Was haben Juden, Mus­lime und Rad­fahrer gemein­sam? Sie sind Diskri­m­inierun­gen aus­ge­set­zt, die dazu beitra­gen, dass der öffentliche Raum für sie teil­weise angst­be­set­zt ist und sie sich nicht frei und selb­st­sich­er in der Stadt bewe­gen kön­nen. An diesem Punkt set­zt das Pro­jekt an und vere­int Juden, Mus­lime und Fahrrad­fahrer in ein­er selb­st­be­wussten Aktion für ein respek­tvolles gesellschaftlich­es Miteinan­der, der Cycling-Unites-Crit­i­cal-Mass-Tour  .

Zur Projektgruppe

Ini­tia­tive Cle­vere Städte und meet2respect
Gal­vanis­traße 10
10587 Berlin
Tele­fon:
0160 — 9744 2395
Fokus (Alters­gruppe) auf:
Erwach­sene
Lokale Zuord­nung:
inter­na­tion­alstädtisch

Projektinformation

Die Anschläge von Paris und Kopen­hagen und die Über­griffe auf in Deutsch­land lebende Juden, die auf­grund ihrer Kip­pa als solche zu erken­nen waren, haben die Angst von Juden vor Anti­semitismus unter Mus­li­men und das Betreten von Stadtvierteln mit höherem mus­lim­is­chem Anteil, ver­stärkt.

Die Demon­stra­tio­nen gegen Mus­lime in Form von Pegi­da und Bran­dan­schläge gegen Moscheen befördern die Angst von Mus­li­men vor der Mehrheits­ge­sellschaft und dem Betreten von Stadtvierteln und Regio­nen, in denen kaum Mus­lime leben.

Jedes Jahr ster­ben 400 Fahrrad­fahrer in Deutsch­land, 70.000 wer­den ver­let­zt, jede zweite Stunde passiert es. Wegstreck­en, auf denen sich Fahrrad- und Autoverkehr die Straße teilen und es keine sep­a­rat­en Fahrrad­wege gibt, gehören zu den risiko- und angst­be­set­zten Bere­ichen für Fahrrad­fahrer.

An diesem Punkt set­zt das Pro­jekt an: NoGo-Zonen in unseren Städten dür­fen nicht der Nor­malzu­s­tand sein, wed­er für Juden, noch für Mus­lime noch für rad­fahrende Men­schen. In Verbindung mit der BERLIN BICYCLE WEEK ent­stand die Idee, die meet2re­spect-Tandems von Ima­men und Rab­bin­er auf „richtige“ Tandems aus Stahl und Gum­mi zu brin­gen: Sie soll­ten,  unter­stützt und begleit­et von ein­er Crit­i­cal Mass, ein ein­drucksvolles Zeichen im Hin­blick auf diese drei For­men urbaner Diskri­m­inierung ausstrahlen. Lead­er­ship Berlin – Net­zw­erk Ver­ant­wor­tung e.V. sorgte dabei für die Beset­zung von mehreren jüdisch-mus­lim­is­chen Tandems. Die Ini­tia­tive Cle­vere Städte war für die Organ­i­sa­tion der Tandems, der Sicher­heit und der Routen­pla­nung ver­ant­wortlich.

Für den Abbau von Anti­semitismus und Islam­feindlichkeit engagiert sich der gemein­nützige Vere­in Lead­er­ship Berlin – Net­zw­erk Ver­ant­wor­tung e.V., indem er im Rah­men seines Pro­jek­tes „meet2respect“ Imame und Rab­bin­er in „Tandems“ zusam­men­bringt, die sich gemein­sam in Schulk­lassen für Respekt und Tol­er­anz aussprechen. Um Anerken­nung für die im Straßen­verkehr benachteiligten Rad­fahrer engagiert sich seit 2013 Hein­rich Strößen­reuther. Er fördert mit sein­er Ini­tia­tive „Cle­vere Städte“ die weltweite Bewe­gung der Crit­i­cal-Mass-Touren, bei denen gemein­sam hun­derte bis zu 5.000 Rad­fahrer die Straße als öffentlichen Raum zurücker­obern und Präsenz gegen die Diskri­m­inierung und Gefährdung durch den Autoverkehr zeigen.

