Respekt gewin­nt“, das ist auch die Auf­fas­sung der AG Queer in Trep­tow-Köpenick. Ges­tat­ten, darf ich Ihnen die AG Queer vorstellen?

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Bezirk­samt Trep­tow-Köpenick
12414 Berlin
Lokale Zuord­nung:
bezirk­lich

Projektinformation

Die Bezirksverord­neten­ver­samm­lung Trep­tow-Köpenick hat am 25.06.2009 einen Beschluss „Trep­tow-Köpenick gegen Homo­pho­bie“ gefasst. Dieser Beschluss Nr 672/31/09 lautet:

Das Bezirk­samt wird ersucht, die Bürg­erin­nen und Bürg­er des Bezirks für das The­ma “Homo­pho­bie” — Gewalt gegen Schwule und Les­ben, Trans­sex­uelle und Inter­sex­uelle zu sen­si­bil­isieren.
Dies soll erfol­gen durch:
— Hin­weise auf der Home­page des Bezirk­samtes;
— Unter­stützung von Pro­jek­ten, die das Ziel haben, die Akzep­tanz gle­ichgeschlechtlich­er Lebens­for­men zu fördern;
— eine Pressemit­teilung, die auf den Inter­na­tionalen Tag gegen Homo­pho­bie (17. Mai) hin­weist;
— Hissen der Regen­bo­gen­flagge;
— Ein­ladung, die jährlich stat­tfind­ende Werk­statt “Homo­pho­bie und schwu­len­feindliche Gewalt im öffentlichen Raum” im Bezirk abzuhal­ten;
— Aktio­nen, wie z. B. die Plakatak­tion “Pro­tect every kiss” oder die Ausstel­lung “Zeug­nisse schwu­len­feindlich­er Gewalt”;
— eine gemein­same Ver­anstal­tung gegen Homo­pho­bie mit Ini­tia­tiv­en, Ver­bän­den und Organ­i­sa­tio­nen, die sich für die Inter­essen von “queer” Lebensweisen ein­set­zen, um eine Grund­lage für einen Aktion­s­plan gegen Homo­pho­bie und für ein gemein­sames Miteinan­der zu erar­beit­en und Vere­in­barun­gen zu diesem The­ma zu tre­f­fen.

Um die Umset­zung dieses Beschlusses voran zu treiben, wurde eine bürg­erIn­nenof­fene Arbeits­gruppe – die AG Queer — kon­sti­tu­iert, die seit dem 31.08.2009 zwei­monatlich zusam­menkommt und deren Mit­glieder proak­tiv Maß­nah­men gegen Homo­pho­bie ini­ti­ieren und durch­führen.
Ins­beson­dere geht es um
— die Durch­führung von Aufk­lärungsver­anstal­tun­gen und präven­tiv­en Maß­nah­men zum Abbau von Vorurteilen gegenüber Homo­sex­uellen mit oder ohne Migra­tionsh­in­ter­grund,
— die Durch­set­zung ein­er Kul­tur der Anerken­nung gle­ichgeschlechtlich­er Lebenswe­sen sowie der Äch­tung jeglich­er For­men von Diskri­m­inierung.

Hin­weise „Queer – gle­ichgeschlechtliche Lebensweisen in Trep­tow-Köpenick“ sind jet­zt auf der Home­page des Bezirk­samtes ver­füg­bar unter www.berlin.de/ba-treptow-koepenick/politik/queer.html.

Ein Flaggen der Regen­bohnen­fahne an den Rathäusern Köpenick und Trep­tow am Christo­pher Street Day und jew­eils eine Woche vor und nach dem Inter­na­tionalen Tag gegen Homo­pho­bie (17.5.) wird durchge­führt, d. h. vom 10.05. – 24.05. jeden Jahres.

