Gewinner Ausze­ich­nung
2014/15

Die Idee: Gemein­sam gärt­nern, Gren­zen über­winden …

Ziel unser­er Ini­tia­tive ist es, gemein­sam mit Bewohner*innen des Über­gangswohn­heims Alfred-Randt-Straße in Berlin-Köpenick, Nachbar*innen aus dem Wohnge­bi­et Allende II und Freund*innen des urba­nen Gärt­nerns die Außen- und Frei­flächen des “Con­tain­er­dorfs” durch ökol­o­gisch wertvolle Ele­mente eines ess­baren Nutz­gartens zu ergänzen. Im März 2015 haben wir damit begonnen, den Garten als inte­gra­tiv­en und pro­duk­tiv­en Ort der Begeg­nung und des kreativ­en Tätig­seins aufzubauen. Der “Garten der Hoff­nung” soll den nach­barschaftlichen Aus­tausch im Wohnge­bi­et Allende II unter­stützen. Tol­er­anz und Respekt sollen dort miteinan­der gelebt wer­den.

Immer fre­itags am Nach­mit­tag ab 15 Uhr wird gemein­sam gegärt­nert und gebaut. Die Garten-AG freut sich auf weit­ere aktiv Mitwirk­ende aus der Nach­barschaft.

 

Projektinformation

Errichtet wurden/werden Hochbeete mit Gemüse, Frücht­en, Kräutern und Blu­men zur gemein­schaftlichen Nutzung. Die ersten Obst­ge­hölze wie Aprikose und Johan­nis­beere wur­den bere­its gepflanzt.  Geplant sind auch begrünte Per­golen (z.b. für Wein­stöcke) eine Kräuter­spi­rale und vielle­icht kann sog­ar ein Feuer­platz entste­hen, an dem gemein­sam gekocht und gefeiert wird.

Die Idee zum “Garten der Hoff­nung” enstand im Herb­st 2014, als bekan­nt wurde, dass im Köpenick­er Wohnge­bi­et Allende II das erste von ins­ge­samt sechs “Con­tain­erdör­fern” in Berlin für Men­schen mit Fluchter­fahrung errichtet wer­den soll. Recht­spop­ulis­ten und aktive Neon­azis zogen in den fol­gen­den Wochen und Monat­en Seite an Seite mit  “besorgten Bürg­ern” durch das Wohnge­bi­et, ver­bre­it­eten Has­s­parolen und schürten hem­mungs­los Äng­ste und Ressen­ti­ments unter der Nach­barschaft der im Bau befind­lichen Unterkun­ft.

Als Gegen­pol zur frem­den­feindlichen Mobil­machung fan­den sich jedoch auch Men­schen zusam­men, die gemein­sam eine Willkom­men­skul­tur im Vier­tel schaf­fen woll­ten: unter dem Dach der neuen Bürg­erini­tia­tive “Allende II hil­ft!” fand im Dezem­ber 2014 eine Helfer*innenkonferenz statt. Dort stellte sich auch bere­its die kün­ftige Heim­leitung des “Con­tain­er­dorfs”  – der Inter­na­tionale Bund – vor.

Die Idee eines par­tizipa­tiv­en Garten­pro­jek­ts auf dem Heimgelände, das nicht “nur” für, son­dern aus­drück­lich mit den Heimbewohner*innen entwick­elt und umge­set­zt wer­den sollte, stieß sowohl beim Betreiber Inter­na­tionaler Bund, als auch bei der noch jun­gen Bügerini­tia­tive und den im Wohnge­bi­et täti­gen Akteur*innen auf sehr gute Res­o­nanz. So kon­nte die Pro­jek­tidee von Anfang an gut ver­net­zt weit­er entwick­elt wer­den.

