Juden und Muslime – ein aktuelles Thema
Die Dringlichkeit für muslimisch-jüdische Begegnungen ist extrem hoch. Insbesondere nach den Anschlägen in Paris oder den militärischen Auseinandersetzungen in Gaza 2014 und den damit verbundenen Demonstrationen in Deutschland. Spätestens mit dem Zuzug der arabischen Flüchtlinge, kann sich ein mitgebrachtes Misstrauen auch hier etablieren. Deutschland könnte aber auch die Möglichkeit bieten, dass Ressentiments auf beiden Seiten abnehmen und wertvolle Erfahrungen des Zusammenlebens gemacht werden.

Zur Projektgruppe

empati gGmbH
Arndtstraße 1
10965, Berlin
Fokus (Altersgruppe) auf:
Jugendliche
Lokale Zuordnung:
national

Projektinformation

Ideen für mehr Frieden und Toleranz
Jüdisch-Muslimische Besuche der Gotteshäuser, Feste, Diskussionsrunden, Kamingespräche, Seminare, Workshops usw. gibt es viele. Die “jüdisch-muslimische DialoWG” ist etwas ganz Neuartiges. Sie ist so konzipiert worden, dass jeweils drei junge Juden und Muslime in Berlin in einem ganz ungewöhnlichen Rahmen und doch in ihrem Alltag zusammenzubringen. Sie bilden über acht Tage eine Wohngemeinschaft in einem eigens angemieteten Appartement. WG-Bewohner verfolgen über acht Tage wie gewohnt ihre alltäglichen Aufgaben: Schule, Studium, Arbeit… Aber ihr Zuhause teilen sie sich mit den Anhängern der anderen Religion. Das heißt, dass jeder mal kocht, sie zusammen essen und einen gemeinsamen Reinigungsplan erstellen. Schon an dieser Stelle lernen sie, miteinander auszukommen und Kompromisse einzugehen. Zusätzlich nehmen sie an einem „ideellen Programm“ teil. In den Recherchen wurde kein Projekt solcher Art in Europa oder den USA gefunden.

Projekte für junge Muslime
Die DialoWG ist ausgerichtet auf junge Menschen im Alter von 18-29 Jahre aus der Schule, Ausbildung, Studium oder Berufsstart ansprechen. Bei vielen Dialogprojekten nehmen wenig junge Gläubige teil. Das liegt mit Sicherheit oft daran, dass Konzepte zu wenig an jungen Menschen orientiert sind. Das Team der empati gGmbH versucht hier die Lücke zu schließen und entwickelt Programme gezielt für Jugendliche und junge Erwachsene u.a. die DialoWG.

Ziel des WG-Experiments DialoWG
Die jungen Leute jüdischen und islamischen Glaubens sollten in den acht Tagen eng zusammenwachsen, wertvolle Erfahrungen des Miteinanders sammeln und so echte Freundschaften entstehen. Diese WG sollte ein unvergessliches Erlebnis für die Teilnehmer werden und ihre Einstellungen bezüglich des muslimisch-jüdischen Verhältnisses nachhaltig prägen. Die positiven Erfahrungen der Teilnehmer sollten dann auch möglichst viele andere Menschen erreichen. Diese Ziele konnten erreicht werden. Noch heute engagieren sich einige der Teilnehmer im jüdisch-muslimischen Dialog, sind weiterhin befreundet und treten gemeinsam auf Dialogveranstaltungen auf.

Das Programm der Wohngemeinschaft
In der WG beschäftigten sich  die Teilnehmer mit ihrer eigenen (jüdischen, muslimischen) Identität, mit Werten der “Anderen” und Stereotypen. Um das eigene Urteil über die Kultur und Religion des anderen zu überprüfen, ließen sich die Teilnehmer aufeinander ein, hörten sich gegenseitig zu und suchten nach den Gemeinsamkeiten. Zusätzlich bot empati in Zusammenarbeit mit anderen Institutionen ein unterstützendes Programm an, z.B.:

Entwicklung von Regeln für die WG
Interreligious Diversity-Training
Besuche von Moschee und Synagoge
Spieleabend
Filmabend
Interkulturelles Rollenspiel Toledo

Verbreitet die gute Nachricht
Die beeindruckenden gemeinsamen Momente erreichten über die Sozialen Netzwerke und den angeschlossenen Blog http://www.dialowg.de eine breite Zielgruppe. Noch heute wird der Blog von Interessierten angesteuert und die aufgebaute Fanpage auf facebook mit weiterführenden aktuellen Berichten interessiert verfolgt.

Die WG wurde u.a vom Deutschlandfunk berichterstattend begleitet, ebenso von einer bekannten jüdischen Bloggerin und muslimischen Online- und Printmedien.
Und was war nach der WG-Woche?
Nachdem die Teilnehmer vom 1.-8. Oktober 2015 in der WG intensiv zusammenlebten, war nicht einfach Schluss sein. Sie nahmen an Folgeveranstaltungen teil und berichteten über ihre Erfahrungen.  Außerdem wurden die Tage filmisch, wie auch als Printreportage dokumentiert und stehen demnächst Interessierten zur Verfügung.