Das schwul-les­bis­che Fußball­turnier Come-Togeth­er-Cup wurde für das Jahr 2011 nach Trep­tow- Köpenick ein­ge­laden. www.come-together-cup.de/berlin/

Ein durch einen jun­gen Teil­nehmer des Frei­willi­gen sozialen Jahres entwick­el­ter Frage­bo­gen zum The­ma „Homo­sex­u­al­ität in Trep­tow-Köpenick“ befind­et sich in Vor­bere­itung. Die Entwick­lung des Frage­bo­gens wird durch eine frei­willig engagierte Trep­tow-Köpenick­er Sozial­wis­senschaft­lerin und durch die AG gegen Homo­pho­bie begleit­et.  Nach Fer­tig­stel­lung soll der Frage­bo­gen mit dem vor­läu­fi­gen Arbeit­sti­tel „Les­bisch-schwul oder so???“ in den ver­schiede­nen Ein­rich­tun­gen und auch auf Kietz-Fes­ten des Jahres 2011 zum Ein­satz kom­men.

An dieser Stelle sei auch auf einen Besuch der AG Queer in der zeit­genös­sis­chen Oper „Kat­te – Ein Prozess“ hingewiesen. Wei­thin ist die Geschichte von Friedrich II und Leut­nant von Kat­te bekan­nt: Friedrich II plante die Flucht weg von seinem stren­gen Vater, dem Sol­datenkönig, nach Frankre­ich. Er besprach diese Pläne mit seinem acht Jahre älteren Fre­und Hans Her­mann von Kat­te, den er wegen sein­er Welt­ge­wandtheit schätzte und mit dem er durch einen Gle­ichk­lang der Inter­essen – Flöten­spiel, Dichtkun­st – ver­bun­den war. Kat­te riet ab, später dann half er. Die Flucht wurde vere­it­elt, Friedrich II und Kat­te dem Kriegs­gericht im Schloss Köpenick über­stellt. Für den Thron­fol­ger erk­lärte sich das Gericht für nicht zuständig; der Leut­nant wurde vom Köpenick­er Kriegs­gericht zu lebenslanger Fes­tung­shaft; verurteilt. Der Sol­datenkönig ver­schärfte diese Strafe noch, indem er Kattes Exeku­tion anord­nete. Dem Leut­nant von Kat­te wurde der Kopf abgeschla­gen. Friedrich II musste dabei zuse­hen. Diese Geschichte wird von vie­len als die Geschichte ein­er Homo­sex­uel­len­pho­bie aufge­fasst. Zu diesem Stoff hat Hel­mut Oehring (Mit­glied der Akademie der Kün­ste, Jg. 1961) eine Oper kom­poniert mit ein­er sehr „entschle­u­nigten“ Musik.
Bir­git Grimm hat bei der Urauf­führung dieser Oper als Auf­tragswerk der Jun­gen Oper Berlin im Schloss­platzthe­ater Köpenick Regie geführt. Es sin­gen Ralf Grawe, Thorsten Oliv­er Huth und Nad­ja Saleh.

In der Kinder- und Jugen­dar­beit in den Jugend­freizeit­ein­rich­tun­gen wird das The­ma Homo­pho­bie im Rah­men der offe­nen Jugen­dar­beit the­ma­tisiert und Her­anwach­sende altersentsprechend sen­si­bil­isiert.

Bei beste­hen­dem Bedarf (z.B. auf Grund eines aktuellen Anlass­es, es ist ger­ade The­ma unter den Jugendlichen, es wird von den Jugendlichen gewün­scht bzw. angeregt) wur­den und wer­den in den Ein­rich­tun­gen und Pro­jek­ten the­ma­tis­che Ver­anstal­tun­gen, Pro­jek­te und Work­shops zum The­ma gle­ichgeschlechtliche Lebensweisen mit und für Jugendliche durchge­führt. Eine schwulles­bis­che Jugend­gruppe befind­et sich auf Betreiben der AG Queer im Auf­bau.

