Hand in Hand im kiezPARK – in einem 2-jährigen demo­kratischen Findungs­prozess entsteht auf 11.000 m² ein viel­fältig zu nutzender Generationen­park in Berlin-Marzahn.

Zur Projektgruppe

Hand in Hand im kiezPARK - Anwohner gestalten auf 11.000 m² Ihren kiezPARK der FORTUNA
Rhinstraße 42
12681 Berlin
Telefon:
030-93 643 0, 030-44 35 73 60
Lokale Zuordnung:
nachbarschaftlichregional

Projektinformation

Der Rückbau einer Doppelschule im Wohnquartier an der Oberweißbacher Straße in 12687 Berlin-Marzahn im Jahre 2007 hat nicht nur räumlich eine Lücke von 11.000 m² gerissen und angrenzende, bereits gut gestaltete Flächen zu Restflächen herabgesetzt, sondern dem Quartier auch den sozialen Mittelpunkt genommen. Zurück blieb ein Ort des Anstoßes, ein Hundeauslaufplatz mit Tretminen, eine spröde Brachfläche, zugleich für alle eine wichtige Wegeverbindung zum Einkaufcenter, zur Kita und zur Kiez-Turnhalle, den man auch mehrfach am Tag durchquert - ohne Struktur, ohne Regeln, ohne Aufenthaltqualität für die Anwohner. Wie soll hier eine Nachbarschaft wieder zusammenfinden oder sich neu kennenlernen, sich austauschen, Nähe und Vertrauen aufbauen, sich kümmern, gemeinsam lernen und spielen, groß oder alt werden?

Die Arbeit des kiezPARK-Beirates, ein Gremium, welches sich im Findungsprozess um die Gestaltung und Nutzung der Fläche über 2 Jahre mit seiner unmittelbaren Nachbarschaft auseinandergesetzt hat, zeigt, wie aus einem „nichts sagenden Ort“ ein neuer Freiraum/Mittelpunkt erwächst, dessen Nutzung auf vielfältige Weise langfristig das Gemeinwesen stärkt.

Der Findungsprozess

Bei den Wohngebäuden, die die Rückbaufläche unmittelbar umgrenzen, handelt es sich um 11-Geschosser mit ca. 1.400 Wohneinheiten. Ein Großteil der Anwohner, häufig Mieter der ersten Stunde, haben in der Aufbauphase ihre Quartiersmitte selbst mitgestaltet. Ihre Kinder sind hier groß geworden und eigentlich sollten auch die Enkel hier spielen, in die Kita oder zur Schule gehen. Denn, wenn auch die städtebauliche Dimension es nicht auf den ersten Blick erkennen lässt, hier am Rande Berlins leben die Generationen näher zusammen, begegnet man sich häufig, fern ab des innerstädtischen stetigen Wandels, ganz wie auf dem Dorf.
Deswegen war der Ansprechpartner für Nachfragen zur weiteren Gestaltung auch nicht der Liegenschaftsfonds Berlin als Eigentümer der Fläche, sondern viel näher liegend, erreichbar und direkt, der Vermieter, die FORTUNA Wohnungsunternehmen eG.

Die FORTUNA eG unterstützt einen Seniorenclub, ein Nachbarschaftszentrum und die Internet-Plattform www.KIEZ-net.org, in der ansässige Träger sich digital miteinander vernetzen. In Umfragen z.B. beim Quartiersfest 2009 erfuhr die FORTUNA eG, dass, wenn die entsprechenden Rahmenbedingungen geklärt wären (Eigentümerwechsel, Grundfinanzierung) Anwohner und soziale Träger bereit wären, die brachliegende Freifläche zu einem Ort des Alltags und der Begegnung umzugestalten. Ob Groß oder Klein, Jung oder Alt - der Wunsch war da, dass Menschen verschiedener Generationen sich hier entspannen und wohlfühlen.

Vom Gelingen der ersten Infoveranstaltung hing ab, ob sich unterschiedlichste Interessenten an einen Tisch setzen würden. Dazu wurde eine eine reich bebilderte, leicht verständliche Analyse erstellt, in deren Fazit die Veränderung der Fläche eine große Chance für die Anwohner darstellte sowie eine Methode vorgestellt, die zeigte wie die unterschiedlichen Akteure aller Generationen an diesem Projekt mitmachen könnten.

Methode

Vernetzung von 4 Partizipationsbereichen
1. Aktivierung eines kreativen Planungsprozesses als kontinuierlicher, offener und regelmäßiger Stammtisch, in dem Mut zur Gestaltung geübt und ergebnisorientiert gearbeitet wird (im 2-Wochen-Rhythmus, gleiche Zeit und gleicher Ort) in unmittelbarer Nähe zum Objekt, Zusammensetzung: Anwohner, soziale Träger aller Generationen, Eigentümer und Fachleute.
2. Gestaltung braucht Zeit: Ideen gemeinsam entwickeln und reifen lassen (am Modell, durch Exkursionen), professionelle Planungsunterlagen erstellen, Planungs-, Vergabe- und Bauprozesse erläutern und in mehreren Bauabschnitten planen und umsetzen.
3. Eine „Co-operative Identität“ entwickeln, durch Workshops z.B. zur Entwicklung eines Logos und gemeinsamen Erscheinungsbildes, individuelle Fotodokumentationen fördern, allgemeines Infomaterial und Webseite professionell erstellen lassen. In seiner Gesamtheit stiftet dies auf Dauer Identität.
4. Zwischenergebnisse gemeinsam feiern: Akteure stellen Ihre Arbeit beim Mieterfest, Baustellenführungen etc. selber vor, erhalten viele positive Reaktionen und feiern die Ergebnisse.

