
Die Rechtshilfe für trans*, inter* und nicht-binäre Menschen e. V., kurz TIN-Rechtshilfe e. V. bietet psychosoziale Unterstützung, Rechtsberatung und strategische Prozessbegleitung für trans*, inter* und nicht-binäre (TIN) Menschen, die in Deutschland leben, aus Deutschland kommen oder hierher emigrieren möchten. Wir unterstützen TIN Personen, deren Rechte verletzt wurden und oft keinen Zugang zu rechtlicher Unterstützung haben. Unsere Arbeit zielt darauf ab, gesellschaftliche Systeme der TIN-Unterdrückung aufzudecken, zu kritisieren und zu verändern. Wir arbeiten strategisch, intersektional und Community-basiert. Ziel ist es, gesellschaftliche Teilhabe für alle zu sichern und Artikel 1 des Grundgesetzes – die Unantastbarkeit der Menschenwürde – auch für TIN Personen zur gelebten Realität zu machen.
Unsere juristische Arbeit strebt Grundsatzurteile an, um langfristige strukturelle Veränderungen zu erreichen – insbesondere in Verwaltung, Justiz, Bildung, Gesundheitsversorgung sowie im Aufenthalts- und Asylrecht. Unsere Öffentlichkeitsarbeit trägt zur Sichtbarmachung dieser Diskriminierung und unsere Erfolge dagegen bei – und ermutigt Betroffene, sich für ihre Rechte einzusetzen. Dabei organisieren wir nicht nur Solifeste, Fachtage und Workshops, sondern beraten auch queere Strukturen und bauen neue Netzwerke und Ressourcen in Berlin und Deutschland auf.
Projekt Informationen

Rechtshilfe für trans*, inter* und nicht-binäre Menschen e. V., kurz TIN-Rechtshilfe
Postfach 6 02 31
10052 Berlin
Se McCarty
https://www.facebook.com/tinrechtshilfe
Die TIN-Rechtshifle geht aus einer Berliner Initiative von TIN Menschen hervor: Wir waren 2018 die Regionalgruppe Berlin der bundesweiten Aktion Standesamt 2018, in der wir in Folge des Dritte-Options-Urteils des Bundesverfassungsgerichts 2017 versucht haben, einen selbstbestimmten positiven dritten Geschlechtseintrag zu erwirken. Wir haben dazu strategische Klagen in Berlin geführt, Demonstrationen organisiert und Öffentlichkeitsarbeit in Berlin gemacht. Nach Abschluss der Aktion hat sich aus dieser Regionalgruppe 2020 die TIN-Rechtshilfe gegründet und seit 2024 bestehen wir als gemeinnütziger Verein.
Unsere Ziele umfassen die rechtliche Anerkennung und Absicherung von TIN-Rechten, die Sichtbarmachung struktureller Diskriminierung, das Empowerment von TIN Personen durch öffentliche Erfolge und einen Bewusstseinswandel in Politik, Verwaltung und Wirtschaft. Unsere Arbeit ist intersektional ausgerichtet. Diskriminierungsformen wie Rassismus, Ableismus, Klassismus, Sexismus und Queerfeindlichkeit werden zusammen gedacht. Wir sind selbst Teil der TIN Community, kennen ihre Herausforderungen aus eigener Erfahrung und handeln aus Solidarität. Unsere Arbeit ist getragen von einem Team aus vierzehn Personen, von denen zwölf selbst TIN sind. Als selbstorganisierte Struktur verkörpern wir demokratische Teilhabe konkret – durch gelebte Selbstvertretung, solidarische Unterstützung und kollektives Empowerment innerhalb unserer Community.
Zu unseren Erfolgen zählen mehrere wegweisende Gerichtsverfahren, darunter ein Urteil gegen das rechtsextreme Nachrichtenportal NiUS, das eine trans* Frau verunglimpft hatte, die rechtliche Auseinandersetzung mit diskriminierenden Buchungspraktiken von Ryanair sowie das Verfahren gegen die Deutsche Bahn, in dem in mehreren Instanzen bestätigt wurde, dass die falsche Anrede nicht-binärer Personen unzulässig ist. Darüber hinaus bringen wir unsere Expertise in rechtspolitische Stellungnahmen zu Gesetzes- und Verwaltungsvorhaben ein und wirken aktiv an Reformdebatten mit. Ergänzend entwickeln wir Ressourcen, Leitfäden und Community-Tools, die rechtliches Wissen zugänglich machen, solidarische Prozessbegleitung stärken und TIN Personen sowie Beratungsstellen bundesweit empowern.
Deutschland erlebt derzeit eine massive politische Polarisierung. Die öffentliche Gegenreaktion auf TIN-Rechte – befeuert durch rechtsextreme Kräfte – hat ein Klima geschaffen, in dem trans*, inter* und nicht-binäre Menschen zunehmend unter Druck geraten. Hetze, Doxxing, Übergriffe und politische Kampagnen gegen geschlechtliche Selbstbestimmung nehmen zu. Gleichzeitig werden Förderungen für queere Strukturen gekürzt oder ganz gestrichen. In dieser gesellschaftlichen Lage sind Einrichtungen wie die TIN-Rechtshilfe unverzichtbar.
Diese Entwicklungen haben direkte Auswirkungen auf unsere Arbeit. Wir erleben täglich, wie stark der Bedarf an unabhängiger, parteilicher, juristischer Unterstützung für TIN Menschen steigt. Die Anfragen nach Unterstützung und Meldungen über Diskriminierung übersteigen unsere derzeitigen Kapazitäten deutlich. Betroffene trauen sich oft nicht, ihre Rechte einzufordern, oder wissen gar nicht, was ihre Rechte überhaupt sind. Unsere Begleitung schafft nicht nur rechtliche, sondern auch psychosoziale Sicherheit – eine zentrale Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe.
Wir haben uns in der TIN Community als unverzichtbare Anlaufstelle und als wesentliche Säule der breiteren bundesweiten queeren Bewegung erwiesen. Wir sind eng vernetzt mit TIN- und weiteren Beratungsstellen, wie zum Beispiel queere Anlaufsstellen, Antigewaltprojekte, usw. Wir nehmen Beratungsfälle der anderen Stellen oft an bzw. beraten die Stellen bei Rechtsfragen.
Unsere Organisation stärkt soziale Menschenrechte und setzt sich aktiv für gleichberechtigte Teilhabe und respektvolles Miteinander in unserer Gesellschaft ein. Wir arbeiten als Betroffene mit und für diejenigen, die zu oft ungehört bleiben – marginalisierte Menschen am Rand unserer Gesellschaft. Gleichzeitig machen wir sichtbar, dass diese Menschen nicht nur Hilfe brauchen, sondern selbst Teil der Lösung sind. Unser Team zeigt: Die betroffene Community hat das Wissen, die Motivation und den politischen Willen, sich für ihre Rechte einzusetzen. Die TIN-Rechtshilfe braucht nachhaltige Strukturen, um in einem zunehmend feindlichen Klima handlungsfähig zu bleiben. Der Respekt Gewinnt! Preis würde nicht nur unsere Arbeit materiell stärken, sondern auch ein Zeichen für die Werte von Gerechtigkeit und Solidarität setzen: dass TIN Menschen volle Anerkennung und Schutz in unserer Gesellschaft verdienen.