Wir haben beispielsweise drei Deponien, noch aus „Ost-Zeiten“, bei denen wir die Nachsorge betreiben, und da kann man nichts mehr an Wertstoff-Metallen herausholen. Das wurde alles verwendet.
Jetzt im Berlin heute merken wir natürlich, es ist eine echte Überflussgesellschaft, und wir sehen natürlich auch die anonyme Großstadt. Eine gewisse Gedankenlosigkeit der Berliner, wie auch der Gäste dieser Stadt, mit unserer Stadt. Da würden wir uns schon wünschen, dass man sich richtig zuhause fühlt, und die Stadt auch so behandelt.

 

Bis November 2014 nahm Frau Vera Gäde-Butzlaff den Platz im Berliner Ratschlag als damalige Vorstandsvorsitzende der BSR ein.