Das Programm bi’bakino bietet Filme an, die einen näheren Blick auf bewaffnete Konflikte als Ursachen für Flucht, auf die Orte des Transits und in die sich immer wieder neu formierenden Gemeinschaften ermöglichen. Es sind Erzählungen, die von Europas vorgelagerten Grenzen berichten und danach fragen, warum Menschen aufbrechen, um diese Grenzen zu durchbrechen. Es sind Filme über Menschen, ihre Ziele und Hoffnungen und über Lebensrealitäten in den europäischen Städten. Wir wollen mit bi’bakino unter Anderem neue Erzählungen über Flucht und Migration etablieren, um bezüglich Geflüchteten und Migrant_Innen ein komplexeres Bild, eine authentische Erzählung zu etablieren. Im Anschluss an den Film stellen wir die RegisseurInnen/ KünstlerInnen in einem Gespräch vor. Viele der FilmemacherInnen sowie die Kuratorin haben einen Migrations- oder Fluchthintergrund und/oder haben eigene Kriegserfahrungen gemacht. Daher sind die ausgewählten Filme auch eine persönliche Auseinandersetzung mit dem Thema, sowie ermöglichen sie dem Publikum eine direkte Erfahrung und Teilhabe an Reflexionsprozessen im Gespräch. Mit bi’bakino soll das Angebot im strukturschwachen Soldiner Kiez um ein weiteres kulturelles Angebot nachhaltig bereichert werden. bi’bakino findet zwei Mal im Monat am Donnerstag um 20:00 Uhr im Projektraum bi’bak statt.

Mit bibakino erweitert und vertieft bi’bak seine Auseinandersetzung mit dem Thema Migration und Mobilitätsdiskurse.

Zur Projektgruppe

bi bak
Prinzenallee 59
13359 Berlin
Telefon:
0178 2854786
Fokus (Altersgruppe) auf:
Erwachsene

Projektinformation

Veränderung, Transformation und Prozesshaftigkeit sind Teil der Grundvoraussetzungen für Gesellschaft. Gesellschaft ist, entgegen dem Bild, das manchmal in politischen Debatten um Migration und Flucht angewandt wird, kein unbeweglicher Block. Dementsprechend gibt es auch keine abgeschlossene oder eindeutig identifizierbare deutsche Identität, die man unter dem Wort wir subsumieren könnte und glatt von den Anderen, den Fremden, den Migrant_Innen trennen könnte. Gesellschaft ist beständig im Fluss, die Koordinaten wechseln, dennoch wird oft hinsichtlich der Einwanderung von Menschen aus vermeintlich fremden Regionen, an einem Bild von deutscher Kultur festgehalten, das die Teilhabe migrantischer Gruppen an der Transformation der Gesellschaft ausschließt. Immer wieder kann beobachtet werden, wie sich Bilder von kultureller Identität unter Anderem in politischen Debatten oder medialer Berichterstattung verfestigen.

Mit dem Filmprogram bi’bakino streben wir an, in diese Produktion von Bildern, die häufig in Strukturen der Opposition und des Ausschlusses operiert, durch die Vorführung von Filmen zum Thema Flucht und Migration, die ein differenzierteres Bild zeichnen, ein Korrektiv einzufügen. Häufig wird nur über Geflüchtete geredet, anstatt Geflüchtete selbst reden zu lassen oder mit ihnen zu reden. Wir gehen davon aus, dass es eine Hierarchie des Sprechens gibt. Eine privilegierte Gruppe wird gehört, spricht, erreicht die Öffentlichkeit während eine andere Gruppe quasi in stummer Isolation mit ihren Erzählungen alleine unter sich bleibt. Man könnte dieses Projekt auch als den Versuch verstehen, Geflüchteten eine Stimme zu verleihen und somit einen inklusiven Demokratisierungsprozess anzustoßen. Durch eine Kultur des Miteinander soll ein Forum geboten werden, das die Möglichkeit bietet, dass sich Erzählungen mischen, dass Hierarchien abgebaut und neue Gedanken über Identität und Flucht geschaffen werden.

