Gemeinsame Videoworkshops mit Berliner Kindern und Jugendlichen mit und ohne Fluchthintergrund. Bei dem Videoprojekt haben die Kinder und Jugendlichen das Filmen gelernt und verschiedene Kurzfilme über ihre Flucht und ihr Leben in Berlin gedreht. Die Filme wurden mehrfach öffentlich aufgeführt und sind im Internet für jeden sichtbar.

Projektinformation

Es wurden fünf interkulturelle Videoworkshops mit insgesamt 40 geflüchteten und zum Teil auch „altberliner“ Kindern und Jugendlichen im Alter von 10 - 27 Jahren während der Herbstferien 2016, der Winterferien 2017 und der Osterferien 2017 jeweils eine Woche lang ganztägig erfolgreich durchgeführt. Dabei produzierten die beteiligten Kinder und Jugendlichen neun Kurzfilme, die sechs mal öffentlich präsentiert wurden. Ein Filmbeitrag schafft es ins Programm des internationalen Filmfestivals „Rechnung-for-kids“ 2017 in Berlin.
In allen Projekten wurde erreicht, dass Kinder und junge Menschen kontinuierlich für die Zeit der Projektwoche zusammen kamen, gemeinsam Themen entwickelten und diese umsetzten. Teilweise begleiteten Ehrenamtliche wie Kamera-Assistenten, Sozialarbeiter und Freunde der Teilnehmenden zusätzlich die Projekte. Es entstanden acht Dokumentarfilme und ein Spielfilm, die mehrfach öffentlich gezeigt wurden und auch weiterhin präsentiert werden sollen. Die Filme sind außerdem auf der Videoplattform Youtube veröffentlicht. Hier sind die selbst gedrehten Kurzfilme:

Wir zeigen euch Berlin
Eine Stadtführung von jungen Geflüchteten aus Syrien und dem Irak. Der Film ist ein Teil des Videoworkshops „Willkommen in Berlin“ mit jungen Geflüchteten und Berliner Kindern und Jugendlichen aus Berlin-Lichtenberg. 2:30 Min. ©2016


Das Boot

Junge Geflüchtete einer Notunterkunft in Berlin-Lichtenberg malen ihren Fluchtweg aus Syrien und dem Irak nach Deutschland. 5:30 Min. ©2016

Unser Leben in Berlin
Junge Geflüchtete aus Syrien und dem Irak malen ihre Wünsche und Hoffnungen und reden über ihr Leben in Berlin. Die geflüchteten Kinder wohnen in einer Notunterkunft in Berlin-Lichtenberg zusammen mit 1300 weiteren Geflüchteten. 8:45 Min ©2016

Sieben Steine
Kurzfilm über ein Spiel aus dem Iran. Sechs Jugendliche aus Afghanistan und Syrien im Alter von 16-18 Jahren nahmen an dem Filmprojekt teil. Sie entschieden sich, das Spiel „Sieben Steine“ nach Berlin zu importieren und filmisch umzusetzen. Drei der Jugendlichen hatten es im Iran kennengelernt, wohin sie bereits als Kinder mit ihren Eltern geflüchtet waren. Neben dem Spielen geben die jungen Filmemacher Einblicke in ihr jetziges Lebensumfeld. Die unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten leben in einem Wohnheim des Paul-Gerhardt-Werkes in Berlin-Oberschöneweide. 8:08 Min ©2016

Die Erleuchtung
Eine voreingenommene Bürgerin darf im Wartezimmer eines Amtes die Erleuchtung der ganz besonderen Art machen. Im Jugendclub „Die Eiche“ in Berlin-Charlottenburg haben sieben Jugendliche aus dem Iran, der Türkei und Berlin im Alter zwischen 13-21 Jahren den Kurzfilm in Szene gesetzt. 11:14 Min ©2017

OO44 Club - interaktiver Bazar
Interaktiver und interkultureller Basar in einer Notunterkunft in Berlin-Friedrichshain. Die Bewohner feiern ein Jahr nach ihrer Ankunft gemeinsam mit BerlinerInnen und Nachbarn ein besonderes Fest mit selbst gekochtem arabischen und persischen Essen und verschiedenen Aktivitäten wie Schminken, Schachturnier, Massage, Live-Musik und Tanz. Eine Dokumentation von jungen geflüchteten und Berliner Jugendlichen.

Der Umzug - Von der Turnhalle ins Containerdorf
Mehr als 130 geflüchtete Menschen haben von November 2015 bis zu einem Jahr und drei Monaten zusammen in einer zur Notunterkunft umgebauten Turnhalle in Friedrichshain gelebt. Im ersten Teil des Filmes sprechen junge Geflüchtete am letzten Abend vor dem Umzug über ihre Erfahrungen im „Camp“. Der zweite Teil dokumentiert den Umzug am 15. Februar 2017 und die Ankunft im Containerdorf in Buckow, einem Bezirk im Süden Berlins an der Grenze zu Brandenburg.

