Unser Pro­jekt fluchter­fahren bringt Berlin­er Schüler_innen mit Geflüchteten ins Gespräch. Der direk­te Aus­tausch soll dazu führen, dass sich die Schüler_innen mit dem poli­tis­chen, sozialen und wirtschaftlichen Kon­text gegen­wär­tiger Migra­tion auseinan­der­set­zen, und zwar im Rah­men von indi­vidu­ellen Erfahrun­gen der Flucht – indem nicht übere­inan­der, son­dern miteinan­der gesprochen wird. Das per­sön­liche Gespräch soll zu ein­er tiefre­ichen­den Beschäf­ti­gung mit diesem The­ma bewe­gen. Dazu gehört ins­beson­dere auch, beste­hende Vorurteile zu hin­ter­fra­gen sowie auf Seit­en der Geflüchteten eine Form von Inte­gra­tion zu ermöglichen, die deren Erfahrun­gen und Per­spek­tiv­en ins Zen­trum stellt: fluchter­fahren ver­ste­ht sich somit gle­icher­maßen als Bil­dungs- und als Inte­gra­tionspro­jekt.

Projektgalerie

Zur Projektgruppe

fluchter­fahren
Elßholzstr. 18
10781, Berlin
Fokus (Alters­gruppe) auf:
Jugendliche
Lokale Zuord­nung:
bezirk­lichstädtisch

Projektinformation

Das Ziel von fluchter­fahren ist es, einen Raum und Rah­men zu schaf­fen, um miteinan­der über die vielfälti­gen Gründe und die Umstände von Flucht zu sprechen. Auf diese Weise tritt unser Pro­jekt für eine kri­tis­che Auseinan­der­set­zung auf Augen­höhe mit dem The­ma im Bere­ich von Bil­dung und Schule ein, die den existieren­den Stig­ma­tisierun­gen und pop­ulis­tis­chen Vere­in­nah­mungen offen­siv ent­ge­gen­tritt.

Das Pro­jekt richtet sich an Lehrer_innen aller Schul­typen, denen wir es erle­ichtern möcht­en, ein solch­es Gespräch auf die Beine zu stellen. Unser Pro­jekt zielt darauf ab, sich in die nor­male Unter­richtsstruk­tur leicht einzu­passen, und zugle­ich eine Weise der Auseinan­der­set­zung zu ermöglichen, die den Zugang zu einem kom­plex­en The­ma über den per­sön­lichen Kon­takt her­stellt. Das päd­a­gogis­che Konzept ori­en­tiert sich daher an einem 3-Schritte-Mod­ell, das neben der Organ­i­sa­tion des tat­säch­lichen Gesprächs auch Mate­ri­alien für die jew­eili­gen Sitzun­gen zur Vor- und Nach­bere­itung bein­hal­tet. So möcht­en wir gewährleis­ten, dass die Kom­plex­ität des The­mas abge­bildet wird und das Gespräch in einem Rah­men stat­tfind­et, der für die Her­aus­forderun­gen sen­si­bel ist, die ein solch­es Gespräch für die Geflüchteten bedeutet. fluchter­fahren ver­ste­ht sich aber nicht nur als Bil­dungs-, son­dern auch als Inte­gra­tionspro­jekt, das die Geflüchteten auf eine Weise mitein­bezieht, die ihre Per­spek­tiv­en ernst nimmt. Es ist deshalb auch wichtig, durch eine umfassende Vor­bere­itung und ggf. eine Begleitung durch Dritte dafür zu sor­gen, dass sich die Geflüchteten gerüstet fühlen, ein­er Schulk­lasse gegenüberzusitzen.

Wir sind bis­lang eine kleine Gruppe jün­ger­er Leute, die entwed­er im Bere­ich der poli­tis­chen Bil­dungsar­beit, der Wis­senschaft, der Flüchtling­shil­fe oder als Lehrer_innen arbeit­en. Auf unter­schiedliche Weise beschäfti­gen sich die Mit­glieder von fluchter­fahren so auch jen­seits der Arbeit in dem Pro­jekt mit gegen­wär­ti­gen sozialen und poli­tis­chen Prob­le­men. Wichtiger ist, dass Men­schen mit Fluchter­fahrung zum Pro­jekt gehören: das ist für uns, mit Blick auf die Inklu­siv­ität, die das Pro­jekt voran­brin­gen will, auch in konzeptuellen und organ­isatorischen Fra­gen unab­d­ing­bar. Derzeit arbeit­en wir mit 8–10 Geflüchteten zusam­men, die als Gesprächspartner_innen Berlin­er Schulk­lassen besuchen. Da das Pro­jekt sich noch rel­a­tiv am Anfang befind­et, standen die let­zten Monate ganz im Zeichen ein­er aus­gedehn­ten Pilot­phase. Unter aus­führlicher­er Beratung ein­er ver­wandten Ini­tia­tive (Life Back Home) haben wir das päd­a­gogis­che Konzept entwick­elt und Mate­ri­alien zur Vor- und Nach­bere­itung zusam­mengestellt. Im Okto­ber und Novem­ber 2017 haben wir zwei Work­shops ver­anstal­tet, um auch mit Hil­fe von exter­nen Referent_innen die inter­essierten Geflüchteten auf ihr Gespräch vorzu­bere­it­en. Im Jan­u­ar und Feb­ru­ar 2018 haben Ahmad, Mohammed, Ali und Aabed jew­eils eine Berlin­er Schulk­lasse besucht, mit großem Erfolg. Dies wurde uns auch von den beteiligten Lehrer_innen bestätigt, die wir im Voraus in die Organ­i­sa­tion einge­bun­den und um ein umfan­gre­ich­es Feed­back zum Ablauf der Dop­pel­stun­den sowie zu den Mate­ri­alien gebeten haben. Ganz generell ist auch auf Seit­en der Lehrer_innen  die Res­o­nanz auf unser Pro­jekt bis­lang außeror­dentlich pos­i­tiv gewe­sen; es gibt augen­schein­lich großes Inter­esse daran, das The­ma auf eine Weise zu behan­deln, die die per­sön­liche Inter­ak­tion ins Zen­trum stellt. Auf Seit­en der Geflüchteten wird immer wieder betont, wie wichtig es ist, selb­st über die eigene Geschichte zu sprechen. Auf Basis dieser tollen Erfahrun­gen sind alle Beteiligten weit­er­hin außeror­dentlich motiviert, das Pro­jekt rasch weit­er zu ver­steti­gen und Gespräche zu organ­isieren, einen Vere­in zu grün­den etc.

Da unsere Pro­jek­tidee noch jung ist und deren Umset­zung ger­ade erst Fahrt aufn­immt, möcht­en wir die öffentliche Aufmerk­samkeit, die mit dem Wet­tbe­werb ein­herge­ht, dazu nutzen, das Vorhaben bekan­nter zu machen, weit­ere Mitstreiter_innen zu gewin­nen und For­men der Zusam­me­nar­beit mit anderen Organ­i­sa­tio­nen zu ini­ti­ieren bzw. auszubauen. Ein möglich­es Preis­geld wür­den wir ver­wen­den, um die Geflüchteten in päd­a­gogis­ch­er, psy­chol­o­gis­ch­er und sprach­lich­er Hin­sicht noch bess­er auf die her­aus­fordernde Sit­u­a­tion vorzu­bere­it­en, vor Schulk­lassen von den Umstän­den und Erfahrun­gen ihrer Flucht nach Deutsch­land zu erzählen.