Gewinner Ausze­ich­nung
2012

Mit den interkul­turellen Stadt­teil­führun­gen „Route 44“ und „(Zweite) Heimat Neukölln“ bekom­men alle Berlin­er und Berlinbe­such­er die Chance, die man­nig­falti­gen Leben­sarten im wider­sprüch­lichen (Ein­wan­derungs-) Bezirk Neukölln mit anderen Augen zu sehen.

Zur Projektgruppe

Kul­turbe­wegt e.V.
Oranien­burg­er Straße 37
10117 Berlin
Tele­fon:
030 — 70 222 023
Fokus (Alters­gruppe) auf:
Erwach­seneJugendliche
Lokale Zuord­nung:
bezirk­lichnation­al

Projektinformation

Mit­tler­weile neun unter­schiedliche Touren ermöglichen Ein­blicke in die ver­schiedenar­ti­gen Lebenswel­ten und stellen Bezüge zur vielfälti­gen Geschichte Berlins her, wie zu der Zeit der Böh­mis­chen Siedler oder zur Zeit des Nation­al­sozial­is­mus.

Seit 2009 bieten Frauen und Mäd­chen mit Migra­tionsh­in­ter­grund Touren durch ihre (zweite) Heimat an. Die Stadt­teil­führerin­nen sind Zeitzeug­in­nen der Migra­tions- und Bezirks­geschichte. Dabei möcht­en sich die Frauen nicht nur als „Migran­tinnen“ ver­standen wis­sen, son­dern als sachkundi­ge Bürg­erin­nen.
Sie haben sich mit his­torischen und aktuellen Entwick­lun­gen ihres Bezirks beschäftigt und dabei fest­gestellt: manche der Stre­it­fra­gen tauchen immer wieder auf!
Wie soll eine Schule ausse­hen, in der Kinder jed­er Herkun­ft die gle­ichen Chan­cen haben? Muss es eine Deutsch­pflicht geben? Die böh­mis­chen Reli­gions­flüchtlinge sprachen noch 150 Jahre nach ihrer Ankun­ft in Rix­dorf Tschechisch. Vor­bildliche Kul­turbe­wahrung oder Inte­gra­tionsver­weigerung?
Also han­deln die Stadt­teil­führun­gen von den ‚heißen’ The­men – Ein­wan­derung, Bil­dung und Wohnen: eine span­nende Mis­chung aus Geschichte, per­sön­lichen Erfahrun­gen und aktuellem Geschehen.
Als Exper­tin­nen des All­t­ags laden sie auf ihren Touren dazu ein, Unbekan­ntes zu ent­deck­en und Bekan­ntes aus ein­er anderen Per­spek­tive zu sehen. Das Beson­dere für die Tourteil­nehmer ist, dass sie sich im Rah­men ein­er solchen Führung an für sie unge­wohnte Aspek­te annäh­ern kön­nen. So ist beispiel­sweise der Besuch ein­er Moschee für viele Nicht-Moslems etwas Beson­deres. Da die Touren dial­o­gisch angelegt sind, gibt es viel Gele­gen­heit zum Nach­fra­gen oder Disku­tieren, auch zu bran­dak­tuellen The­men.
Neukölln ist ein lebendi­ger Bezirk, der durch Ab- und Zuwan­derung schon immer vielfälti­gen Wand­lun­gen unter­lag. Heute ist er von Prob­le­men, aber auch von Poten­zialen geprägt.
In diesem Bren­npunkt von interkul­turellem Zusam­men­leben sollen die Stadt­teil­führun­gen ein besseres gegen­seit­iges Ken­nen­ler­nen ermöglichen, um zu mehr Tol­er­anz und Ver­ständ­nis im Miteinan­der beizu­tra­gen.
Das Beson­dere an den Führun­gen ist, dass die Frauen und Mäd­chen ihre eige­nen Kiez-Touren konzip­ieren und dabei ihr per­sön­lich­es Erleben ein­brin­gen. Sie stellen ihre All­t­agskul­tur vor, ver­mit­teln aber auch Region­algeschichte. Sie sind selb­st­be­wusste Botschaf­terin­nen ein­er – auch mus­lim­isch geprägten – Kul­tur eines Berlin­er Bezirks, der vie­len Men­schen „deutsch­er Herkun­ft“ in sein­er Vielfalt fremd und beängsti­gend erscheint. Durch ihre Touren wollen sie helfen, Vorurteile abzubauen.