Hassan der Schreiner
Hassan ist mit seinem 15-jährigen Sohn nach Deutschland geflüchtet. In der Werkstatt von HOLZOMA in Berlin-Friedrichshain kann er sich richtig austoben. Der Beitrag über Hassan aus Syrien entstand bei dem Videoworkshop „Gemeinsam in Berlin“.

Der lange Weg nach Deutschland
Ein 16-jähriger Jugendlicher aus Syrien erzählt seine Fluchtgeschichte.
Der Beitrag kann leider nicht veröffentlicht werden, weil die den Jugendlichen betreuende Organisation wegen dessen Alter keine Erlaubnis erteilt hat.

Bemerkenswert war die große Offenheit, mit der sich alle begegneten. Die Freude am Miteinander und die Neugierde an der filmischen Arbeit war deutlich zu spüren. Für einige der Teilnehmenden bot das Projekt die Möglichkeit, Ideen zu entwickeln, kreativ zu sein und für eine Zeit aus dem anstrengenden, sorgenvollen und von außen bestimmten Alltag auszusteigen. Alle Projekte brachten Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammen. Trotz Sprachschwierigkeiten gelang es den Teilnehmenden der Projekte in Lichtenberg und Oberschöneweide sich zu verständigen. Sie lernten, sich gegenseitig zuzuhören und eigene Bedürfnisse zu entwickeln und zu äußern. Alle konnten ihre sprachlichen Fertigkeiten erweitern und viele hatten bald den Mut, vor der Kamera in deutsch zu agieren. Das Projekt in Charlottenburg brachte Jugendliche mit und ohne Fluchterfahrung näher zusammen, die sich zwar schon aus dem Jugendclub kannten, jedoch erst durch das Filmprojekt direkt miteinander zu tun hatten.
Zu Beginn wurde in allen Projekten eine Einführung in die Filmgestaltung, die Kameraführung sowie die Handhabung des Equipments gegeben. Während der Projektwoche wurden die „Rollen“ innerhalb der unterschiedlichen filmischen Gewerke getauscht oder im Einvernehmen mit allen z.B. der Wunsch von Teilnehmenden, hauptsächlich vor der Kamera spielen zu wollen oder lieber die Kamera machen wollen, erfüllt. Durch alle Tätigkeiten im Projekt wurde das Selbstbewusstsein der Teilnehmenden und ihre Fähigkeiten gestärkt, sich zu artikulieren und verständlich zu machen. Einige entdeckten sogar ein mögliches berufliches Interesse am Filmemachen. Ein junger Mann konnte durch die Kontakte, die während der Projektwoche entstanden waren, ein 3-wöchiges Praktikum (Jan/Feb. 2017) in der Medienwerkstatt des bbk (Bundesverband der Berliner Künstler*innen) absolvieren.
Das Projekt endete mit den Vorführungen der fertigen Filme. Die gut besuchten Premieren an den jeweiligen Orten der Entstehung zogen viele Menschen an und waren von regen Diskussionen begleitet. Das Publikum setzte sich aus unterschiedlichen Leuten zusammen und ihr Interesse an den Filmen war weit gefächert. Es kamen Leute, die selbst mit Geflüchteten arbeiten oder Leute aus der Nachbarschaft. Die Anmerkungen und Fragen der Zuschauenden bezogen sich u.A. auf die konkreten Lebensumstände der Projektteilnehmenden, wodurch Empathie und Verständnis gefördert wurde. Andere waren daran interessiert, wie eine Gruppe ein gemeinsames Thema gefunden hat und wie lange es dauerte, bis ein Film fertig war. Eine andere Vorführung im Flüchtlingsheim war dominiert von ganz jungen Zuschauer*innen, die begeistert mitgingen, wenn sie ihre Bekannten entdeckten. Die Projekt-Teilnehmenden waren sehr stolz und begeistert, ihrer Familie, den Freund*innen und Bekannten IHREN Film zeigen zu können.
In folgenden Einrichtungen wurden die Filmprojekte durchgeführt:
In der Notunterkunft Ruschestrasse 103-104 und im Streetworkcafé Maggie in Lichtenberg, In einer Wohn-Einrichtung des Paul-Gerhardt-Werks für unbegleitete minderjährige Geflüchtete in Oberschöneweide, im evangelischen Jugendzentrum „Die Eiche“ In Charlottenburg, in der Notunterkunft Otto-Ottrowski-Str. und im Café Oma in Friedrichshain.
Die an dem Projekt Interessierten wurden zum Teil bereits vorher in Planungsrunden umfassend über das Projekt und ihre Gestaltungsmöglichkeiten informiert. Hierbei konnten sie Wünsche zur inhaltlichen Gestaltung des Videoworkshops äußern. Weiterhin waren die Teilnehmenden auch während der Projektphase aktiv an der Planung und Umsetzung beteiligt. Die Inhalte der Projekte wurden in allen Workshops von den Teilnehmenden bestimmt.
Die Projekte entstanden in Kooperation mit „Friedrichshain hilft“, der OMA gGmbH und dem Café Maggie und wurden von der Kreuzberger Kinderstiftung und der Jugend- und Familienstiftung des Landes Berlin unterstützt.