Die BILD-Zeitung schrieb in ihrer Schlagzeilen: „Sitzen ein Rab­bi und ein Imam auf dem Tan­dem, kein Witz“. Die Sym­bo­l­ik, dass Imame und Rab­bin­er gemein­sam auf einem Tan­dem-Fahrrad – einem Sym­bol für Freizeit, Spaß und Ver­bun­den­heit – sitzen, hat Wirkung bei jun­gen Mus­li­men. Ihnen wird damit ver­mit­telt, dass das Islam-Ver­ständ­nis ihrer Reli­gionsvertreter kein­er­lei Anti­semitismus oder generell Diskri­m­inierung, Beschimp­fung oder gar Gewalt gegen Ander­s­gläu­bige zulässt. Sie sehen, dass die Imame keine Berührungsäng­ste, son­dern ein offenes, gutes Ver­hält­nis zu Rab­bin­ern haben und dies auch nach außen tra­gen.

Gle­ichzeit­ig set­zt die Tan­dem-Tour ein wichtiges Sig­nal für den Abbau von Vorurteilen, Angst und Ablehnung gegenüber dem Islam und Mus­li­men in der Mehrheits­ge­sellschaft und in der jüdis­chen Com­mu­ni­ty. Islam wird in unseren Medi­en vor allem in neg­a­tiv­en Zusam­men­hän­gen dargestellt und Islam­feindlichkeit existiert  vor allem dort, wo keine Begeg­nun­gen stat­tfind­en und ein falsches (Feind-)Bild auf Grund­lage beispiel­sweise von IS-Kriegs­führung oder ter­ror­is­tis­chen Anschlä­gen entste­ht (das verdeut­licht z.B. die Zahl der Pegi­da-Anhänger in Dres­den, wo nur 0,1% Mus­lime leben). Dem treten die beteiligten Rab­bin­er gemein­sam mit den Ima­men ent­ge­gen und begeg­nen den häu­fig vorgenomme­nen Gen­er­al­isierun­gen und den stereo­typen Darstel­lun­gen von Mus­li­men mit einem pos­i­tiv­en, Gemein­schaftlichkeit sym­bol­isieren­den Bild.

Die Vorstel­lung, dass unsere Städte seit langem schon NoGo-Areas für rad­fahrende Kinder seien, ist eine Ungewöhn­liche, Rad­verkehr mit dem Wort Diskri­m­inierung zu verbinden eben­falls. Ein Grund, gemein­sam die Tour auf die Beine zu stellen und sie mit dem Gedanken der Crit­i­cal Mass zu verbinden. Das ist eine weltweite Bewe­gung, bei der am let­zten Fre­itag im Monat gemein­sam Fahrrad gefahren wird, um zu zeigen, dass Verkehr mehr als nur Auto ist: “Wir sind der Verkehr”.

An der Cycling-Unites-Crit­i­cal-Mass-Tour am 22. März nah­men acht jüdisch-mus­lim­is­che Tandems, ein jüdisch-mus­lim­is­ches Velo-Taxi und mehr als 500 Rad­fahrer der Crit­i­cal Mass teil. Die Tour startete am Bran­den­burg­er Tor und führte über 22 km vor­bei an jew­eils zwei jüdis­chen und mus­lim­is­chen Gebet­shäusern bzw. Ein­rich­tun­gen und endete beim Messegelände der BERLIN BICYCLE WEEK.  Über die Ver­anstal­tung wurde in Tagesspiegel, Mor­gen­post, Berlin­er ZeitungRBB Abend­schauDeutsche Welle, dem  Youtube-Chan­nel des Auswär­ti­gen Amtes und vie­len weit­eren Medi­en berichtet.