Im Rah­men der Real­isierung des Berlin­er Inte­gra­tionskonzeptes spielt es im Bere­ich der Inte­gra­tions­beauf­tragten eine Rolle. Als Leit­pro­jekt des Berlin­er Inte­gra­tionskonzeptes vom 2007 wurde im Rah­men des Hand­lungs­feldes II -Förderung ein­er Kul­tur des Respek­ts und Schutzes der Demokratie- im April des gle­ichen Jahres die „Lan­desstelle für Gle­ich­be­hand­lung — gegen Diskri­m­inierung“ bei der Sen­atsver­wal­tung für Inte­gra­tion, Arbeit und Soziales ein­gerichtet.

Sie arbeit­et auf Basis des All­ge­meinen Gle­ich­stel­lungs­ge­set­zes AGG, dessen Ziel es ist, Benachteili­gun­gen auf­grund der eth­nis­chen Herkun­ft, des Geschlechts, der Reli­gion oder Weltan­schau­ung, ein­er Behin­derung, des Leben­salters oder der sex­uellen Iden­tität zu ver­hin­dern oder zu beseit­i­gen.

Der Fach­bere­ich für gle­ichgeschlechtliche Lebensweisen ist Teil der Leit­stelle. Ein beson­der­er Schw­er­punkt ist der Abbau von Homo­pho­bie. In Zusam­me­nar­beit mit Inte­gra­tions­beauf­tragten des Sen­ats wurde im Okt. 2008 der erste Runde Tisch gegen Homo­pho­bie durchge­führt.

Unter­schiedliche sex­uelle Ori­en­tierung gehört auch zum Leben­sall­t­ag der Migranten­grup­pen. Das The­ma ist jedoch grund­sät­zlich tabuisiert und Homo­pho­bie aus­geprägt.

Wichtiges Ziel in der Inte­gra­tionsar­beit auf bezirk­lich­er Ebene ist deshalb die Berück­sich­ti­gung des The­mas bei der Weit­er­en­twick­lung des Inte­gra­tionskonzeptes für Trep­tow-Köpenick.
Schw­er­punk­te der zukün­fti­gen Arbeit bilden dabei
— die Sen­si­bil­isierung für das The­ma,
— die Durch­führung von Aufk­lärungsver­anstal­tun­gen und präven­tiv­en Maß­nah­men zum
— Abbau von Vorurteilen gegenüber Homo­sex­uellen mit oder ohne Migra­tionsh­in­ter­grund,
— die Durch­set­zung ein­er Kul­tur der Anerken­nung gle­ichgeschlechtlich­er Lebenswe­sen sowie der Äch­tung jeglich­er For­men von Diskri­m­inierung.

Beim Fest für Demokratie im Sep­tem­ber hat der Les­ben- und Schwu­len­ver­band Deutsch­land aktiv teilgenom­men. Auch in den kom­menden Jahren ist eine Ein­ladung zur Mitwirkung beim Fest für Demokratie an les­bisch-schwule Pro­jek­te ist beab­sichtigt.

Das The­ma Homo­pho­bie wurde auch im Rah­men des Lokalen Aktion­s­planes bear­beit­et und die Arbeit gegen Homo­sex­uel­len­feindlichkeit wird unter­stützt.

Im Früh­jahr 2010 wurde die Maneo-Ausstel­lung „Zeug­nisse schwu­len­feindlich­er Gewalt“ für mehrere Wochen in den Rathäusern Trep­tow und Köpenick gezeigt. Unbekan­nte mein­ten es im Rathaus Trep­tow nicht gut mit dieser Ausstel­lung, die mehrfach abge­hängt bzw. demoliert wor­den ist. Die Zeug­nisse schwu­len­feindlich­er Gewalt haben regionalen Bezug. Doku­men­tiert sind dort auch drei Vor­fälle aus Köpenick. Es gab dies­bezüglich Presse- und Newslet­ter-Mit­teilun­gen des Bezirk­samtes sowie über­haupt eine bre­ite Presseres­o­nanz.

