Gewinner Auszeichnung
2010

Respekt und Zivilcourage am OSZ Lotis gegen Rassismus und Ausgrenzung.

Projektgalerie

Zur Projektgruppe

OSZ Lotis
Dudenstraße 35/37
10965 Berlin
Telefon:
030 - 786 045-31/11
Fokus (Altersgruppe) auf:
ErwachseneJugendliche
Lokale Zuordnung:
städtisch

Projektinformation

Der tägliche Umgang in einer Schule erfordert gegenseitigen Respekt. An unserem Oberstufenzentrum Lotis lernen Schüler/innen und Azubis/Azubinen mit unterschiedlichem sozialen und ethnischen Hintergrund und auch unterschiedlichem Alter gemeinsam. Zu uns gehören u.a. Auszubildende in den Bereichen Logistik, Touristik, Immobilienwirtschaft und Steuern und Schüler/innen des beruflichen Gymnasiums, der Fachoberschule und der Berufsvorbereitung. Bei dieser Vielfalt ist gegenseitiger Respekt eine besondere Herausforderung. Ohne Zivilcourage, ohne den Mut aktiv einzutreten gegen Ausgrenzung und Diskriminierung, von wem auch immer sie ausgehen, ist Respekt nicht zu haben. Deshalb umfasst unser Projekt verschiedene Akteure mit unterschiedlichen Konzepten, die eigenständige Prozesse initiiert haben.

  • „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“
    Gespräche, Diskussionen und Initiativen aus der Schülervertretung haben dazu geführt, dass das OSZ Lotis im Juli 2009 zur „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ wurde. Schüler/innen und Auszubildende hatten seit Anfang 2008 fast 1900 Unterschriften in über 120 Klassen und Kursen gesammelt. In Versammlungen der Klassensprecher/innen, der Gesamt- und Abteilungsschülervertretungen und an speziellen Seminartagen haben wir über verschieden Arten von Ausgrenzung und Rassismus – bei uns an der Schule und in der Gesellschaft gesprochen und diskutiert, wie Zivilcourage aussehen kann. Letzter Höhepunkt war „Curry-Döner mit Fritten und Sushi“, ein Schulfest mit vielen Workshops. Leitbild unseres Engagements ist ein Ergebnis des ersten schulweiten Projekttags (2008): „Wenn das eine Eintagsfliege bleibt, dann können wir gleich aufhören!“
  • Unser SOR-Team – Schüler/innen werden aktiv
    In unserem Schule-ohne-Rassismus-Team werden Schüler/innen, unser Schulsprecher, Lehrer und unsere Sozialpädagogin gemeinsam aktiv. Hier planen wir die nächsten Veranstaltungen und andere Aktivitäten der Gruppe. Oft engagieren sich Schüler/innen für bestimmte Aufgaben innerhalb eines Projekts.
    Die Zusammenarbeit mit den Schülervertretungen der Schule und unserer Abteilungen ist besonders wichtig, um den Kontakt zu den Klassensprechern und den Klassen immer wieder herzustellen.
  • Lebensläufe im Gespräch
    Zur Verbesserung des interkulturellen Verständnisses an unserer Schule haben auch die Lesungen und Gespräche mit Fadi Saad, einem arabisch-stämmigen Berliners aus Reinickendorf, beigetragen. Die persönlichen Erlebnisse von Sally Perel, der als „Hitlerjunge Salomon“ die Nazi-Zeit überlebt hat, zeigen allen Beteiligten eindrücklich wie wichtig Zivilcourage im Leben sein kann.
    Beide sind in den letzten Jahren schon mehrfach bei uns gewesen und die Veranstaltungen bieten immer wieder eine gute Gelegenheit sich auch mit positiven Erfahrungen und Mutgeschichten Gedanken über die Zukunft zu machen.
  • Wegducken oder Gegenhalten? – Ein Projekttag gegen rechte Parolen:
    Eine Gruppe von vier Sozialkunde-Lehrer/innen hat einen Projekttag entwickelt, an dem sich Schüler/innen mit den Parolen von Rechtsextremisten beschäftigen können. Woran kann ich diese erkennen? Welche Argumente kann ich ihnen entgegen halten? Und: Wegducken oder Gegenhalten? Das sind die Fragen, um dies es an diesem Tag geht.
    Schüler/innen suchen nach persönlichen Handlungsstrategien in einem Rollenspiel „Im Jobcenter Neukölln“ und gestalten damit das Abschlussplenum an diesem Tag. Seit 2007 führen wir dieses Projekt jährlich mit drei bis vier Berufsschulklassen unterschiedlicher Bildungsgänge durch.
  • Kooperation mit „OSZ gegen Rechts“ und Fortbildung
    Schüler/innen und Lehrer/innen brauchen feste Kooperationspartner von außerhalb der Schule, da die den Schulen zugeteilten Ressourcen zu wenig Spielräume für solche kontinuierliche Aktivitäten eröffnen. Mit dem Team von „OSZ gegen Rechts“ hat sich eine langjährige, sehr fruchtbare Zusammenarbeit entwickelt. Dies umfasst die inhaltliche und organisatorische Unterstützung des OSZ Lotis mit Referenten/innen bei Schulfesten und Projekttagen, bei der Planung und Organisation von Seminartagen für Schüler/innen, bei der Dokumentation unserer Aktivitäten (Anlage: C:fakepathBaustein_Nr.1_OSZ_Lotis_SOR.pdf) und vieles mehr.  Schulinterne Fortbildungen sind unverzichtbar, will man Kollegen/innen aus allen Fachrichtungen für einen aktiven und respektvollen Umgang mit alltäglichem Rassismus und mit beispielweise schwulenfeindlichen oder antisemitischer Ausgrenzung gewinnen. „Rechte Provokationen im Unterricht – wie reagiere ich richtig?“ ist ein Beispiel dafür.
  • Mediationsausbildung und sozialer Trainingsraum
    Zivilcourage erfordert soziale Kompetenzen beim Streiten. Auch Streiten will gelernt sein. Dazu leisten die jährlichen Mediationskurse für Schüler/innen verschiedener Klassen einen Beitrag. An fünf Tagen werden abwechslungsreich und in vielen Rollenspielen Streitsituationen, Deeskalation und Streitschlichtung thematisiert und ausprobiert.
    Zu einem respektvolleren Unterrichtsklima trägt auch der „soziale Trainingsraum“ bei. Die gemeinsame Verabredung von Klassenregeln, eine stärkere Transparenz des Lehrerverhaltens und vor allem die intensiven Gespräche im Trainingsraum tragen zur Stärkung der Schüler und eines respektvollen Miteinanders an der Schule bei. In dem sozialen Trainingsraum haben Schüler/innen die Gelegenheit, ihr eigenes Verhalten zu reflektieren und alternative Handlungsoptionen zu entwickeln. Es ist ein Prozess – weitere Schritte müssen folgen. Insgesamt sind etwa zwanzig Lehrer/innen regelmäßig in diesen Prozess engagiert.
  • SOR in der Hausordnung
    Aus Gesprächen in der Schülervertretung, dem SOR und früher schon einmal auf einem pädagogischen Tag der Lehrer/innen ist ein Vorschlag für die Hausordnung geworden. Schüler/innen und Lehrer/innen sollen gemeinsam stärker auf Ausgrenzung, Diskriminierungen und rechtsextreme, rassistische, antisemitische oder sexistische Äußerungen, Kennzeichen oder Symbole achten. Der Schülersprecher hat dies in die Schulkonferenz eingebracht. Die Diskussion unter Schülern und Lehrern und allen Schulangehörigen ist eröffnet.