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Wir

Gewinnrunde

Als Lehrerin und Filmemacherin der Fächer: Englisch, Deutsch, Geschichte und Kunst sehe ich es als meine Aufgabe fächerübergreifend zu Arbeiten und ihnen nicht nur die Literatur, die in den Lehrwerken stehen zu vermitteln, sondern auch philosophische Gedanken wie Kant und Marx zu vermitteln. Hinzu kommt, dass ich demnächst  mit Bertolt Brechts Kurzgeschichten beginnen werde für den nächsten Kurzfilm. Bertolt Brecht ist nicht nur einer der wichtigsten Dramatiker des 20. Jahrhunderts, sondern auch ein Autor, dessen Texte Kinder und Jugendliche auf besondere Weise stärken können. Seine Geschichten und Lehrstücke ermutigen dazu, Fragen zu stellen, und Schülerinnen und Schüler suchen nach Antworten, sie erkennen Ungerechtigkeit und sie wollen nicht alles als selbstverständlich hinnehmen. Brecht traut jungen Menschen zu, kritisch zu denken und Haltung zu entwickeln. Genauso wie Kant und Marx. Seine Figuren zeigen, dass Mut, Solidarität und eigenständiges Denken keine Frage des Alters sind. Gerade im schulischen Kontext eröffnet Brecht die Möglichkeit, gesellschaftliche Themen spielerisch und zugleich reflektiert zu verhandeln.

Projekt Informationen

Im Rahmen eines Drehbuchkurses, wie ich ihn bereits mit meinen drei vorherigen Filmprojekten: „Frühlingskinder“, „Sommernachtskinder“ und „Wie ein Wald“ erfolgreich durchgeführt habe, sollen sich die Schülerinnen und Schüler intensiv mit einer literarischen Vorlage auseinandersetzen, eigene Ideen entwickeln und diese kreativ filmisch umsetzen. Ausgangspunkt bildet die Kurzgeschichte „Der Knabe“ aus den Keuner-Geschichten von Bertolt Brecht. Darin erzählt Brecht von einem Kind, das Ungerechtigkeit nicht widerspruchslos hinnimmt, sondern ihr mit Klarheit, Mut und Entschlossenheit begegnet. Die Figur des Herrn Keuner fungiert als beobachtende und reflektierende Instanz, während der Knabe verdeutlicht, dass moralische Haltung weder von Macht noch von Besitz abhängt.

Diese literarische Grundlage eröffnet für die filmische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen vielfältige Möglichkeiten. Im gemeinsamen Diskurs entwickeln die Teilnehmenden eigene Perspektiven auf das Thema Gerechtigkeit und übertragen die Motive der Geschichte in ihre Lebenswirklichkeit. Dabei entstehen erste Szenenideen, Figurenkonstellationen und Konfliktlinien, die schrittweise zu einer eigenständigen filmischen Erzählung ausgearbeitet werden.

Als inspirierende filmische Referenz dient eine Szene (1:24:43) aus dem Film „Mein Mann“ von Bertrand Blier. In dieser Bahnhofsszene demonstriert ein wohlhabender Mann dem arbeitslosen Protagonisten scheinbar, wie man erfolgreich um Geld bittet: Selbstbewusst spricht er die Vorübergehenden an, woraufhin diese ihm großzügig Geld in seinen Hut legen. Der junge Mann glaubt zunächst, dass ihm das gesammelte Geld zugutekommen, er es erhalten wird, doch der Wohlhabende entgegnet lediglich: „Das musst du selber machen.“ Als der Arbeitslose daraufhin die gleiche Methode versucht, bleibt er erfolglos. Junge Menschen, die sichtlich selbst von Armut betroffen sind, raten ihm mitfühlend: „Setz deine Mütze wieder auf, es ist kalt.“ Eine weitere Frau kommentiert treffend: „Das Geld kriegen nur die Reichen.“

Diese filmische Sequenz macht soziale Ungleichheit und gesellschaftliche  Wahrnehmungsmuster sichtbar und eröffnet zentrale Fragestellungen: Wer erhält Unterstützung – und warum? Welche Rolle spielen Auftreten, Status und Zuschreibungen? Und wie lässt sich Ungerechtigkeit durchbrechen? In der Auseinandersetzung mit diesen literarischen und filmischen Mitteln entsteht schrittweise ein eigenständiges Drehbuch.

Die Schülerinnen und Schüler diskutieren ihre Beobachtungen, strukturieren ihre Ideen, entwickeln Figurenprofile und entwerfen eine klare Dramaturgie. Sie entscheiden gemeinsam, wie ihre Protagonistinnen und Protagonisten handeln, welche Formen des Widerstands sie wählen und welche Botschaft ihr Film vermitteln soll. Jeder Schritt – vom ersten Gedanken über das Schreiben der Dialoge bis hin zur Szenenabfolge – wird gründlich durchdacht, im Plenum reflektiert, schriftlich ausgearbeitet, szenisch geprobt und schließlich filmisch umgesetzt.

So wächst aus der literarischen Analyse und der filmischen Inspiration ein fundiertes Drehbuch, das nicht nur kreatives Schreiben fördert, sondern auch kritisches Denken, Teamarbeit und gesellschaftliche Verantwortung stärkt. Das Projekt verbindet ästhetische Bildung mit sozialer Reflexion und ermöglicht den Kindern, ihre eigene Haltung sichtbar und hörbar zu machen.

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