Buchpräsentation, Zeitzeugengespräch und Begegnung zwischen Schüler_innen der Margarethe von Witzleben Schule (Schule für Gehörlose) und dem Zeitzeugen Prof. Israel Unger .
Wie Anne Frank lebte Israel Unger in einem Versteck. Nur war er erst 5 Jahre alt und er, seine Eltern und sein Bruder überlebten den Krieg und die Odyssee der Nachkriegszeit. In seinem Buch beschreibt er das Leben und Überleben in dem von den Nationalsozialisten besetzten Polen. Versteckt für über zwei Jahre in einer Dachkammer mit nur 2 Metern mal 5 Metern überlebten insgesamt 9 Personen den mörderischen Verfolgungen. Gemeinsam mit Israel Unger erarbeitete die in Berlin lebende kanadische Autorin Carolyn Gammon das eindrucksvolle Zeitzeugnis. In einem vierjährigen Prozess recherchierten sie die Geschichte der Familie und die historischen Hintergründe. Carolyn Gammon verdichtete die Erinnerungen und Erlebnisse des Kindes zu einer biografischen Erzählung in Form eines Tagebuchs.

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JOLIBA - Interkulturelles Netzwerk in Berlin e.V.
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10997 Berlin
Telefon:
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Fokus (Altersgruppe) auf:
ErwachseneJugendlicheKinder

Projektinformation

In dem vorgeschlagenen Projekt hat Israel Unger sein Buch an der Magarete-von-Witzleben-Schule (Schule für Schwerhörige mit Abitur‘ ) in Friedrichshain vorgestellt. Die Mehrheit der dort lernenden Kinder sind gehörlos oder schwerhörig, andere haben den Bedarf in kleinen Klassen zu lernen. Da jeder Unterstützung braucht lernen die Schüler und Schülerinnen mit einander aufmerksam und rücksichtsvoll umzugehen.

In den vergangenen Jahren hat Carolyn Gammon wiederholt mit den Schüler_innen der Sekundarstufe II zum Thema Antisemitismus und Verfolgung im Nationalsozialismus gearbeitet. Die Lehrer_innen und die Schüler_innen haben diese Informationen sehr interessiert aufgenommen und so kam es im Herbst 2014 zu der Begegnung mit Israel Unger, der aus Kanada hier in Berlin zu Besuch war, um sein Buch vorzustellen. Die gesamte Schülerschaft kam in der Aula zusammen. Die älteren hatten sich mit der Geschichte vertraut gemacht. Die Veranstaltung wurde vom Englischen ins Deutsche und in Gebärdensprache übersetzt und das hat sicher dazu beigetragen, dass alle Kinder den Vortrag gut verstehen konnten. Obwohl durch Übersetzungen die Veranstaltung auch immer länger dauert, waren alle Schüler_innen aufmerksam und gespannt dabei. Israel Unger war sehr berührt von den Schüler_innen, die ihn im Anschluss mit Fragen überhäuften. Er hatte an keiner anderen Schule so viel intensive Anteilnahme und Interesse erlebt. Eines der Mädchen fragte ihn nachher, ob er denn noch jiddisch spräche und es für sie tun würde. Dies hatte er noch nie erlebt und er genoss es sehr dies mit den Schüler_innen teilen zu können. Die Schüler_innen haben sich mit dem Zeitzeugen auch daher identifiziert, weil ihnen über die Auseinandersetzung mit dem Projektthema deutlich wurde, das auch sie zu den gefährdeten Gruppen im Nationalsozialimus gehört hätten. Die Arbeit der Lehrer_innen mit der Autorin Carolyn Gammon über mehrere Jahre hat den Schüler_innen ermöglicht ihr Wissen zu dieser Zeit zu verbreitern und sich damit aktiv auseinanderzusetzen. Hierdurch werden sie in die Lage versetzt sich als mündige Bürger und Bürgerinnen zu entwickeln und Interesse an Politik und Zivilgesellschaft zu erweitern.
Diese Arbeit mit den Schülerinnen der Magarete-von-Witzleben-Schule und Carolyn Gammon soll fortgesetzt werden. So würden ein eventuelles Preisgeld in die Erstellung einer Version des „Ungeschriebenen Tagebuches des Israel Ungers“ als Kinder-und Jugendbuch einfließen. Denn die Geschichte des kleinen Jungen unter der Verfolgung hat das Potenzial Kinder und Jugendliche direkt zu involvieren und so ihren Zugang zu dem für sie sehr abstrakten Themas zu ermöglichen.

Das Buch wurde ins Deutsche übersetzt von Erica Fischer.