Der Ablauf

In insgesamt 32 Stammtischsitzungen, etlichen praktischen Workshops, davon viele mit Kindern zwischen 3 und 13 Jahren oder auch generationenübergreifend, diskutierten die Anwohner und die angrenzenden Vereine und Einrichtungen über Stauden, Kräuter oder Kleingehölze, überlegten gemeinsam, wie sich Teich und Bach integrieren lassen und wo die Wege auf dem Areal verlaufen sollen. Die Nutzungsräume der unterschiedlichen Akteure und Generationen wurden sorgfältig überlegt und am Modell überprüft. Entstanden sind ein Obstgarten mit alten Obstsorten, Frühblüherbeete, Sommerblumenwiesen, Kräuterhochbeete und Anwohner-Gartenbeete. Zum Verweilen laden ein Gartenzimmer am Teich, ein Bachlauf und eine Pergola sowie viele Sitz- und Liegeelemente in den Wildwiesen und unter Bäumen ein.
Ein gemeinsam von Kitakindern und der Agentur LAYON Werbedesign und Kommunikation GmbH, die auch die Öffentlichkeitsarbeit durchführte, gestaltetes Drehwürfelspiel lädt zum spielerischen Lernen ein.
Moderiert wurde der Gesamtprozess durch die ARGE Su Schnorbusch/Almuth Krause Architektur- Landschaftsarchitektur und Eigentümervertretern mit Entscheidungsbefugnis, damit bei den Diskussionen umsetzbare Konzepte entstehen konnten.
So wurden im Planungsprozess auch Bedarfe überarbeitet, d.h. ein Wasserspiel für Kinder und ein WC für die Älteren zusätzlich geplant.

Ein weiteres Instrument wurde das Gärtnerinnenseminar, welches im 2. Jahr die interessierten Selbstnutzer von kleinen Gartenbeeten zusammenführte. Deren individuelle Gestaltung ist eins der i-Tüpfelchen der Gesamtanlage, da durch die regelmäßige Pflege schon während der Bauzeit individuelle, nachbarschaftliche Gespräche angeregt wurden.
Gerade die Vernetzung der Arbeitsfelder hat bewirkt, dass Gruppen nicht parallel arbeiteten, sondern dass durch die Beteiligung in mehreren Bereichen ein enges Netz an Kommunikation und Wissensweitergabe entstand.

Bei allen Aktionen wurde darauf geachtet, die Möglichkeiten der unmittelbaren Nachbarschaft, wie die Räume und das Betreuungsangebot der Holzwerkstatt von Dissens e.V., die Gruppenarbeit der Kita (Lehrwochen zum Thema Wasserspiel, Drehwürfelspiel) und den Seniorenclub zu nutzen und in die Gesamtarbeit zu integrieren.
Die Ergebnisse wurden regelmäßig in der Mieterzeitschrift der FORTUNA und auf der eigenen Webseite www.kiezPark.de präsentiert und so der Prozess für die Allgemeinheit transparent dargestellt. Jeder konnte und kann sich auch heute beteiligen. Das Gemeinsame und der Fortschritt haben motiviert, sich für die Gestaltung und Pflege auch dauerhaft einzusetzen, z.B. mit einer Selbstnutzerfläche oder im Anwohner-Beirat.

„Respekt gewinnt“ gilt denen, die als Stammtischpioniere den kiezPARK Hand in Hand gestaltet haben, ihn nutzen, sich nun als kiezPARK-Beirat seit der Eröffnung am 25.08.2012 kümmern und als Ansprechpartner vor Ort bekannt sind. Sie fördern das Miteinander und den Austausch der Generationen, stärken das Bewusstsein für Eigenengagement und die Achtung vor dem Geschaffenen und zeigen, dass es sich lohnt, den eigenen Lebensraum selbst mitzugestalten.
„Respekt gewinnt“ gilt auch der FORTUNA Wohnungsunternehmen eG, die bereit war, für die Abwicklung des Projektes gegenüber den Fördermittelstellen / Ämtern verantwortlicher Ansprechpartner zu sein.
Der Dank gilt denen, die für Projekte dieser Größenordnung Fördermittel bereitstellen: Hier Fördermittel der EU und aus dem Programm Stadtumbau Ost.

  • Mitwirkende/Kooperationspartner:
  • Anwohner: Herr und Frau Frederici, Herr und Frau Plobner, Frau Leitgeb, Frau Richard, Frau Schwandt, Frau Gotzkow, Herr und Frau Melzer, Frau Günther, Herr Junghans, Herr Werner und viele andere
  • Seniorenclub: Leitung Frau Dammbeck
  • Nachbarschaftszentrum: Leitung Frau Vierck
  • Kita und Familienzentrum Zwergenoase: Leitung Frau Hecker, Frau Herholz und die Gruppenleiterinnen der jeweils beteiligten Kitagruppen
  • Holzwerkstatt von Dissens e.V.: Frau von Marschall, Herr Pötsch
  • Kunstpädagoge: Frank Begemann
  • Kräuterspezialist: Herr Krummheuer
  • Mädchen mobil / Kids im Kietz: Wendy Mitritkov, Silke Fengler,
  • TU Berlin Institut für Systemökologie und Pflanzenkunde: Frau Fischer
  • Öffentlichkeitsarbeit/Webdesign: LAYON GmbH, Frau Silke Redmer
  • Planung/Moderation/Projektsteuerung: SuSchnorbusch Architekten/Almuth Krause
  • Verantwortlicher Verwalter der FORTUNA eG: Herr Braun
  • FORTUNA Wohnungsunternehmen eG: Vorstand Herr Peter Schümann