Vorstandsvorsitzender „Gesicht Zeigen! Für ein weltoffenes Deutschland“ e. V. 

Mt seiner Initiative „Gesicht zeigen!“ ermutigt Uwe-Karsten Heye Menschen, bundesweit aktiv zu werden gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Antisemitismus und jede Form rechter Gewalt. Sein Ziel ist die Stärkung des gesellschaftlichen Engagements und die Sensibilisierung für jede Art von Diskriminierung.

Statement

„Der Rechtsextremismus hat sich in der jungen Generation verfestigt. Die Werbung der NPD gerade unter Jugendlichen war nicht erfolglos. Daher ist die Arbeit der vielen Initiativen weiter wichtig – im Osten und im Westen Deutschlands.“

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Zur Person

Uwe-Karsten Heye ist Journalist und Autor. Im Jahr 2000 gründete der Regierungssprecher von Ex-Kanzler Gerhard Schröder gemeinsam mit Paul Spiegel, dem damaligen Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde und dem Journalist“. Anlass waren die zahlreichen rassistisch motivierten Übergriffe im Bundesgebiet im Sommer 2000.

 

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Interview mit Carsten Haye

„Die wirklichen Gefahren in diesem Land drohen von rechts außen“

Ihre Initiative „Gesicht zeigen!“ möchte Menschen ermutigen, aktiv gegen Xenophobie, Rassismus, Antisemitismus und jede Form rechter Gewalt zu werden. Ist rechte Gewalt überhaupt noch im Fokus der Gesellschaft?

Wir haben seit der Wiedervereinigung mehr als 180 Tote, Opfer rechtsextremistischer Gewalt, zu beklagen und für mich ist das die größte innenpolitische, sicherheitspolitische Herausforderung. Islamismus hat die Schlagzeilen, aber die Wirklichkeit in diesem Lande ist anders: Die Gefahren – so, dass Menschen drohen zu Tode zu kommen – kommen von rechts außen. Daher denke ich, müssen wir aufzupassen. Seit der Klärung der Mordserie des nationalsozialistischen Untergrundes (NSU) wissen wir, dass alle die sich damit auch von Staatswegen her beschäftigen – der Verfassungsschutz, etc. – nicht wirklich in der Lage gewesen sind, auf dem rechten Auge genauso scharf zu sehen wie auf dem linken. Und deswegen glaube ich, dass es dringend notwendig ist, diesen Bereich zu reformieren. Mit der Mordserie haben wir ein höheres Maß an Aufmerksamkeit, aber ich kann nicht sagen, dass sich etwas wirklich zum Besseren gewendet hätte.

Wo sehen Sie aktuell den größten Handlungsbedarf, um Toleranz, Vielfalt und Weltoffenheit in Berlin zu stärken?

Ich glaube es ist notwendig die Noch-Mehrheitsgesellschaft, die etwas salopp „Bio-Deutsche“ genannt werden, dazu zu bringen, ernsthaft integrationsbereit zu sein. Das heißt, die die zu uns kommen nicht nur aufzufordern: „Ihr müsst euch integrieren!“ Sondern selbst die Bereitschaft zu zeigen, sie sich auch integrieren zu lassen.

Das gilt nicht nur für Berlin. Vor dem Hintergrund der Ereignisse um uns herum werden wir mit Flüchtlingsbewegungen zu tun haben, in Ausmaßen wie wir sie bisher nicht kennen und dennoch müssen wir sie bewältigen. Ich glaube es ist unendlich notwendig, die eigenen Ängste, die sich aus der Rigorosität dessen ergeben wie etwa im islamistischen Bereich mit Menschen umgegangen wird, diese eigenen Ängste nicht zu Fremdenfeindlichkeit wachsen zu lassen, sondern sich selbst darüber klar werden, wovor man Angst hat. Und das heißt im Gespräch bleiben und sein mit denen, die zu uns kommen und Zuflucht bei uns erhoffen.

Wir trafen Carsten Haye in den Ausstellungs- und Workshop-Räumen des von „Gesicht zeigen!“ initiierten Projekts „7xjung“, in den S-Bahn-Bögen am Bahnhof Bellevue in der Flensburger Straße, Berlin.