Bei unserem Video­pro­jekt „Wahl inklu­siv“ haben Men­schen mit und ohne Behin­derun­gen im Alter von 17 – 63 Jahren 18 kurze Filme rund um das The­ma „Poli­tik und Inklu­sion“ gedreht. Die Gruppe hat die Filmideen gemein­sam geplant und dann in Kle­in­grup­pen umge­set­zt. Die Filme mit ein­er Gesamtlänge von 92 Minuten wur­den sechs Mal öffentlich in Berlin aufge­führt.

Projektinformation

Die einzel­nen Film­beiträge: (Beim Klick auf den Titel öffnet sich der Film in einem neuen Fen­ster)

1. Der Musik­er: Der blinde Olaf singt und musiziert seit 10 Jahren gemein­sam mit sein­er Duo-Part­ner­in im “Duo Lebens­geis­ter“. Er hat einen Inklu­sion­sreg­gae kom­poniert.
2. Die Blind­en­werk­statt in Steglitz soll geschlossen wer­den. Die Arbeit­er sind sauer.
3. Die Fotografin: Luna fotografiert Kam­er­ateams und veröf­fentlicht sie auf ihrem Blog.
4. Die Leichte Sprache taz:
Die Berlin­er taz veröf­fentlicht einzelne Artikel zu poli­tis­chen The­men in leicht ver­ständlich­er Sprache. Eine Autorin der Redak­tion erk­lärt, warum?
5. Der Specht der Woche:
Chris­t­ian malt in der taz Bilder zu selb­st gewählten The­men. In der Rubrik „Specht der Woche“ wer­den die Bilder veröf­fentlicht. Chris­t­ian ist poli­tisch inter­essiert und wurde in den Vor­stand der Leben­shil­fe gewählt. Chris­t­ian darf nicht wählen.
6.
Der verkappte Regis­seur: Chris­t­ian spricht über schlechte Erfahrun­gen.
7. Die engagierte Malerin:
Hei­di ist 73 Jahre alt. Sie set­zt sich im Behin­derten­beirat Licht­en­berg für die Rechte von Men­schen mit Beein­träch­ti­gun­gen ein. Und sie malt.
8. Die Behin­derten­werk­statt:
Innenan­sicht­en mit einem Arbeit­er und ein­er Gehör­losen in ein­er Werk­statt.
9. Sozialoympia
: Ein Inter­view bei einem inklu­siv­en Sport­fest.
10.
Der Rap­per: Adri­an rappt seine eigene Texte und macht die Musik dazu.
11. Das Teil­habege­setz:
Ulrike Pohl erzählt, was an dem Gesetz gut ist und was nicht.
12. Der Wer­ber:
Alexan­der arbeit­et in ein­er Wer­beagen­tur. Wir zeigen seinen All­t­ag. Er erk­lärt die Prob­leme, als Men­sch mit Behin­derung einen Aus­bil­dungsplatz zu bekom­men.
13. Wheelmap.org:
Eine inter­ak­tive Karte zeigt bar­ri­ere­freie Kneipen, Kinos & Restau­rants
14. Der Geflüchteten­helfer:
Nauar ist in der Obdachlosen­hil­fe engagiert und hil­ft Geflüchteten. Der gebür­tige Irak­er über­set­zt für Texte und hat ein eigenes Hil­f­spro­jekt ges­tartet. Er sam­melt Roll­stüh­le möchte sie in den Irak brin­gen.
15. Der Kanalar­beit­er: Linus hat einen eige­nen Youtube-Kanal. In seinem Kanal „Hand­i­cap-Lexikon“ behan­delt er alles, was Men­schen mit und ohne Behin­derun­gen bet­rifft.
16. Leidmedien.de:
Kampf gegen Klis­chees über Men­schen mit Behin­derun­gen in den Medi­en.
17. Die engagierte Rent­ner­in: Hel­ga ist EU-Rent­ner­in und engagiert sich in Frauen­pro­jek­ten und ein­er Anwohner­ini­tia­tive.
18.
Ganzhaben statt Teil­haben — Pride Parade 2017: 1600 Men­schen haben in Berlin “behin­dert und ver­rückt gefeiert”. Wir haben Teil­nehmende nach ihrer Mei­n­ung gefragt.

