Vor­standsvor­sitzen­der „Gesicht Zeigen! Für ein weltof­fenes Deutsch­land“ e. V.

Mit sein­er Ini­tia­tive „Gesicht Zeigen!“ ermutigt Uwe-Karsten Heye Men­schen, bun­desweit aktiv zu wer­den gegen Frem­den­feindlichkeit, Ras­sis­mus, Anti­semitismus und jede Form rechter Gewalt. Sein Ziel ist die Stärkung des gesellschaftlichen Engage­ments und die Sen­si­bil­isierung für jede Art von Diskri­m­inierung.

Statement

Der Recht­sex­trem­is­mus hat sich in der jun­gen Gen­er­a­tion ver­fes­tigt. Die Wer­bung der NPD ger­ade unter Jugendlichen war nicht erfol­g­los. Daher ist die Arbeit der vie­len Ini­tia­tiv­en weit­er wichtig – im Osten und im West­en Deutsch­lands.“

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Zur Person

Uwe-Karsten Heye ist Jour­nal­ist und Autor. Im Jahr 2000 grün­dete der Regierungssprech­er von Ex-Kan­zler Ger­hard Schröder gemein­sam mit Paul Spiegel, dem dama­li­gen Vor­sitzen­den der Jüdis­chen Gemeinde und dem Jour­nal­is­ten Michel Fried­mann den Vere­in Gesicht Zeigen! Für ein weltof­fenes Deutsch­land e.V. Anlass waren die zahlre­ichen ras­sis­tisch motivierten Über­griffe im Bun­des­ge­bi­et im Som­mer 2000.

 

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Interview mit Carsten Haye

Die wirklichen Gefahren in diesem Land drohen von rechts außen“

Ihre Initiative „Gesicht Zeigen!“ möchte Menschen ermutigen, aktiv gegen Xenophobie, Rassismus, Antisemitismus und jede Form rechter Gewalt zu werden. Ist rechte Gewalt überhaupt noch im Fokus der Gesellschaft?

Wir haben seit der Wiedervere­ini­gung mehr als 180 Tote, Opfer recht­sex­trem­istis­ch­er Gewalt, zu bekla­gen und für mich ist das die größte innen­poli­tis­che, sicher­heit­spoli­tis­che Her­aus­forderung. Islamis­mus hat die Schlagzeilen, aber die Wirk­lichkeit in diesem Lande ist anders: Die Gefahren – so, dass Men­schen dro­hen zu Tode zu kom­men – kom­men von rechts außen. Daher denke ich, müssen wir auf­passen. Seit der Klärung der Mord­serie des nation­al­sozial­is­tis­chen Unter­grun­des (NSU) wis­sen wir, dass alle die sich damit auch von Staatswe­gen her beschäfti­gen – der Ver­fas­sungss­chutz, etc. – nicht wirk­lich in der Lage gewe­sen sind, auf dem recht­en Auge genau­so scharf zu sehen wie auf dem linken. Und deswe­gen glaube ich, dass es drin­gend notwendig ist, diesen Bere­ich zu reformieren. Mit der Mord­serie haben wir ein höheres Maß an Aufmerk­samkeit, aber ich kann nicht sagen, dass sich etwas wirk­lich zum Besseren gewen­det hätte.

Wo sehen Sie aktuell den größten Handlungsbedarf, um Toleranz, Vielfalt und Weltoffenheit in Berlin zu stärken?

Ich glaube es ist notwendig die Noch-Mehrheits­ge­sellschaft, die etwas salopp „Bio-Deutsche“ genan­nt wer­den, dazu zu brin­gen, ern­sthaft inte­gra­tions­bere­it zu sein. Das heißt, die die zu uns kom­men nicht nur aufzu­fordern: „Ihr müsst euch inte­gri­eren!“ Son­dern selb­st die Bere­itschaft zu zeigen, sie sich auch inte­gri­eren zu lassen.

Das gilt nicht nur für Berlin. Vor dem Hin­ter­grund der Ereignisse um uns herum wer­den wir mit Flüchtlings­be­we­gun­gen zu tun haben in Aus­maßen, wie wir sie bish­er nicht ken­nen und den­noch müssen wir sie bewälti­gen. Ich glaube es ist unendlich notwendig, die eige­nen Äng­ste, die sich aus der Rig­orosität dessen ergeben wie etwa im islamistis­chen Bere­ich mit Men­schen umge­gan­gen wird, diese eige­nen Äng­ste nicht zu Frem­den­feindlichkeit wach­sen zu lassen, son­dern sich selb­st darüber klar wer­den, wovor man Angst hat. Und das heißt im Gespräch bleiben und sein mit denen, die zu uns kom­men und Zuflucht bei uns erhof­fen.

Wir trafen Uwe-Carsten Heye in den Ausstel­lungs- und Work­shop-Räu­men des von „Gesicht Zeigen!“ ini­ti­ierten Pro­jek­ts „7xjung”, in den S-Bahn-Bögen am Bahn­hof Belle­vue in der Flens­burg­er Straße, Berlin.