Abseits dystopischer medialer Berichterstattung, die mit Metaphern wie der Welle, der Flut und des Einbrechens arbeitet, wenn die Rede von Geflüchteten ist, haben deutsche Bürger oft wenig direkten Zugang zur Realität der neu Angekommenen und zu den Erfahrungen der Flucht. Dabei sind diese Erfahrungen längst nicht mehr persönliche Probleme einzelner, marginalisierter Gruppen. Geflüchtete leben in Deutschland, Fluchtursachen werden nicht gelöst, viel eher verschlechtert sich die Lage in von Flucht betroffenen Ländern, was dazu führt, dass sich die Zahl der in Deutschland lebenden Geflüchteten drastisch erhöhen wird. Erfahrungen mit Flucht sind dementsprechend Erfahrungen, die sich in das sogenannte kulturelle Gedächtnis der „Deutschen“ einschreiben wird. Wir haben das Ziel, diese Erfahrungen einer Öffentlichkeit zu präsentieren und zur Diskussion zu stellen um Zugänge zwischen Geflüchteten, Migrant_Innen und Deutschen zu schaffen. Hierbei sei zu erwähnen, dass unser Anspruch darin besteht Aufklärung auf beiden Seiten zu betreiben. Sowohl soll die deutsche Öffentlichkeit mit Geschichten, Erfahrungen und Problemen der Flucht konfrontiert, als auch bei Geflüchteten ein Bewusstsein der Verantwortlichkeiten des Westens bezüglich der Fluchtursachen geschaffen werden. Im Zuge der Filmreihe, die über 10 Monate wechselnde Perspektiven auf die Thematik der Flucht und der Migration bieten soll, werden  Fragen nach der Möglich- beziehungsweise Unmöglichkeit des Erzählens der eigenen Geschichte, der Transformation der eigenen Geschichte und der Vermischung der eigenen Narrative mit denen des Ankunftslandes, gestellt. Mit monatlich jeweils zwei Filmvorführungsterminen wird es Monat für Monat unterschiedliche Bereiche von Flucht und Migration behandeln und gleichzeitig unterschiedliche Interaktionsmöglichkeiten erproben. Hierzu sollen  je nach Bedarf die meist in Originalsprache ( wie z.B. Arabisch, Französisch, Persisch),  gedrehten Filme untertitelt, Künstler_Innen eingeladen, Diskussionsabende veranstaltet und mithilfe der hier lebenden Geflüchteten neue Erzählungen über Flucht und Migration etabliert werden, um dem herrschenden Meinungsmainstream bezüglich Geflüchteten und Migrant_Innen ein komplexeres Bild, eine authentische Erzählung entgegen zu setzen.

In unserer direkten Nachbarschaft aber auch Berlinweit bestehen bereits eine Vielzahl an Aktivitäten und somit auch ein Interesse hinsichtlich des sozialen und kulturellen Austausches von BerlinerInnen und Geflüchteten, aber so etwas wie ein regelmäßiges Filmprogramm, das Flucht und Migration zum Thema hat und somit eine weitere Ebene des Austauschs und der Reflexion möglich macht, existiert bisher nicht. Das Programm von bi’bakino würde also einerseits eine Lücke schließen und sich andererseits in die bestehenden Netzwerke der ehrenamtlichen Geflüchteten-Arbeit sowie Migrationsforschung einfügen.

bi’bak ist ein gemeinnütziger Verein mit Projektraum im Berliner Bezirk Wedding, der mit Workshops, Filmvorführungen und Ausstellungen dezentrale Verbindungen zwischen Partizipation, Stadtraum, Nachbarschaft, sowie lokalem Engagement schafft. bi’bak beschäftigt sich mit gesellschaftspolitisch relevanten Themen wie Migration, Mobilitätsdiskursen, Identitätskonstruktionen, Konsumgesellschaft, kulturelles Gedächtnis und legt den Schwerpunkt dabei auf deren ästhetische Dimensionen. Die interdisziplinär ausgerichteten Projekte sollen den Blickwinkel in den sich aktuell oft wiederholenden Debatten ändern und einen neuen Diskurs initiieren.

Viele der Projekte von bi’bak arbeiten mit Geflüchteten oder stellen das Thema Migration in den Mittelpunkt.