Gewinner Auszeichnung
2018 - Preisträger*innen

XX ist ein diskriminierungskritisches Rap-Projekt mit Mädchen aus Berlin, welches das Anliegen verfolgt, sich Vorurteilen zu widersetzen und Diskriminierungen selbst zu dissen. Über ein halbes Jahr arbeiteten junge Mädchen an Texten und lernten sich des Raps als künstlerische Ausdrucksform zu bedienen, um gesellschaftliche Missstände und Ungerechtigkeiten anzusprechen. Im Rahmen der Schreibwerkstätten, Rap-Workshops und Exkursionen wurden die Bezüge zwischen den eigenen Erfahrungen der Mädchen, deren unmittelbarem Umfeld, medialen Repräsentationen, female Rap und der Geschichte der Black Panthers Bewegung aufgespürt und thematisiert. Der Fokus dabei lag auf der Untersuchung von Ursachen und Symptomen von Unterdrückung und Diskriminierung, sowie bei der Formulierung widerständiger Antworten. Aus diesem Prozess sind zwei Songs hervorgegangen, die bei einem Konzert im Theater X erstmals zur Aufführung kamen und bei weiteren öffentlichen Auftritte präsentiert wurden, sowie zwei Musikvideoclips.

Das Projekt wurde in Kooperation mit den Mädchenzentren MÄDEA/Stiftung SPI (Wedding) und Schilleria (Neukölln) und den Rapperinnen Sister Fa, Sandra Selimovic (Mindj Panther) und Valeria Djurhous realisiert.

 

Auszug aus „girlthistrack“ der XX sisterqueens

“Du sagst du zwingst mich nicht doch,
Du überredest mich!
Ist das deine Pflicht?
Nein das ist es nicht!”

 

“Wieso ist Deutschland so reich?
Und die Grenzen so ungleich ?
Wieso Frauenliegestütze
und “ziemlich gut für ein Mädchen“?
Wieso ziehen Jungs Haare?
Und wieso so’n Aufwand?
Dis - dis - ( ) diskriminieren”

Projektgalerie

Zur Projektgruppe

ongoing project GbR
Eschersheimer Straße, 2
c/o Wellner Bou
12099, Berlin
Telefon:
01602260632
Fokus (Altersgruppe) auf:
JugendlicheKinder
Lokale Zuordnung:
städtisch

Projektinformation

XX ist ein Rap Projekt mit migrantisierten und geflüchteten Mädchen und jungen Frauen, in dem Symptome von Unterdrückung, Rassismus und Sexismus untersucht werden. Das Black Panther Movement (BPM) in den USA ist Ausgangspunkt unserer Untersuchung. XX steht für das weibliche Chromosom. Gleichzeitig referiert das X auf die Variable, die von bekannten Aktivist_innnen, wie zum Beispiel Malcolm X, benutzt wurde, um den nicht existierenden Nachnamen der Nachfahren von Sklaven, zu kennzeichnen. Die Geschichte des Rap ist eng mit der Geschichte der Emanzipationsbewegung von Afroamerikaner_innen verbunden und stellt eine Weiterführung des Kampfes auf symbolischer Ebene dar. Trotz der hohen Anzahl von weiblichen Mitgliedern im BPM und in der Rap-Szene, sind die weltweit bekanntesten Vertreter weiterhin zu einem großen Prozentsatz Männer. Auch in der aktuellen Flüchtlingsdebatte sind Frauen unterrepräsentiert.

Im Rap, historisch gesehen das Medium derer die nicht am sozialen Aufstieg teilhaben, wird die eigene Stimme erhoben, um Forderungen zu äußern und Ungerechtigkeiten eine Sichtbarkeit zu verleihen. Rap und revolutionäre Bewegungen entstehen aus einer Notwendigkeit. Indem Rap auf gesellschaftliche Ungerechtigkeiten und Missverhältnisse reagiert, kann es, neben der künstlerischen Ausdrucksform, als politisches Medium begriffen werden. Wir befinden uns im Jahr 2016, indem es einen schwarzen Präsidenten und eine weibliche Kanzlerin gibt, aber keine strukturelle Veränderung stattgefunden hat. XX ruft die Notwendigkeit des Raps wieder künstlich hervor, um darauf aufmerksam zu machen, dass trotz “offensichtlicher” Veränderung, die Gründe für die Entstehung des Raps, des BPM, etc. weiterhin bestehen: Rassismus, Klassismus, Sexismus, die Verteidigung des Patriarchats, etc.

