Unser Projekt „Kieztour – Wo lebe ich?“ ist ein Projekt von und für junge Geflüchtete von 14 bis 19 Jahren, die fast alle in den vergangenen Jahren als Flüchtlinge nach Berlin gekommen sind und regelmäßig die Jugendgruppe von Seituna e.V. besuchen. Das Projekt verfolgt das Ziel, dass diese jungen Geflüchteten mit der neuen Heimat und unmittelbaren Umgebung vertrauter werden, um sich mit ihr besser identifizieren zu können. Ein Kernthema ist dabei die Erkundung der Berliner Nachkriegsgeschichte, weil sie Hoffnung auf den Wiederaufbau der alten Heimat der Jugendlichen gibt. So besuchen die Jugendliche verschiedene historische Orte in ihrem Kiez, sprechen mit Zeitzeugen, lernen über die Geschichte und die Gegenwart Charlottenburgs oder sprechen mit dem Charlottenburger Bürgermeister darüber, wie Demokratie im Bezirk funktioniert.

Projektinformation

Eine erste Runde des Projekts „Kieztour – Wo lebe ich?“ wurde zwischen September und Dezember 2017 in Charlottenburg durchgeführt. Die Jugendlichen, die am Projekt teilnahmen, kommen zu wöchentlichen Treffs in unser Kulturverein Seituna e.V. und nehmen an unterschiedlichen Aktivitäten des Vereins teil. Die meisten sind als Flüchtlinge aus Syrien nach Berlin gekommen und leben seit 1 bis 5 Jahren hier.

Das Ziel unseres Projektes ist es, vertrauter mit der unmittelbaren Umgebung zu werden, den Kiez, Bezirk und Berlin besser kennen zu lernen, um die Identifikation und Zugehörigkeit zum Ort zu stärken, an dem die Jugendlichen jetzt leben. Die Mädchen und Jungen haben in unserer ersten Kieztour einige Kapitel der Geschichte Charlottenburgs/Berlins auf lebendige Weise kennengelernt. Der Schwerpunkt lag dabei auf der Nachkriegszeit und dem Wiederaufbau, damit sie aus dem Beispiel Berlins Hoffnung auf den Wiederaufbau ihres Herkunftslandes schöpfen und Zuversicht und Mut für ihr Leben stärken. Ein wichtiges Element des Projektes ist die Beteiligung der Jugendlichen an der Organisation und an der Durchführung zur Erlangung von mehr Handlungskompetenzen und Stärkung der Selbstbestimmung. Hinzu kommt die Ermutigung zum Neuen und Stärkung des Gruppengefühls und der Teamarbeit.

Unsere Ziele haben wir durch vielfältige und abwechslungsreiche Aktivitäten realisiert. Wir haben gemeinsam unterschiedliche Orten in Charlottenburg und Berlin besichtigt und verschiedene Persönlichkeiten und Zeitzeugen der Nachkriegszeit gesprochen. Dazu gehörten:

  • Führung durch das Rathaus Charlottenburg-Wilmersdorf mit dem Bezirksbürgermeister Herrn Reinhard Naumann und Besteigen des Rathausturms,
  • „Schnitzeljagd“ im Klausenerplatz-Kiez, um auf spielerische Art den eigenen Kiez kennen zu lernen,
  • Zeitzeugengespräch mit Herrn Rudolf Uda und Reflektion über die Nachkriegszeit und Gegenwart,
  • Besuch der Villa Oppenheim (Museum Charl.-Wilm.) und Quizspiel zur Religionsvielfalt im Stadtteil mit anschließender Stadtteilführung in Alt-Charlottenburg und Klausenerplatzkiez,
  • Besichtigung der Abhöranlage auf dem Teufelsberg und ein Spaziergang durch Grunewald,
  • Besichtigung des Operationsbunkers in der Teichstraße und Führung durch Berliner Unterwelten e.V.,
  • Erkundungstour in Siemensstadt, um die Geschichte des Unternehmens Siemens kennen zu lernen, als Beispiel eines Unternehmens, dass ein Stadtteil aufgebaut und geprägt hat,
  • Gemeinsames Pizzabacken,
  • Schlittschuhfahren – selbstorganisierter Ausflug der Jugendlichen,
  • Abschlussfeier des Projektes zur Vorstellung der Projektergebnisse für Eltern und Gäste durch die Jugendlichen und zur Würdigung der Jugendlichen für ihre aktive Teilnahme.

Die Jugendlichen wurden an der Gestaltung des Projekts an unterschiedlichen Stellen beteiligt. Sie haben den Kuchenverkauf organisiert, bei der Planung mitgewirkt, einen Ausflug ganz alleine geplant und die Abschlussfeier zum größten Teil selbstständig vorbereitet und durchgeführt. Dadurch konnten sie ihre Selbstbestimmung und Selbstverantwortung stärken sowie eigene Fähigkeit testen und sich ausprobieren. Die gemeinsamen Erlebnisse und die gemeinsame Bewerkstelligung der Aufgaben stärkten auch das Gruppengefühl und zeigten ihnen, dass sie ein vorgegebenes Ziel gemeinsam erreichen können.

Zukünftig möchten wir das Projekt in ähnlicher Form fortsetzen, den Kreis der Jugendlichen erweitern – vielleicht auch mit einer christlichen Jugendgruppe in der Nachbarschaft etwas Gemeinsames planen - und auch jüngere Kinder unter 14 Jahren miteinbeziehen.

Das Projekt „Kieztour – Wo lebe ich?“ entstand als Praxisprojekt der Jugendgruppe des Seituna e.V. im Rahmen der Qualifizierungsreihe „Extrem demokratisch – Muslimische Jugendarbeit stärken“ der RAA-Berlin. Das Projekt wurde durch „Partnerschaft für Demokratie“ in Charlottenburg-Wilmersdorf finanziell unterstützt.