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Wie ein Wald

Gewinnrunde

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Mein, Zara Demet Altan, Kurzfilm „Wie ein Wald“ ist eine poetische, atmosphärisch dichte Auseinandersetzung mit Erinnerung, Zugehörigkeit und inneren Landschaften. In ruhigen, eindringlichen Bildern entfaltet der Film eine sensible Reflexion über Verwurzelung und Verlust – und darüber, wie persönliche Erfahrungen sich wie ein Wald verzweigen: vielschichtig, lebendig und manchmal undurchdringlich.

Mit großer visueller Feinheit verbinde ich, Zara Demet Altan, Momente mit einer universellen Fragestellung nach Identität und dem Verhältnis zwischen Mensch und Natur. „Wie ein Wald“ lädt dazu ein, nicht nur zuzusehen, sondern sich selbst in seinen Bildern zu verorten und eine Stellung zur Gesellschaft einzunehmen und sich damit auseinanderzusetzen.

Mit meinen Schülerinnen und Schülern habe ich einen Kurzfilm produziert, der auf kreative, und kritische Weise ihre rassistischen Erfahrungen im schulischen Kontext thematisiert.

Außerdem haben die Schülerinnen und Schüler in ihrem schulischen Umfeld, ausgehend von Mitschülern und Lehrer und Lehrerinnen, rassistische Abwertung und Adultismus erfahren. Es fehlte die Möglichkeit mit den Lehrkräften und der Schülerschaft konstruktiv über das Erlebte zu reden. Als Lehrekraft nahm ich die Schüler*innen an und verarbeitete das Erlebte. Mir kam die Idee, die schmerzhaften Erlebnisse in filmischer Form zu verarbeiten.

Den Schüler*innen wurde die Möglichkeit gegeben, ihre Erlebnisse – unter anderem die direkte rassistische Herabwürdigung oder das kontinuierliche falsche Aussprechen der Namen – in Form eines Drehbuchs festzuhalten. Sie konnten in einem konstruktiven Umfeld, mithilfe der Unterstützung durch Lehrkräfte und Eltern, ihre Kreativität ausbauen und ein Projekt aufbauen. Der Großteil des Projektes wurde in der Freizeit durchgeführt. Dadurch konnte auch der Zusammenhalt zwischen Schüler*innen, Lehrkräften und den Eltern gestärkt werden.

Projekt Informationen

Wie ein Wald: Wenn Schülerinnen und Schüler Sätze hören wie: „Aus dir wird sowieso nur ein Müllmann“, dann werden sich Schülerinnen und Schüler fragen, warum sagen Sie so etwas als unsere Klassenlehrerin.

Sätze wie dieser haben sich tief ins Gedächtnis Mitschülerinnen und Mitschülern eingebrannt. Nicht nur an der Kurt-Schumacher-Grundschule, sondern an vielen anderen Schulen in Deutschland ist ein ähnlicher Tenor  zu hören. Und was vielleicht als vermeintlich motivierender Kommentar gemeint war, hinterließ stattdessen Verletzung, Demotivation und das Gefühl fehlender Wertschätzung, ja sogar Verachtung.

Aus diesen persönlichen Erfahrungen entstand das Filmprojekt „Wie ein Wald“ – ein eindrucksvolles Werk über Respekt, Diskriminierung und die Wirkung von Sprache im schulischen Alltag.

Projektidee und Zielsetzung

„Wie ein Wald“ greift die Erfahrungen von Schülerinnen und Schülern auf, die bewusste oder unbewusste Diskriminierung erlebt haben – sei es durch abwertende Bemerkungen, fehlende Anerkennung oder das wiederholte falsche Aussprechen eines Namens.

Der Film macht deutlich, wie sehr Worte prägen und wie nachhaltig sie Selbstbild und Bildungsweg beeinflussen können. Ziel des Projekts war es:

  • Schülerinnen und Schülern eine Stimme zu geben

  • Diskriminierungserfahrungen sichtbar zu machen

  • Empathie und Perspektivwechsel zu fördern

  • die Bedeutung von Wertschätzung im Schulalltag herauszustellen

  • Respekt als Grundlage gelingender Bildung zu stärken

Pädagogischer Ansatz

Ich begleitete Klassen auf einem intensiven Prozess der Reflexion. In geschütztem Rahmen konnten die Jugendlichen ihre Erlebnisse schildern, sich austauschen und gemeinsam verarbeiten.

Dabei entstand die Metapher des Waldes:
Wie in einem Wald ist jeder Mensch Teil eines größeren Ganzen. Jeder Baum ist anders, doch nur gemeinsam entsteht ein starker Wald als Bild der Solidarität. Diese ist aus dem Gedicht von Nazim Hikmet: „Leben, einzeln und frei wie ein Baum und brüderlich wie ein Wald — Das ist unsere Sehnsucht. Denn wenn wir Lehrer und Lehrerinnen es schaffen, jedes Kind wie einen Baum zu festigen, die gemeinsam für ein demokratisches Land solidarisch „Schwesterlich und Brüderlich“ zusammenhalten, dann tragen wie zu einem friedlichen Zusammenleben bei.

Fehlende Wertschätzung gleicht dabei einer Beschädigung – Respekt hingegen lässt Wachstum zu.

Durch kreative Medienarbeit lernten die Schülerinnen und Schüler:

  • eigene Erfahrungen konstruktiv zu formulieren

  • Verantwortung für ihre Geschichte zu übernehmen

  • ihre Perspektive öffentlich sichtbar zu machen

  • Selbstwirksamkeit zu erfahren

Wirkung und Anerkennung

Der entstandene Film „Wie ein Wald“ überzeugte bundesweit:
Unter 58 eingereichten Projekten gewann er den ersten Preis beim Bundeswettbewerb „fair@school – Schulen gegen Diskriminierung“.

Die feierliche Preisverleihung unter der großen Kuppel der St. Elisabeth-Kirche in Berlin würdigte nicht nur die filmische Qualität, sondern vor allem den Mut der Schülerinnen und Schüler, ihre Erfahrungen öffentlich zu teilen.

Nachhaltigkeit und Bedeutung

Das Projekt wirkt über den Film hinaus. Es sensibilisiert Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler sowie Eltern für die Kraft von Sprache und Haltung. Es zeigt, wie Schule zu einem Ort werden kann, an dem Vielfalt als Stärke verstanden wird – wie ein Wald, der nur in seiner Unterschiedlichkeit lebendig ist.

„Wie ein Wald“ steht damit exemplarisch für gelebte Demokratiebildung, Antidiskriminierungsarbeit und respektvolle Schulkultur.

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