Am 17.Mai 2010 ver­anstal­tete die Arbeits­gruppe „Queer in Trep­tow-Köpenick” im Rathaus Trep­tow den Inter­na­tionalen Tag gegen Homo­pho­bie. 130 Teilnehmer/innen beteiligten sich rege ins­beson­dere an den Work­shops für Pädagog/innen (Lehrerin­nen und Lehrer gemein­sam mit Fachkräften aus den Jugend­freizei­theimen) und für Schüler/innen und zum Abschluss gab Bezirksstad­trat Dirk Ret­zlaff einen Emp­fang. Diese gelun­gene Ver­anstal­tung unter­strich: „Trep­tow-Köpenick ist ein Ort der Offen­heit und des gegen­seit­i­gen Respek­ts. Intol­er­anz und Homo­pho­bie sollen hier keinen Platz find­en. Diskri­m­inierun­gen auf­grund von sex­ueller Ori­en­tierung wer­den nicht toleriert. Dieser inter­na­tionale Tag gegen Homo­pho­bie (IDAHO) erin­nert daran, dass Les­ben und Schwule in aller Welt um Anerken­nung und Grun­drechte kämpfen müssen.“ Mit dem Tag gegen Homo­pho­bie trug die Bezirksver­wal­tung dazu bei, den ein­gangs genan­nten BVV-Beschluss „Trep­tow-Köpenick gegen Homo­pho­bie“ vom 25.Juni 2009 zügig und qual­itätvoll umzuset­zen. Die Regen­bo­gen­fahne wurde gehisst. Sie wird auch stets am Vor­abend des Christo­pher Street Day in Berlin, während des Köpenick­er Som­mers, gehisst wer­den.

Eine Ein­ladung, die jährlich stat­tfind­ende Werk­statt „Homo­pho­bie und schwu­len­feindliche Gewalt im öffentlichen Raum“ im Bezirk abzuhal­ten, ist von der Bezirks­bürg­er­meis­terin schon vor län­ger­er Zeit aus­ge­sprochen wor­den, lei­der hat die Ein­ladung bis­lang trotz mehrerer Voschläge zu geeigneten Örtlichkeit­en kein pos­i­tives Echo gefun­den.

Die Plakatak­tion „Pro­tect every kiss“ ist den Jugend­freizeit­ein­rich­tun­gen, den Bib­lio­theken, den Volk­shochschul­stan­dorten, den Bürg­er­ber­atungsstellen sowie dem Sportamt zur Ver­fü­gung gestellt wor­den.

Um die Ver­net­zung mit anderen Ini­tia­tiv­en, Ver­bän­den und Organ­i­sa­tio­nen voran zu treiben, die sich für die Inter­essen von „queer“ Lebensweisen ein­set­zen, nehmen Mit­glieder der AG Queer in Trep­tow-Köpenick am diesjähri­gen Schwul-les­bis­chen Stadt­fest in Schöneberg und an den „Respect Gaymes“ teil und repräsen­tieren dort das The­ma „Homo­sex­u­al­ität in den Außen­bezirken“.

Zur Zeit ist es auf­grund eines restrik­tiv­en Sparkurs­es im Bezirk­samt nicht möglich, Pro­jek­te der AG Queer finanziell zu unter­stützen, obwohl das Ziel geteilt wird, die Akzep­tanz gle­ichgeschlechtlich­er Lebensweisen zu fördern. Wir haben viele Ideen und kom­men aus­drück­lich zur gemein­samen Ideen­find­ung am Sam­stag, dem 27.11.2010 zu ein­er Zukun­ftswerk­statt zusam­men. Mot­to der Zukun­ftswerk­statt: „Schöneberg war gestern – Trep­tow-Köpenick ist mor­gen! Queere Visio­nen für das Jahr 2015“. Ein Preis­geld von „Respekt gewin­nt“ würde uns den nöti­gen Rück­en­wind geben, um unsere Ideen aus der Zukun­ftswerk­statt in die Tat umzuset­zen.