Der AK Religion & Psychiatrie hat sich 2006 mit einer ersten Tagung im Harnack-Haus zum Thema „Seelische Erkrankung, Religion und Sinnfindung“ und nachfolgender Urania-Veranstaltung mit über 300 Teilnehmern konstituiert. Der Arbeitskreis führt Psychiatrie-Professionelle aus Praxis und Wissenschaft, aus der Seelsorge wie Betroffene und Angehörige psychisch Erkrankter und auch Religionswissenschaftler zusammen.
Eine religionsübergreifende, wechselseitig wertschätzende Themen- und Problembearbeitung bildet die Basis der Zusammenarbeit. Zielsetzung des AK R&P ist es, die Sensibilisierung und Kundigmachung der „Psycho-Professionellen“ und eine religions- und kultursensible psychiatrische Behandlung auf allen Versorgungsebenen zu befördern. Ressourcen und Gefahren, wie sie mit individueller religiöser Orientierung verknüpft sind, sollen fachkundig diskutiert werden.
Projekt Informationen
Berliner Forum der Religionen
Bismarckstraße 40
10627 Berlin
Michael Bäumer
https://www.berliner-forum-religionen.de/
Das jährliche Berliner psychiatrisch-religionswissenschaftliche Colloquium thematisierte bislang u. a. Überschneidungsbereiche von Religion und Psychiatrie/ Psychotherapie. In den Colloquien ging es um individuelle und kollektive Identitäten, um Fragen der Adoleszenz, um Sexualität und Aggressivität, um religiöse Rituale und Musik um nur einige Themen zu nennen; wir haben uns beschäftigt mit Stärken und Schwächen der Religion resp. religiösen Glaubens und wir haben die sehr interessanten Überschneidungen mit der Psychotherapie diskutiert.
In den letztjährigen Colloquien ging es um den von der russisch-orthodoxen Kirche unterstützen Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine (2022), um den Klimawandel mit seinen dramatischen Folgen (2023), um Religion, seelische Gesundheit und Integration nach Migration und Flucht (2024) und im Jahr 2025 um Religion und Zwangsstörungen. Die Reihe der Colloquien wird in den nächsten Jahren fortgesetzt werden.
Über die Colloquien hinaus hat der AK Religion & Psychiatrie von 2013 bis Anfang 2019 mit dem von der Lottostiftung Berlin teil-finanzierten PIRA-Projekt (Psychiatrie-Information-Religion-Austausch) Informationsveranstaltungen und Beratungen vor allem in muslimischen Gemeinden realisiert. Ein Projektbericht wie auch erweiterte Themenabhandlungen der Colloquien findet sich u.a. im Buch „Religionssensible Psychotherapie und Psychiatrie – Basiswissen und Praxis-Erfahrungen“ (Hg.: Norbert Mönter, Andreas Heinz, Michael Utsch) sowie im Buch „Religiöser Glaube und Spiritualität – Wandel und Vielfalt aus psychiatrischer und psychotherapeutischer Sicht“ (Kohlhammer-Verlag).
Der AK Religion & Psychiatrie ist eng angebunden an den Verein für Psychiatrie und seelische Gesundheit (vpsg), dem Institut für Religionswissenschaft der FU Berlin, der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin und dem Berliner Forum der Religionen. Die im Arbeitskreis engagierten Menschen leisten ihre Tätigkeit primär ehrenamtlich.
Der Beitrag zur Integration zeigt sich nicht nur in der Auswahl der Themen und Referierenden für die Colloquien, sondern zeigt sich auch in der Zusammensetzung des Arbeitskreises, in dem Menschen mit unterschiedlichen kulturellen und religiösen Prägungen (Buddhismus, Christentum, Islam) mitwirken. Ehrenamtliches Engagement ist unabdingbar für die Planung, Durchführung und Evaluation der Treffen und vor allem der Colloquien. Die Colloquien stoßen auf ein breites Interesse und sollen mit bewährten und neuen Kooperationspartnern fortgeführt werden.
Weitere Information sind unter https://www.berliner-forum-religionen.de/arbeitskreis-religion-und-psychiatrie/ zu finden.