Mit unseren demokratiefördernden Angeboten machen wir Demokratie greifbar, auch für die Jüngsten unserer Gesellschaft, die in ihrem Alltag sonst wenig davon spüren. Es sind die Kinder, besonders die aus armen Familien, deren Stimmen überhört werden, für die kein Platz, keine Zeit oder nicht genug Kapazität da ist – ihre Lebensumstände bestimmen ihren Alltag und vor allem ihre Zukunft. Doch in einer Demokratie mit Gleichberechtigung und Chancengleichheit sollte das nicht so sein. Weil die Realität aber anders aussieht, unterstützt das Kinder und Jugendhaus BOLLE mit dem Projekt „Demokratie von Klein auf erleben“ sozial und bildungsbenachteiligte Kinder und Jugendliche durch Bildungsangebote und Kompetenzförderung dabei, eine gute Basis für ihren Lebensweg zu schaffen. Ob an Schulnachmittagen oder in den Ferien – bei uns findet Jeder und Jede ein Angebot, das sie interessiert und vielleicht sogar zu einem neuen Hobby wird, denn alle Angebote werden von den Kindern und Jugendlichen selbst mitbestimmt und gestaltet. So wird Demokratie u.a. durch aktive Mitbestimmung lebensnah vermittelt.
Projekt Informationen

Straßenkinder e.V. / Kinder- und Jugendhaus BOLLE
Hohensaatener Straße 20/20A
12679 Berlin
Lea Mann
https://www.facebook.com/VereinStrassenkinder.e.V/?locale=de_DE
Demokratie von Klein auf erleben
Demokratie ist das höchste Gut unserer Gesellschaft und dennoch keine Selbstverständlichkeit. Sie muss verteidigt werden, auch und insbesondere von und für unsere Jüngsten. Demokratie bedeutet eine Stimme zu haben, die auch gehört wird, sie bedeutet Gleichberechtigung unabhängig von Geschlecht, Religion, kulturellem und finanziellem Hintergrund. Kinder und Jugendliche erleben im Alltag wenig davon, insbesondere die Kinder, die in sozial benachteiligten, armen Familien aufwachsen – sie spüren wenig von Gleichberechtigung, geschweige denn Chancengleichheit. Auch schulischer Frontalunterricht fühlt sich nicht direkt nach Demokratie an – Lehrpläne sind vorgegeben, der Unterricht eher langweilig und eintönig. Dazu wird man bewertet und bekommt nur wenig Hilfe, wenn man dem Lernstoff nicht folgen kann. Die Schulen selbst können den Nachhilfebedarfen kapazitativ nicht gerecht werden. Die Familien können private Nachhilfe finanziell nicht ermöglichen. Doch auch in ihrer Freizeit haben sie kaum Zugang u gesellschaftlicher Teilhabe und kultureller Bildung – keine Ausflüge ins Museum, an den See oder in den Zoo. Wo bleibt da die Gleichberechtigung, nicht zuletzt mit Blick auf den Schulabschluss, Ausbildungsplatz und Beruf? Wo bleibt die Gerechtigkeit in der Freizeit, interessanten Hobbies nachzugehen oder ein Instrument zu lernen, einfach Kind zu sein? Gegen genau diese Bildungs- und Kinderarmut kämpfen wir an, um Kindern und Jugendlichen Perspektiven aufzuzeigen und Demokratie in allen Lebensbereichen erlebbar zu machen.
