Gewinner Auszeichnung
2014/15

Unser Projekt setzt bei den Themen Antisemitismus und Islamfeindlichkeit an. Zum einen geht es um den Abbau und die Prävention von Antisemitismus unter der muslimischen Bevölkerung, zum anderen um die Bekämpfung von Angst und pauschalen Vorurteilen gegenüber Muslimen in der Mehrheitsgesellschaft und unter der jüdischen Bevölkerung. Um diese beiden Ziele gleichzeitig zu erreichen, organisieren wir Unterrichtsbesuche, bei denen sich Rabbiner und Imame gemeinsam für ein gewaltfreies, tolerantes, respektvolles Miteinander der Religionen und gegen Diskriminierung aufgrund von Religionszugehörigkeit aussprechen.

Zur Projektgruppe

Leadership Berlin - Netzwerk Verantwortung e.V. - Projekt: meet2respect
Am Wiesenrain 11
12587
Telefon:
030-22 488 588
Fokus (Altersgruppe) auf:
JugendlicheKinder
Lokale Zuordnung:
städtisch

Projektinformation

Ein Schwerpunkt von meet2respect ist der Abbau und die Prävention von antisemitischen Einstellungen unter der muslimischen Bevölkerung, die sich zumeist aus politischen Haltungen zum Nahostkonflikt speisen. Mit dem Überfall auf Rabbiner Daniel Alter in Berlin, aber insbesondere auch nach den Anschlägen in Paris und Kopenhagen hat die Angst von in Deutschland lebenden Juden vor Angriffen aus der muslimischen Bevölkerung zugenommen. Dies wurde beispielsweise im Februar 2015 deutlich, als der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, jüdischen Menschen empfahl, in Stadtvierteln mit hohem muslimischem Anteil keine Kippa zu tragen.

Ein zweiter Schwerpunkt des Projektes zielt auf den Abbau von Angst und pauschaler Vorurteile gegenüber Muslimen in Mehrheitsgesellschaft und unter der jüdischen Bevölkerung. In Medien und Mehrheitsgesellschaft wird der Islam häufig als Bedrohung dargestellt und wahrgenommen. Dabei wird mitunter pauschalisiert „der Islam“ mit Frauenfeindlichkeit, Homophobie, Antisemitismus, Gewalt bzw. mangelnder Abgrenzung von Gewalt gleichgesetzt und „die Muslime“ oder „der Islam“ nicht differenziert von islamistischem Terrorismus oder dem deviantem Verhalten junger Männer. Die Aspekte der Barmherzigkeit, des sozialen Engagements und der Vermittlung von Werten wie Toleranz und einem respektvollen Miteinander der Religion werden dabei häufig nicht wahrgenommen.

Im Rahmen des Collaborative Leadership Programms entstand die Idee, dass Imame und Rabbiner gemeinsam im Tandem Schulklassen besuchen und sich gegen Gewalt und Diskriminierung Andersgläubiger aussprechen.
Seit 2013 organisieren wir diesem Gedanken folgend Unterrichtsbesuche, bei denen sich jeweils ein Rabbiner und ein Imam gemeinsam für ein gewaltfreies, tolerantes, respektvolles Miteinander der Religionen und gegen Diskriminierung aufgrund von Religionszugehörigkeit aussprechen. Die Schulbesuche finden in Berliner Schulklassen (in der Regel 6. Klassen) mit hohem Anteil von SchülerInnen mit muslimischem Hintergrund statt. Häufig handelt es sich gerade um solche Klassen, in denen es konkrete antisemitische Vorfälle und Äußerungen gab, zu deren Aufarbeitung die LehrerInnen ein meet2respect-Tandem einladen.

Der Imam bzw. muslimische Vertreter tritt dabei als Fürsprecher für den Rabbiner auf und die beiden geben als Tandem für die SchülerInnen ein beeindruckendes Beispiel dafür, dass sich Menschen unterschiedlicher Glaubensrichtung tolerieren, respektieren und gern haben können. Und sie vermitteln, dass sich aus Sicht der Religionsvertreter des islamischen wie auch jüdischen Glaubens Ablehnung und Gewalt gegenüber Andersgläubigen nicht begründen oder rechtfertigen lassen. Dem meet2respect-Unterrichtsbesuch schließen sich jeweils ein gemeinsamer Besuch in der Moschee und der Synagoge an. Auch hier wirken die beiden Religionsvertreter als eindrucksvolles Vorbild für gegenseitigen Respekt und die Betonung von Gemeinsamkeiten.
Bislang haben wir meet2respect-Begegnungen für Schulklassen oder auch Konfliktlotsen an sechs Berliner Schulen organisiert. Zielgruppe sind dabei insbesondere die 30 Berliner Grundschulen, die einen Anteil von Kindern nicht-deutscher Herkunftssprache von über 80% haben. Von den beteiligten LehrerInnen bekommen wir sehr positive, begeisterte Rückmeldungen, dass die Begegnungen viel an den Einstellungen der SchülerInnen verändern konnten.