Projektbericht: Radio gegen Rechts (01.07.09 – 01.07.10)

Zur Projektgruppe

Antidiskriminierungsbüro Berlin e.V.
Greifswalder Str. 4
10405, Berlin
Telefon:
030 / 204 25 11
Fokus (Altersgruppe) auf:
Jugendliche
Lokale Zuordnung:
regionalstädtisch

Projektinformation

Allgemeine Zielstellung:
Das Projekt „Radio gegen Rechts“ ist ein Projekt vom Antidiskriminierungsbüro Berlin (ADB), gefördert durch die Gesellschafter – eine Initiative der Aktion Mensch. Dieses Projekt hatte zwei zentrale Zielstellungen. Einerseits sollten gemeinsam mit interessierten jungen Menschen 6 Sendungen produziert werden, die sich mit Neonazis und deren Strategien beschäftigen und Möglichkeiten aufzeigt dagegen vorzugehen. Neben der inhaltlicher Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus in Deutschland und der Vermittlung von bestimmten Fertigkeiten (Aufnahme und Schnitt, Interviewführung, Recherche) entstanden im Laufe einer oder mehrer Sendungen auch neue soziale Kontakte. Durch die Veröffentlichungen der Sendungen im Internet und freien Radiosendern werden über den konkreten ProduzentInnenkreis weitaus mehr Menschen erreicht werden.

Konkrete Vorgehensweise:

Das Projekt begann am 01.07.09. Es wurde zunächst ein Flyer erstellt, der das Projekt bekannt machen sollte (siehe Anlage 1), der an verschiedenen Einrichtungen verteilt wurde. Gleichzeitig wurde bei verschiedenen Jugendeinrichtungen das Projekt vorgestellt. Mitte August 09 waren zwei interessierte Einrichtungen und interessierte junge Menschen gefunden. In der Jugendeinrichtung „Freibeuterschiff“ – auf der sich praktischer Weise auch das von uns genutzte Tonstudio befand – fand das erste Treffen statt auf dem das Projekt ausführlich vorgestellt und ein gemeinsamer Fahrplan für die erste Sendung (Was ist Rechtsextremismus?) erstellt wurde. Dann folgten regelmäßige Treffen auf denen das Thema besprochen und dazu recherchiert wurde. Es wurden Interviews vorbereitet, aufgenommen, anschließend geschnitten und dann mit Ansagen und Musik versehen. Nach etwa sechs bis acht Wochen war jeweils eine Sendung fertig. Die ersten beiden Sendungen sind in Zusammenarbeit mit dem „Freibeuterschiff“ und Jugendlichen aus dieser Einrichtung entstanden. Die folgenden zwei Sendungen sind mit Jugendlichen entstanden, die sich aufgrund der Werbung (Flyer und Internetauftritt) direkt beim ADB gemeldet hatten. Die letzten zwei Sendungen sind in Zusammenarbeit mit dem KUBIZ und interessierten Jugendlichen aus dieser Einrichtung entstanden. Währendendessen wurde mit einigen Jugendlichen ein Blog erarbeitet, auf dem nach Projektende alle Radiosendungen und Hintergründe zu dem Projekt veröffentlicht werden. Zum 01.07.10 wurde das Projekt vorläufig abgeschlossen. Da wir insgesamt auf ein großes Interesse gestoßen sind und es auch von mehreren Jugendlichen das Interesse gibt weitere Sendungen zu produzieren, überlegen wir zurzeit wie ein solchen Projekt am besten fortgesetzt werden könnte.

Konkrete Sendungen:
1. Sendung: „Was ist Rechts?“
Die erste Sendung sollte in das Projekt vorstellen und in das Thema Rechtsextremismus einführen. Nachdem sich in der Gruppe über das Thema informiert wurde, wurde ein Interview dazu geführt. Dieses wurde im Tonstudio des „Freibeuterschiff“ aufgenommen und in den nächsten Treffen gemeinsam geschnitten und anschließen An- und Abmoderationstexte eingesprochen. Insgesamt haben an dieser Sendung 5 Jugendliche im Alter zwischen 14-20 Jahren teilgenommen, nicht jeder wollte selbst Texte einsprechen oder Interviews führen, sondern manche lieber schneiden oder Fragen vorbereiten bzw. recherchieren. Dies sollte sich in den weiteren Sendungen wiederholen, wurde aber auch nicht als Problem angesehen.

