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Initiative Mahnwachen gegen Antisemitismus

Gewinnrunde

https://youtu.be/VYEjSmwzmgE

Mahnwache gegen Antisemitismus im WeinbergsparkDie Mahnwachen sind eine informelle, parteiunabhängige Bürger:innen-Initiative freiwillig Engagierter, die sich gegen Antisemitismus und antisemitische Gewalt sowie für die Vielfalt und Schutz jüdischen Lebens in Berlin und darüber hinaus einsetzt. Die Mahnwachen stehen solidarisch an der Seite jüdischen Lebens und wirken mit Maßnahmen politischer Bildung, in beruflichen Kontexten und im Kulturbereich gegen Antisemitismus, politische Gewalt, Verschwörungserzählungen sowie gegen Angriffe auf die Erinnerungskultur und die Verdrängung jüdischer Bürger:innen aus demokratischer und gesellschaftlicher Teilhabe. Die Initiative entstand nach dem Überfall islamistischer Terroristen auf Israel am 7. Oktober 2023 und darauffolgenden antisemitischen Gewalt weltweit, namentlich dem Brandanschlag auf die Synagoge der Gemeinde Kahal Adass Jisroel am 18. Oktober 2023. Die Mahnwachen leisten elementare, niedrigschwellige Bildungsarbeit gegen die Leugnung der Terrorverbrechen der Hamas sowie gegen die Verharmlosung gezielter Angriffe auf jüdisches Leben in Berlin. Die Initiative für die Bewahrung der weiterhin brüchigen Erinnerungs- und Gedenkkultur ein und tritt Holocaustleugnung, Verfälschung, Verharmlosung, Desinformation und der Dämonisierung Israels entgegen. Seit Oktober 2023 organisierte sie im Weinbergspark, zunächst täglich, seit Anfang 2024 jeweils am siebten Tag eines Monats -bis zur Freilassung aller Geiseln vom 7. Oktober eine Mahnwache. Zusätzlich versammeln sich die Teilnehmenden jeden ersten Freitag nach dem 18. eines Monats symbolisch vor der Synagoge in der Brunnenstraße 33, begleiten das Schabbatgebet der Gemeinde Kahal Adass Jisroel und erinnern gemeinsam an den Brandanschlag sowie die darauffolgende antisemitische Gewalt. Darüber hinaus kooperieren die Mahnwachen mit jüdischen Selbstorganisationen und engagierten Initiativen, darunter Ärzt:innen gegen Antisemitismus (etwa bei einer Podiumsdiskussion am 24. Juni 2024 zu den psychosozialen Folgen der antisemitischen Massaker vom 7. Oktober), Sozialarbeitende gegen Antisemitismus sowie Kulturschaffenden (u.a. bei der szenischen Lesung „Auch wenn es dunkel ist. Berichte vom 7. Oktober“ von Sharon On und Dirk Laucke im Rahmen der Mahnwache am 7. Juni

Projekt Informationen

Die Mahnwachen sind eine sichtbare, kontinuierliche und zivilgesellschaftlich getragene Antwort auf den massiven Anstieg antisemitischer Gewalt seit dem 7. Oktober 2023. Sie sind Ausdruck öffentlicher Verantwortung in einer Situation, in der jüdisches Leben in Deutschland spürbar unter Druck geraten ist. Kernanliegen ist elementare, barrierefreie und niedrigschwellige Bildungsarbeit gegen Antisemitismus im öffentlichen Raum – dort, wo sich antisemitische Ressentiments, Bedrohungen und Gewalt konkret entladen. Die Initiative reagiert dauerhaft, gewaltfrei und sichtbar auf gesellschaftliche Entwicklungen, die Sicherheit, Würde und Teilhabe jüdischer Bürger:innen betreffen.

Gezielt suchen die Mahnwachen Orte der Erinnerung an die Shoah, des reichen jüdischen Kulturerbes sowie Bildungseinrichtungen auf, die durch antisemitische und terrorverherrlichende Aufzüge bedroht werden. Sie stellen sich symbolisch schützend vor jüdische Friedhöfe, vor das Denkmal für die ermordeten Juden Europas oder vor Einrichtungen wie die Blindenwerkstatt in der Spandauer Vorstadt. Diese Präsenz verbindet historische Verantwortung mit aktueller Zivilcourage und setzt ein klares öffentliches Zeichen: Antisemitismus bleibt nicht unwidersprochen.

