Dein Raum für Vielfalt!

Beleidigungen, Abwertungen und Diskriminierungen aufgrund kollektiver Merkmale gehören zum Alltag in der Jugendarbeit. Adäquat darauf zu reagieren, ist nicht immer leicht für die Mitarbeiter_innen. Aus dem Wunsch heraus nach einem abgestimmten Vorgehen, nach Unterstützung und einem kontinuierlichen Austausch, entstand in Berlin Hohenschönhausen/ Lichtenberg eine Fachaustauschrunde, die sich seit 2009/2010 regelmäßig zu dieser Thematik trifft.

Zur Projektgruppe

Netzwerk für Demokratie Licht-Blicke (pad gGmbH)
Ahrenshooper Str. 7
13051 Berlin
Telefon:
030 99 270 555
Fokus (Altersgruppe) auf:
ErwachseneJugendlicheKinder
Lokale Zuordnung:
bezirklich

Projektinformation

Das Projekt verfolgt das Ziel, in Jugendfreizeiteinrichtungen einen diskriminierungsfreien Raum zu schaffen, in dem eine Kultur des gegenseitigen Respekts in gemeinsamer Verantwortung mit den Kindern und Jugendlichen entstehen kann. Der Anspruch ist dabei, bereits vorhandene und gelebte Vielfalt zu fördern und sichtbar zu machen. Homo-/transphoben, rassistischen und anderen menschenverachtenden Einstellungen soll schon in ihren Ansätzen in Form abwertender Witze und Sprüche begegnet werden, um ein Klima von Wertschätzung und Anerkennung für alle Kinder und Jugendlichen zu schaffen.
Die Beteiligung und inhaltliche Auseinandersetzung der Kinder und Jugendlichen in den Einrichtungen mit Diskriminierungen und ihren Konsequenzen erfolgt über individuell abgestimmte Workshops und Methoden, um sie so in den Prozess der Auseinandersetzung und zugleich Positionierung der Einrichtungen nach außen gegen Diskriminierungen einzubinden: u.a. über Workshops mit jugendkulturellen Ansätzen (Graffiti, Skateboarding, HipHop), die mit der Beschäftigung mit Diskriminierungsebenen wie Alltagsrassismus und Homo-/Transphobie verbunden werden sowie mit Hilfe eines gemeinsam entwickelten Logos, das auf T-Shirts, Pullovern oder Aufklebern getragen wird. “Beauftragte” für Diskriminierung auf Seiten der Kinder und Jugendlichen werden dabei unterstützt und dafür qualifiziert, die Inhalte untereinander zu verbreiten und zu vertreten.
Ein spezieller Fokus hat sich seit dem letzten Jahr mit den neu ankommenden Flüchtlingen und Zugewanderten ergeben, die zum Teil die Einrichtungen besuchen und in die Willkommensklassen der kooperierenden Schulen gehen. Daher soll dem Thema Flucht und Asyl auf verschiedenen Wegen Raum gegeben werden, verbunden mit gemeinsamen solidarischen Aktionen und der permanenten Überprüfung, ob der Zugang zu den Einrichtungen für alle gleichermaßen besteht oder Hürden abgebaut werden und spezielle Maßnahmen ergriffen werden müssen.
Ein Instrument der inhaltlichen Auseinandersetzung sind die Fachstandards im Umgang mit Diskriminierungen in der Offenen Jugendarbeit sowie der Straßen- und Schulsozialarbeit - diese sollen einen Orientierungsrahmen bieten für individuelle Reaktionsmöglichkeiten und ein abgestimmtes Handeln im Team und in der Einrichtung ermöglichen. Dabei geht es stets um eine inhaltliche Positionierung: eine nach außen sichtbare Haltung, die mit Hilfe des gemeinsamen Logos verdeutlicht wird. Sie sollen Jugendliche und Fachkräfte geichermaßen dabei unterstützen, abwertenden/ ausgrenzenden Haltungen entgegenzuwirken und angemessen reagieren zu können. Voraussetzung dafür sind die Stärkung einer klaren menschenrechtsorientierten Haltung auf allen Seiten sowie praxisbezogenes Handwerkszeug. Über kontinuierliche Reflexion und Supervision soll eine Sensibilisierung der Mitarbeiter_innen in den Einrichtungen für alle Diskriminierungsformen erreicht werden sowie die Stärkung ihrer Handlungsfähigkeit im Umgang damit durch Fortbildungen, Methodensammlungen/ Praxisbeispiele und die Fachstandards als Orientierung.
Der Kreis der beteiligten Mitarbeiter_innen hat sich mittlerweile auf fünfzehn Jugendfreizeiteinrichtungen erweitert, die sich seit Anfang 2010 regelmäßig treffen, um sich inhaltlich auszutauschen und weiter zu qualifizieren. Die Netzwerkstelle Licht-Blicke koordiniert und begleitet dieses Projekt von Anfang an und bietet fachliche Unterstützung.

Die Fachstandards als ein Ergebnis des Projekts für den Umgang mit Diskriminerungen in der (offenen) Jugendarbeit werden verbunden mit der Erstellung einer Handreichung, die sowohl Reflexionsfragen als auch einen Leitfaden für die Umsetzung in der Einrichtung/ im Träger (u.a. in pädagogischen Konzepten) sowie Materialien und Praxisbeispiele enthält. Der Schwerpunkt der Handreichung liegt auf der Reflexion und praxisorientierten Unterstützung bei der Auseinandersetzung mit der eigenen Haltung sowie denen des Teams, um den Prozess weiterhin offen zu gestalten und Mitarbeiter_innen anderer Einrichtungen mit ihren Perspektiven einbinden zu können. Langfristig wird die Implementierung der Standards in die bezirklichen Leitlinien und die Übertragung auf weitere Bereiche wie die Straßen- oder Schulsozialarbeit sowie weitere Bezirke Berlins angestrebt. 2013 wurden den ersten elf Einrichtungen im Bezirk die Eingangsschilder mit dem Projektlogo und dem Zusatz „Dein Raum für Vielfalt“ verliehen, der den Schutzraum-Gedanken für alle sichtbar nach außen tragen soll – ebenso wie das Logo auf T-Shirts, Pullovern und Aufklebern, das einen Gesprächseinstieg bietet und zugleich die (öffentliche) Identifikation mit dem Projekt.