Straßen­fest „Klein und laut – aber nicht klein­laut!“

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T.E.K. e.V.
Fal­ck­en­ste­in­str. 31
10997, Berlin
Tele­fon:
030/6152180
Fokus (Alters­gruppe) auf:
Erwach­seneJugendlicheKinder

Projektinformation

Nach­dem am 23.06.11 ein Erzieher ein­er Ein­rich­tung des T.E.K. e.V. vor den Augen der Kinder und der Kol­le­gin auf einem öffentlichen Spielplatz im Hin­ter­hof eines Wohn­haus­es in der Admi­ral­straße am Kot­ti bru­tal zusam­mengeschla­gen wurde, ver­anstal­tete die T.E.K. zusam­men mit anderen sozialen Ein­rich­tun­gen, poli­tis­chen Ini­tia­tiv­en und ver­schiede­nen Akteur_innen des Kiezes am 16.09.11 ein Straßen­fest.

Kurz die Geschehnisse:
Ein Anwohn­er hat­te sich von dem „Kinder­lärm“ gestört gefühlt und rief vom Balkon zu den Erzieher_innen, sie soll­ten mit den Kindern ver­schwinden. Die Erzieher_innen entsch­ieden sich jedoch auf dem öffentlichen Spielplatz zu bleiben, woraufhin kurz darauf der Anwohn­er mit einem Begleit­er auf dem Spielplatz erschien und ohne Vor­war­nung auf den Erzieher ein­schlug. Der Erzieher musste in einem Kranken­haus behan­delt wer­den, erlitt Prel­lun­gen und Schür­fwun­den und kon­nte län­gere Zeit nicht arbeit­en. Die Kinder und die Kol­le­gin erlit­ten einen Schock und mussten psy­chol­o­gisch betreut wer­den.

Mit einem Som­mer­fest vor Ort wollen wir ein deut­lich­es Zeichen set­zen, in die Öffentlichkeit gehen, den Kiez zurücker­obern und vor allem den Betrof­fe­nen, Kindern, Erzieher_innen, Eltern sowie Anwohner_innen wieder einen angst­freien Zugang zu diesem öffentlichen Raum ver­schaf­fen. Außer­dem soll das Straßen­fest der besseren Ver­net­zung im Kiez dienen und dazu anre­gen, miteinan­der ins Gespräch zu kom­men.

Wir wollen, dass sich die Kinder in dem Kiez, in dem wir wohnen, arbeit­en, zur Kita und Schule gehen, unbeküm­mert und angst­frei bewe­gen, lachen, spie­len und auch mal laut sein kön­nen.

Wir müssen ver­suchen, durch mutiges Ein­greifen und durch die Schaf­fung ein­er gewalt­freien Atmo­sphäre im Zusam­men­leben solche beängsti­gen­den Gewal­taus­brüche in Zukun­ft zu ver­hin­dern.

Wir wollen zusam­men feiern, Spaß haben und Impulse geben, dass es möglich ist, das direk­te soziale Umfeld pos­i­tiv zu bee­in­flussen.

Wir denken, dass die öffentliche Debat­te nicht um das The­ma Kinder­lärm und die neue Geset­zes­lage kreisen sollte, son­dern um die hem­mungslose und schein­bar ziel­lose Gewalt, die die Kinder und Erzieher_innen im öffentlichen Raum erleben mussten.

Passant_innen, die das Geschehen mit­bekom­men hat­ten, schrit­ten zöger­lich bzw. gar nicht ein und riefen lange Zeit nicht ein­mal Hil­fe. Wir wollen uns deshalb mit dem Fest auch für Zivil­courage und gegen eine “Kul­tur des Wegse­hens” aussprechen.

Aber auch gegen öffentliche Reak­tio­nen auf den Vor­fall, die den mut­maßlichen Migra­tionsh­in­ter­grund des Täters als Ursache darstell­ten, möcht­en wir klar Posi­tion beziehen. In vie­len Veröf­fentlichun­gen aus der recht­en Ecke wurde dies immer wieder so for­muliert, ähn­lich erwäh­nte manche Tage­spresse mit einem “viel­sagen­den Unter­ton” die Herkun­ft und “fremde Men­tal­ität” des Täters. Auf diese Weise wer­den bewusst oder unbe­wusst ras­sis­tis­che Vorurteile geschürt.

Vere­in­fachte Erk­lärungsver­suche, welche die Gründe für solche Vor­fälle in der Herkun­ft der Täter oder nur in Kreuzberg suchen, lehnen wir ab.
Wir möcht­en dage­gen hal­ten: Die Ursachen, sofern sie über­haupt mit ein­fachen Mod­ellen erk­lärt wer­den kön­nen, liegen in den sozialen Prob­le­men wie zum Beispiel den Kürzun­gen im sozialen Bere­ich und den steigen­den Mieten in der Stadt.

In den Wohn­blocks am Kot­ti leben sehr viele Men­schen, die auf Hartz4 angewiesen sind, Men­schen, die von Abschiebung bedro­ht sind und Men­schen in anderen schw­eren sozialen Sit­u­a­tio­nen auf engem Raum zusam­men. Sie kön­nen sich häu­fig auf­grund steigen­der Mieten in anderen Quartieren keine Woh­nung leis­ten und wer­den somit sozial aus­ge­gren­zt.

Es liegen Ver­säum­nisse der Poli­tik vor, wenn im Kiez an sozialen Ein­rich­tun­gen, Sozialarbeiter_innen, Unter­stützungsini­tia­tiv­en und ähn­lichem ges­part wird, aber die Sicher­heitsvorkehrun­gen wie Kam­er­aüberwachung und Wach­schutzper­son­al erhöht wer­den. Eine Poli­tik, die sozialen Prob­le­men mit ein­er Aufrüs­tung der “Sicher­heit” durch Kon­trolle begeg­net, soziale Pro­jek­te kürzt oder abschafft, ist mitver­ant­wortlich für solche Vor­fälle.

Somit ist das Fest auch ein State­ment für eine men­schen­fre­undliche, ver­net­zte und soziale Nach­barschaft und ein Appell an eine sozialere Stadt­poli­tik.