Neonazis versuchen sich nach Jahren wieder im Weitlingkiez einzunisten

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Lichtenberger Bündnis für Demokratie und Toleranz
Postfach 630121
10266 Berlin
Lokale Zuordnung:
bezirklichnachbarschaftlich

Projektinformation

Im August 2011 wurde bekannt, dass sich jugendliche Neonazis aus dem Umfeld des „Nationalen Widerstand Berlin“ in den Räumen des ehemaligen Gardinengeschäfts gleich neben dem Kant-Gymnasium eingemietet haben. Das Ladengeschäft in der Lückstraße 58 dient ihnen seither als Treffpunkt, Materiallager und Ausgangspunkt für Aktionen.

Eingenistet haben sie sich unter dem Vereins-Namen „Sozial engagiert in Berlin e.V.“ – wie ihr „sozial engagiert in Berlin“ aussieht, das zeigt sich nicht zuletzt auch im Straßenbild im Weitlingkiez, besonders auf Wegen, an denen die Neonazis vom „Vereinslokal“ aus auf ihrem Heimweg vorbeikommen. Diese Saubermänner und Verfechter von Recht und Ordnung zerstören Jalousien, Schlösser und Fensterscheiben missliebiger Bewohner/innen und Projekte, sie beschmieren Briefkästen, Elektroverteiler, Papierkörbe und Hauswände mit Farben und Teer. „NS Area“, Hakenkreuze und andere einschlägige Zeichen sollen den Kiez als ihr Terrain markieren. Und sie sind nicht faul: nicht nur der Weg vom Lokal zu S-, U- und Bushaltestellen fordert sie heraus, vor allem Orte und Mahnstätten gegen den nazistischen Ungeist wie die Stolpersteine als GeDenkOrte an die Opfer des Holocaust werden beschmiert und geschändet.
Der Vermieter kündigte im September 2011 dem Neonazi-Verein. Auch wenn momentan eine Räumungsklage vor Gericht anhängig ist, nutzen die Neonazis weiterhin die Räume.

Bunte Ideen für die Lückstraße 58 gesucht – für die Zeit danach

Und für das Lichtenberger Bündnis für Demokratie und Toleranz war es Zeit, Ideen für einen guten Ort zu suchen für die Zeit danach: Alles, was hilft zu guter, demokratischer Nachbarschaft, fröhlicher Begegnung, kurzweiliger Freizeitgestaltung, was Menschen zusammenbringt, Kennenlernen und Verstehen ermöglicht, nicht zuletzt was wirklich gebraucht wird im Kiez – und sei es ein neuer Gardinenladen -, die Ideen aller Bürgerinnen und Bürger waren gefragt.

Im Zeitraum von August bis November 2012 veranstaltet das Lichtenberger Bündnis einen Wettbewerb. Es konnten Ideen aufgeschrieben, gemalt oder layoutet werden. Zentrales Medium für die Aktion ist die extra eingerichtete multimediale Internetseite (http://www.weitlingkiez-lichtenberg.de/wettbewerb/).

Eine Jury bestehend aus Jugendlichen, Bürger/innen, Politiker/innen und bekannten Persönlichkeiten suchen Ende Oktober 2012 die besten 9 Vorschläge aus den drei Kategorien aus. Alle Vorschläge sollen in einer Broschüre erscheinen.

Eine erste Bilanz

  • Mehr als 60 Vereine, Parteien und andere Organisationen aus Lichtenberg wurden informiert.
  • Neun Zeitungsartikel sind über den Wettbewerb erschienen.
  • Der deutsche Eishockey-Meister „Eisbären Berlin“, das Lichtenberger Bezirksamt und mehrere Abgeordnete unterstützen die Aktion.
  • Mehr als 2.000 Haushalte im Kiez wurden über das Projekt informiert. Insgesamt wurden 5.000 Folder verteilt.
  • Der Wettbewerb war auf sieben Festen und größeren Veranstaltungen in Lichtenberg präsent.
  • Im Rahmen des Wettbewerbs ist eine kleine Ausstellung entstanden, die über die rechtsextremen „Autonomen Nationalisten“, das Netzwerk „NW-Berlin“ und den Treffpunkt in der Lückstraße aufklärt.
  • Und schlußendlich wurden mehr als 120 Vorschläge eingereicht.

Das Lichtenberger Bündnis für Demokratie und Toleranz
Das Bündnis für Demokratie und Toleranz hat zum Ziel, das Engagement für Demokratie und Toleranz in Lichtenberg sichtbar zu machen und möglichst viele Mitbürgerinnen und Mitbürger zum Einsatz für Demokratie zu ermutigen und anzuregen.
Für das Bündnis für Demokratie und Toleranz gilt es, friedliche Interventionsformen in Lichtenberg zu verankern, die einen Beitrag zur Zurückdrängung von Rechtsextremismus, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus leisten. Die Verteidigung und der Schutz von Menschenwürde und Demokratie im Alltag ist Ziel des Bündnisses.
Das Bündnis für Demokratie und Toleranz ist überparteilich und nicht konfessionsgebunden. Es ist jederzeit offen für alle demokratischen Einzelpersonen, Organisationen, Parteien, Institutionen, Unternehmen, Gewerbetreibende, Kirchengemeinden, Bürger-, Jugend- und Sportvereine sowie für Vertreterinnen und Vertreter von Schulen, Gewerkschaften und weiteren politischen, wissenschaftlichen und kulturellen Einrichtungen.
Das Bündnis für Demokratie und Toleranz unterstützt zivilgesellschaftlich engagierte demokratische Bürgerinnen und Bürger und legt Wert auf die Zusammenarbeit mit Bündnissen und Initiativen aus anderen Berliner Bezirken.