Die Mahnwachen schärfen das Bewusstsein dafür, dass Antisemitismus eine akute Bedrohung für Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt darstellt. Sie thematisieren Verschwörungsmythen, antisemitische Vorurteile und erstarkenden Judenhass ebenso wie Holocaustleugnung, die Verharmlosung terroristischer Gewalt, Desinformation und die Dämonisierung Israels. Damit verteidigen sie eine Erinnerungskultur, die zunehmend relativiert oder politisch angegriffen wird. In thematischen Beiträgen sichern sie den gesellschaftlichen Dialog, geben Betroffenen von Antisemitismus, Rassismus und Antiziganismus Raum und kooperieren unter anderem mit Überlebenden der sogenannten Baseballschlägerjahre sowie mit dem Landesverband Deutscher Sinti und Roma Berlin-Brandenburg. Solidarität wird nicht abstrakt formuliert, sondern öffentlich praktiziert.

Ausgehend von der Einsicht, dass Demokratie sich nicht selbst verteidigen kann, verstehen sich die Mahnwachen als zivilgesellschaftliche Verantwortungsgemeinschaft. Sie treten für eine plurale Gesellschaft ein, die Gleichheit, Würde und Teilhabe aller gewährleistet, und widersprechen entschieden der Verdrängung jüdischer Bürger:innen aus demokratischen und gesellschaftlichen Räumen.

Eine zentrale Forderung war die Freilassung aller von Islamisten seit dem 7. Oktober entführten Menschen sowie die würdige Rückführung der Leichname der Ermordeten. Mit der Übergabe der sterblichen Überreste von Ran Gvili wurde diese Forderung in einem letzten, tragischen Schritt erfüllt. Dieser Moment markiert jedoch keinen Abschluss, sondern einen Wendepunkt. Das Ende einer konkreten Forderung verdeutlicht, dass Bildungs-, Vernetzungs- und Präventionsarbeit langfristig verstetigt werden muss. Antisemitismus endet nicht mit einzelnen politischen Ereignissen; er verändert lediglich seine Erscheinungsformen. Deshalb bauen die Mahnwachen ihr Engagement strategisch aus.

Mit der „Fliegenden Universität gegen Antisemitismus“ wird dieser Schritt konsequent weitergeführt. Aufbauend auf einer ersten Kooperation mit lokalen Strukturen in Eberswalde zielt das Projekt darauf, insbesondere in ländlichen Räumen engagierte Menschen zu stärken und zu ermutigen, Verantwortung gegen Antisemitismus und antisemitische Gewalt zu übernehmen – am Arbeitsplatz, im Kulturbereich und innerhalb bestehender gesellschaftspolitischer Initiativen. Leerstellen in sozialen Bewegungen hinsichtlich einer klaren Positionierung gegen Antisemitismus sollen geschlossen, Handlungssicherheit vermittelt und nachhaltige Netzwerke aufgebaut werden.

Im Rahmen der „Fliegenden Universität“ besuchen wir Orte in Brandenburg und darüber hinaus, organisieren gemeinsam mit Partner:innen öffentlich sichtbare Mahnwachen, schaffen Räume für Austausch, Wissensvermittlung und Dialog und vernetzen bestehende Initiativen. So wird lokales Engagement gestärkt, seine Sichtbarkeit erhöht und bundesweite Anschlussfähigkeit hergestellt. Symbolische Präsenz wird mit konkreter Kompetenzvermittlung verbunden; spontane Solidarität wird in tragfähige Strukturen überführt. Die Initiative fördert damit zivilgesellschaftliche Resilienz gegenüber demokratiefeindlichen Tendenzen.

Die historische Referenz ist bewusst gewählt: Die „Fliegende Universität“ geht auf eine Bildungsinitiative der polnischen Frauenbewegung des 19. Jahrhunderts zurück, die unter restriktiven Bedingungen für Gleichberechtigung, aufklärerische Werte und gegen gesellschaftliche Vorurteile eintrat. Später griff die demokratische Opposition das Format auf, um Selbstbildung und demokratische Widerstandsfähigkeit zu stärken. In dieser Tradition versteht sich das Projekt als Antwort auf gegenwärtige „Shrinking Spaces“, also die Verengung demokratischer Räume durch Einschüchterung, Desinformation und Radikalisierung.

Die Mahnwachen verbinden unmittelbare Solidarität mit langfristigem Strukturaufbau. Sie reagieren auf akute antisemitische Bedrohungen und entwickeln zugleich nachhaltige Bildungs- und Vernetzungsformate. Ihr Ansatz ist lokal verankert, öffentlich sichtbar und bundesweit anschlussfähig. Damit stehen sie exemplarisch für eine wachsame, ausdauernde und verantwortungsbewusste Zivilgesellschaft, die Antisemitismus als gegenwärtig zentrale demokratische Herausforderung begreift und ihm mit Kontinuität, Klarheit und solidarischem Handeln entgegentritt.

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