Zum Kinder- und Jugendhaus BOLLE kommen Kinder und Jugendliche im Alter von 6- 18 Jahren, die einen Anlaufpunkt brauchen, auf den sie sich verlassen können, wenn sie Probleme in der Schule, mit Freunden oder in der Familie haben. Hier treffen sie auf SozialpädagogInnen, denen sie vertrauen und auf deren Unterstützung sie in allen Lebenslagen bauen können. Neben Hausaufgaben- und individueller Nachhilfe können sie hier an einer Vielzahl von Freizeitangeboten teilnehmen, in denen sie sich ausprobieren können und so neue Interessen aber auch verborgene Talente und Stärken in sich entdecken. In allen Angeboten steckt Demokratie. Die Kinder und Jugendlichen entscheiden aktiv über die Planung und die Durchführung der Angebote, sie gestalten die Inhalte und die Räume, in denen sie stattfinden. Regelmäßig wird über die Planung abgestimmt. Regeln und Grenzen werden in Konferenzen gemeinsam und pädagogischer Begleitung ausgehandelt und in Kraft gesetzt. Sowohl das regelmäßige Wochenprogramm als auch das Ferienprogramm basieren auf den Ideen und Vorschlägen der Kinder und Jugendlichen. Über diese Vorschläge wird dann mündlich oder schriftlich abgestimmt. Dabei machen wir stets auf die Bedeutung von Meinungsfreiheit und des gegenseitigen Respekts aufmerksam. In der offenen Arbeit können die Kinder und Jugendlichen jederzeit selbst entscheiden, welche Angebote sie wahrnehmen wollen, sie können sich aber allein beschäftigen und die vielen Spiel-, Lern- und Lesemöglichkeiten bei BOLLE nutzen. Hier finden sie gelebte Demokratie.
Teil der Demokratie ist auch die vierte Gewalt – die Medien. Insbesondere im letzten Jahr haben wir einen Anstieg an Fehlinformation unter den Kindern und Jugendlichen wahrgenommen. Die Quellen dafür sind fast ausschließlich die Sozialen Medien, aber auch das soziale Umfeld. Aus diesem Grund haben wir nun spezielle demokratiefördernde Angebote fest in den BOLLE-Alltag der 11–18-Jährigen integriert. Regelmäßig werden gemeinsam verschiedene Nachrichtenformate angeschaut und danach moderiert ausgewertet. Ziel ist es, dass die Kinder und Jugendlichen diese Formate aber auch die kritische Auseinandersetzung mit ihnen kennenlernen. So können sie schließlich besser differieren, wie hoch der Wahrheitsgehalt von Informationen ist. Auch die sekundäre eigene Recherche zu verschiedenen Nachrichten und Themen spielt dabei eine wichtige Rolle. Weitere Angebote sind u.a. Workshops zu KI und Mediennutzung. KI hat bereits einen hohen Einfluss auf die Verbreitung von Falschinformation und visuellen Inhalten. In diesem Bereich spielen zudem Online-Diskussionen und die sogenannten „Shitstorms“ mit ihrer Entstehung eine Rolle. Ein anderer Workshop beschäftigt sich mit Cybersicherheit, um die Kinder und Jugendlichen vor den verschiedensten und mittlerweile sehr kreativen Phishing-Methoden zu schützen. Diesen Workshop bieten wir zudem auch für Eltern an, um ihren Umgang mit Medien und Internet sicherer zu gestalten. In allen Workshops können die Kinder und Jugendlichen ihre Erfahrung, ihre Gedanken und Ängste, sowie ihre Meinung teilen. Meinungsverschiedenheiten werden pädagogische begleitet, sodass die Kinder und Jugendlichen einen Handlungsrahmen zur konfliktfreien Auseinandersetzung sowie kompromissvoller Konfliktlösung erhalten.
Für Kinder im Alter von 6-10 Jahren wiederum bieten wir außerdem Workshops zum Thema „Interkulturelle Gemeinschaft“ an. Darin beschäftigen sie sich mit verschiedenen Kulturkreisen, deren Gemeinsamkeiten und Unterschiede, mit dem Ziel unterschiedliche Kulturen besser kennenzulernen und wertzuschätzen.
Übergeordnetes Ziel der demokratiefördernden Angebote ist es, dass die Kinder und Jugendlichen ein besseres Verständnis für Demokratie erhalten und sie täglich erleben. Durch aktive Mitentscheidung erleben sie den Wert ihrer Stimme, durch Bildungs- und Kompetenzförderung erleben sie mehr Selbstwirksamkeit und Gleichberechtigung, dass Kennenlernen verschiedener Kulturen und Gruppenaktivitäten unterstützen ein friedliches Miteinander. So machen wir Demokratie auch in den kleinen Dingen, im alltäglichen Rahmen erfahrbar setzen die Voraussetzung für die Verantwortungsübernahme jedes Einzelnen in unserer Gesellschaft.