Pro­jek­tver­lauf
Beim ersten Infor­ma­tion­str­e­f­fen am 24.6.2017 lern­ten sich die Inter­essierten ken­nen. Es wur­den erste Filmideen gesam­melt und Kam­er­aübun­gen gemacht. Daraus ent­standen kurze Film­se­quen­zen, in denen sich die Beteiligten vorstellen. Die Drehübun­gen wur­den von der Teil­nehmenden Luna fotografisch doku­men­tiert.
Bei der Pride Parade Berlin am 15.7. drehte ein Teil der Gruppe einen 10-minüti­gen Doku­men­tarfilm über die Parade von 1600 Men­schen mit Behin­derun­gen und psy­chis­chen Störun­gen. Dabei wur­den Besuch­er zum The­ma Poli­tik und Inklu­sion befragt.
Der Haupt­teil des Video­pro­jek­tes fand in den ersten zwei Wochen während der Som­mer­fe­rien vom 20.7. — 28.7. 2017 statt, um auch jün­geren Teil­nehmenden die Gele­gen­heit zum Mit­machen zu ermöglichen. Getrof­fen wurde sich täglich mit den Teil­nehmenden um 11:00 Uhr. Beim ersten Work­shop-Tre­f­fen am 20.7. lern­ten sich die Teil­nehmenden gut ken­nen und waren sehr konzen­tri­ert beim Work­shop und den Drehar­beit­en dabei. Es wur­den the­o­retis­che und prak­tis­che Grund­la­gen der Filmgestal­tung und der Hand­habung des Filme­quip­ments ver­mit­telt. Einige The­men der Filme wur­den von den Teil­nehmenden vorgeschla­gen, Andere entwick­el­ten sich während der Drehar­beit­en. Bei dem Drehter­min auf dem inklu­siv­en Sport­fest „Sozia­lympia“ wur­den Kon­tak­te geknüpft zu ein­er Behin­derten­werk­statt in Berlin-Reinick­endorf, zu einem Gesangs­duo mit einem blind­en Sänger und wir beka­men Infor­ma­tio­nen zur Schließung der Blind­en­werk­statt in Berlin-Steglitz. Daraus entwick­el­ten sich während des Work­shops drei zusät­zliche Film­beiträge. Während der Drehar­beit­en wur­den die Teil­nehmenden immer wieder an der Kam­era und am Ton geschult. Die Work­shops ende­ten nicht immer wie vorge­se­hen um 17 Uhr son­dern je nach Drehtag und Drehort oft erst um 19 oder sog­ar 20 Uhr.
Nach und nach stellte sich her­aus, dass alle Teil­nehmenden sehr beson­dere Fähigkeit­en und Hob­bys haben oder sich auf die eine oder andere Weise für benachteiligte Men­schen engagieren. So ent­stand die Idee, über jede teil­nehmende Per­son ein eigenes, kleines Film­por­trait zu drehen. Da es teil­weise 2 — 4 ver­schiedene The­men an einem Tag zu bear­beit­en gab, wurde in kleineren Teams mit jew­eils 3–4 Per­so­n­en par­al­lel gedreht. Geschnit­ten wur­den die Beiträge teil­weise mit den Teil­nehmenden meist am Abend und am Woch­enende vor der Auf­führung am So. 30. Juli. Es ent­standen am Ende 17 Film­beiträge, die nur durch eine erhe­bliche Anzahl an Über­stun­den und mas­sivem ehre­namtlichen Ein­satz real­isiert wer­den kon­nten.
Erfahrun­gen und Ergeb­nisse