Der erste Garten-Aktion­stag fand zu Früh­lings­be­ginn am 21.03.2015 statt. Eine große Pflanzfläche im Innen­hof wurde gemein­sam “beack­ert” und das erste Hochbeet mit Kräutern ent­stand nahe des Hauptein­gangs. Bewohner*innen des Über­gang­sheim sind mit Feuereifer dabei. Män­ner aus Syrien, Eritrea, Ser­bi­en, Libyen und Berlin-Köpenick bauen gemein­sam mit großer Sachkunde hölz­erne Beetk­isten. Oft reichen Mate­r­i­al und Werkzeug gar nicht aus, um alle Inter­essierten ein­beziehen zu kön­nen. Bosnis­che Frauen haben zusam­men mit Nach­barin­nen aus der Umge­bung Kartof­feln in die Erde gebracht, Narzis­sen und Ver­giss­meinicht gepflanzt, Stu­den­ten­blu­men und Tagetes gesät. Für die  Kinder ist z.B. immer das Gießen eine ganz große Sache und sie ste­hen am Wasser­hahn Schlange, um ihre Gießkan­nen füllen zu lassen.

Bei Kaf­fee und Tee kom­men die Mit­gärt­nern­den ein­fach miteinan­der ins Gespräch. Wir erfahren vom Garten mit Rosen und Wein­trauben, den eine syrische Fam­i­lie in der Heimat hat­te. Wir ler­nen einen Her­rn aus Libyen ken­nen, der dort jahrzehn­te­lang als Möbeltischler tätig war und sich bei uns fast entschuldigt, dass er wegen seines kaput­ten Rück­ens nicht selb­st am “Garten der Hoff­nung” mit­bauen kann. Die Kinder leg­en Samenkörn­er in die vor­bere­it­eten Saa­trillen und ler­nen dabei die deutschen Wörter “Radi­eschen”, “Erb­se” oder “Kohlra­bi”.

Über uns:

Unsere ehre­namtliche Garten-AG wirkt als Teil der Bürg­erini­tia­tive “Allende II hil­ft!” und beste­ht – neben den Pro­jekt-Ini­tia­torin­nen Brigitte und Petra – zurzeit aus fünf Aktiv­en. Engen und außeror­dentlich kon­struk­tiv­en Kon­takt hal­ten wir zum Heim­leit­er und zur Sach­lei­t­erin des Über­gang­sheims, zum Interkul­turellen “Wuh­le­garten” Berlin-Köpenick, zum Fam­i­lien- und Nach­barschaft­spro­jekt “Die Bude” in unmit­tel­bar­er Nähe des Heims sowie zur Bürg­erini­tia­tive “Wel­come Refugees” aus dem benach­barten Wohn­quarti­er Allende I (dort befind­et sich bere­its seit 2013 eine Unterkun­ft für Geflüchtete). Darüber hin­aus ist unsere Gartenini­tia­tive ver­net­zt mit dem Gemein­schafts­garten All­mendekon­tor (Tem­pel­hofer Felde), dem Forum Stadt­gärt­nern Berlin sowie dem Net­zw­erk Interkul­tureller Gärten Berlin/Brandenburg.

Finanzierung und Unter­stützung:

Das Pro­jekt “Garten der Hoff­nung” erhält Mate­ri­alkosten­zuschüsse zum Beschaf­fen von Saatgut, Jungpflanzen, Werkzeug und Bau­ma­te­r­i­al aus Mit­teln der Lokalen Agen­da 21 Trep­tow-Köpenick und der bezirk­lichen “Kiezkasse”. Unter­stützt wird das Pro­jekt auch von der Stiftungs­ge­mein­schaft ans­tiftung & ertomis, der bun­desweit­en Koor­dinierungsstelle für Urbane und Interkul­turelle Gemein­schafts­gärten, Repara­turini­tia­tiv­en, Offene Werk­stät­ten u.a.

Aus­blick:

In den kom­menden Wochen sollen Schritt für Schritt weit­ere Hochbeete mit inte­gri­erten Sitzbänken auf dem Innen­hof zwis­chen den bei­den Con­tain­erge­bäu­den entste­hen und vielfältig “ess­bar” besät-/bepflanzt wer­den. Auch den Ein­gangs­bere­ich des Heims, die Müll­stands­fläche sowie die umzäun­ten Grund­stück­srän­der wollen wir gemein­sam mit den im Heim Wohnen­den und inter­essierten Nachbar*innen ökol­o­gisch vielfältiger und ins­ge­samt ein­laden­der für die Nach­barschaft gestal­ten. Dabei arbeit­en wir daran, dass inter­essierte Heimbewohner*innen zunehmend selb­st Ver­ant­wor­tung für “ihren” Garten übernehmen.