2. Sendung: „Rechte Musik“
Die zweite Sendung behandelt die Problematik von rechter Musik. In den letzten Jahren hat vor allem die NPD versucht mit sogenannten Schulhof-CD´s Jungwähler zu erreichen. Rechte Musik kann quasi als eine Art Einstiegsdroge angesehen werden. Für diese Sendung wurde ein Projektmitarbeiter des Antifaschistischen Pressearchiv und Bildungszentrum Berlin e.V. (APABIZ) zu rechter Musik und den dahinter stehenden Strategien interviewt. Das Interview wurde anschließend im Tonstudio des „Freibeuterschiffs“ geschnitten und entsprechende An- und Abmoderationstexte ein gesprochen. Insgesamt haben an dieser Sendung 6 Jugendliche mitgewirkt.

3.Sendung: „Musik gegen Rechts“
Die dritte Sendung beschäftigt sich mit der Frage inwieweit Musik auch ein kulturelles Mittel gegen Rechtsextremismus und Neonazis sein kann und in welcher Verantwortung auch Künstler und Musiker stehen. Zu diesem Zweck wurde ein Interview mit einer Berliner alternativen Hip-Hop-Band (Conexion Musical) und mit einer Studentin der Kulturwissenschaft geführt. Die Interviews wurden im Tonstudio geschnitten und bearbeitet. An dieser Sendung haben 6 Jugendliche mitgewirkt, die sich direkt beim ADB gemeldet hatten.

4. Sendung: „Was tun gegen Rechts“
In dieser Sendung wurden zwei Akteure vorgestellt die sich im Alltag gegen Nazis und Rassismus engagieren. Die Entscheidung welche Organisationen vorgestellt werden sollten ist von den Jugendlichen selbst getroffen worden. Die Interviews wurden im Tonstudio geschnitten und bearbeitet. An dieser Sendung haben 7 Jugendliche mitgewirkt, die sich direkt an das ADB gewandt hatten.

5. Sendung: „Lifestile und Auftreten von Neonazis“
Diese Sendung beschäftigt sich mit der Frage, wie heute Neonazis aussehen, was sich in den letzten Jahren verändert hat und welche Rolle bestimmte Marken in der rechten Szene spielen (Bsp. Thor Steinar). Nach einiger Recherche zum Thema wurde ein Interview mit einem Mitarbeiter vom Mobilen Beratungsteam gegen Rechtsextremismus Berlin (MBR) geführt. Dieses Interview wurde im Tonstudio geschnitten und bearbeitet. Diese Sendung wurde in Zusammenarbeit mit der Jugendeinrichtung Kultur- und Bildungszentrum Raoul Wallenberg – KUBIZ und dortigen interessierten Jugendlichen produziert.

6. Sendung: „Gewalttaten von Rechts“
Die letzte Sendung beschäftigte sich mit Gewalttaten von rechts. Zu diesem Zweck wurde ein Interview mit einem Mitarbeiter der unabhängigen Beratungsstelle ReachOut Berlin zu dieser Frage geführt. Das Interview wurde dann gemeinsam im Tonstudion geschnitten und bearbeitet. Auch diese Sendung entstand in Zusammenarbeit mit dem KUBIZ und 6 interessierten Jugendlichen aus der Einrichtung.


Dokumentation:

Um das Projekt zu Beginn zu präsentieren wurde ein Flyer entworfen und an Jugendeinrichtungen verteilt und per Mail über diverse Verteiler verschickt. Zum Projektende hin wurde ein weiterer Flyer produziert, der das Projekt vorstellen soll und über die einzelnen Sendungen informiert.
Des weiteren ist im Laufe des Projektes in Zusammenarbeit mit interessierten Jugendlichen ein Blog entstanden, der über das Projekt informiert und die Möglichkeit bietet sich die einzelnen Sendungen herunter zu laden. So soll über den unmittelbaren ProduzentInnenkreis hinaus möglichst viele Menschen erreicht und angesprochen werden. Darüber hinaus sollen die einzelnen Sendungen über freie Radiosender ausgestrahlt werden. Beim offenen Kanal Berlin besteht die Möglichkeit, andere Sender haben bereits Interesse singnalisiert.

Kooperationspartner:
Während des Projektes haben wir Kontakt zu anderen Organisationen aufgebaut bzw. bereits bestehenden Kooperationen ausgebaut. Auf die eine oder andere Weise haben uns bei diesem Projekt folgende Organisationen unterstützt.

- Jugendeinrichtung „Freibeuterschiff“
- Landesschülervertretung Berlin
- Reach Out
- Antifaschistisches Pressearchiv und Bildungszentrum Berlin e.V. (APABIZ)
- Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin – MBR
- Kultur- und Bildungszentrum Raoul Wallenberg – KUBIZ