Unsere Erfahrung war, dass die Pla­nung und Durch­führung der Drehar­beit­en ver­hält­nis­mäßig gut funk­tion­ierte, auch wenn alles etwas langsamer lief und mehr Zeit brauchte. Alle berück­sichtigten so gut wie möglich die jew­eili­gen Befind­lichkeit­en und Behin­derun­gen der anderen Beteiligten. Es kon­nten nicht die gesamte Gruppe zu allen Ter­mi­nen anwe­send sein, weil einige noch andere Ter­mine wie Arzt­ter­mine oder Ther­a­pi­en wahrnehmen mussten oder es ger­ade kein Bus­taxi gab. Auf­grund der unter­schiedlichen Beein­träch­ti­gun­gen kon­nten auch nicht alle Teil­nehmenden alle unter­schiedlichen Rollen ein­er Film­pro­duk­tion wahrnehmen. Ein Teil­nehmer mit ein­er spastis­chen Läh­mung bedi­ente dann z.B. nicht die Kam­era, son­dern war eher als Ideenge­ber oder als Reporter mit Mikro­fon aktiv. Auch musste bei der Anreise zu den ver­schiede­nen Drehort­en mehr Zeit einge­plant wer­den. Doch alles in Allem kon­nten die Drehar­beit­en zur Zufrieden­heit Aller erfol­gre­ich durchge­führt wer­den. Manch­mal kon­nten sog­ar kurzfristig Ter­mine doch wahrgenom­men wer­den, die zuvor entwed­er von Seit­en der Ver­ant­wortlichen ein­er Organ­i­sa­tion oder eines Teil­nehmenden abge­sagt wor­den waren. Einige der Beteiligten haben bei dem Pro­jekt auch viel über Behin­derun­gen, die sie nicht selb­st betrafen, erfahren und dazu gel­ernt. Einzelne haben sich aktiv an den Schnit­tar­beit­en beteiligt.

Koop­er­a­tio­nen: Es wurde mit dem Träger „OMA gGmbH“ (gemein­nützige Gesellschaft mbH zur Förderung der Inklu­sion) kooperiert und über das „Net­zw­erk Inklu­sion Friedrichshain“ und das „Blaue Kamel / Berlin­er Aktions­bünd­nis“ Wer­bung für das Pro­jekt und die Auf­führun­gen gemacht. Bei den Auf­führun­gen wurde darüber­hin­aus mit dem Kino Zukun­ft am Ostkreuz, dem Licht­blick-Kino und dem Aquar­i­um am Süd­block kooperiert. Das Pro­jekt wurde von der Aktion Men­sch gefördert.

Es gab bish­er sechs öffentliche Auf­führun­gen der 17 Kurz­filme mit anschließen­den Diskus­sio­nen mit den Beteiligten und den Filmemacher*innen:
— 30.7. Pre­miere Kino Zukun­ft am Ostkreuz in Friedrichshain
— 1.8. Café OMA in Friedrichshain
— 8.9. Kiezfest des Net­zw­erk Inklu­sion Friedrichshain
— 12.9. Kino Licht­blick, Pren­zlauer Berg
— 19.9. Aquar­i­um am Süd­block in Kreuzberg
— 24.9. Ameri­ka-Gedenkbib­lio­thek in Kreuzberg

Alle Beiträge wur­den im Inter­net auf Youtube und auf Face­book veröf­fentlicht. Mehrere Teil­nehmende waren so begeis­tert und bewegt von den Drehar­beit­en und von den Ergeb­nis­sen, dass sie starkes Inter­esse an ein­er Teil­nahme in weit­eren Video­pro­jek­ten geäußert haben und wom­öglich auch an weit­eren Video­pro­jek­ten des Medi­en­pro­jekt Berlin teil­haben wer­den. Die 18 ent­stande­nen Filme gibt es auch als einzelne Film­beiträge auf unserem Youtube Kanal: https://www.youtube.com/medienprojektberlin auf der Playliste „Wahl inklu­siv“ unter fol­gen­dem Link:

https://www.youtube.com/playlist?list=PL4YXueJI0gwhdnWLx9DQobrlpsRbMjnxO

oder bei Face­book: https://www.facebook.com/medienprojektberlin1/