In XX arbeiten Menschen die selbst von strukturellen Problemen, wie Unterdrückung, Sexismus und Rassismus, betroffen  sind. Dabei werden die Teilnehmerinnen nicht als unterdrücktes Subjekt behandelt, sondern durch theoretische und praktische Angebote, an politische Subjektivierungsweisen herangeführt. Es wird ein großer Stellenwert darauf gelegt, nicht über sie zu sprechen, sondern sie selbst über selbst gewählte Themen sprechen zu lassen. Durch die Zusammenarbeit mit Rapperinnen, die im Alltag oder beim Rappen Erfahrungen mit Unterdrückung haben, werden die vorher theoretisch gezogenen Bezüge praktisch fassbar. Gleichzeitig wird das Umfeld der Beteiligten erkundet: Wie klingt meine Straße? Welche Themen bedrücken mich? Was unterdrückt mich? Womit stehe ich im Konflikt? Außerdem werden Interviews mit Menschen aus dem Umfeld gemacht und deren Erinnerungen bspw. zur Straßengang “Black Panther”, die in den 80ern im Wedding aktiv war, gesammelt. Den eigenen Ansichten Ausdruck zu verleihen, ist hier wichtiger als “richtig” zu rappen.

Das Projekt XX sieht eine gleichberechtigte Zusammenarbeit zwischen den Mädchen, ongoing project, den Jugendzentren und den beteiligten Rapperinnen vor. Alle Partnerinnen bringen dabei ihre Kenntnisse und Erfahrungen ein. In XX arbeiten Menschen die selbst von strukturellen Problemen, wie Unterdrückung, Sexismus und Rassismus, betroffen sind. Wir begreifen die Teilnehmenden als emanzipiert und bieten theoretische und praktische Angebote, um dies nach außen hin zu zeigen. Es wird nicht über die Teilnehmenden gesprochen, sondern diese sprechen selbst über sich und ihre Themen. Die Methoden der politischen Selbstdarstellung des BPM werden zur Grundlage innovativer und pluralistischer künstlerischer Entwürfe. Durch die Zusammenarbeit mit Rapperinnen, die im Alltag oder beim Rappen Erfahrungen mit Unterdrückung gemacht haben, werden die vorher theoretisch gezogenen Bezüge praktisch fassbar. Die Aneignung des theoretischen und praktischen Wissens historischer Emanzipationsbewegungen, das für heutige politische Kämpfe nutzbar gemacht werden soll, wird in XX beispielhaft durchexerziert, um andere Projekte zu inspirieren. Dabei wird das Umfeld der Teilnehmerinnen erkundet und berücksichtigt, insbesondere im Hinblick auf Formen der Unterdrückung und Diskriminierung. Auch historische Kämpfe um Emanzipation, die im Gedächtnis des lokalen Umfelds verankert sind (bspw. Black Panther im Wedding der 80er Jahre), werden mithilfe von Interviews zugänglich gemacht. XX soll jungen Frauen und Mädchen mit Migrationshintergrund als Beispiel dienen für einen selbstbestimmten Ausdruck der eigenen Wünsche und Forderungen. Dieses Erheben der Stimme soll in Form des Rap im privaten wie auch im öffentlichen Raum geübt werden. Integraler Bestandteil des Projekts ist die öffentliche Präsentation der Ergebnisse. Forderungen, Ungerechtigkeiten und Wünsche sollen durch die Form des Albums und den dazugehörigen Darstellungsformen wie Auftritte, PR und Video in einem sicheren Rahmen erfolgen können. Indem die Selbstdarstellungen in öffentlichen Rahmen wie Frauenhäusern, Flüchtlingsunterkünften und anderen frauen- und mädchenspezifischen Orten stattfinden, schafft das Projekt einen Reiz für viele weitere Frauen und Mädchen nach eigenen Formen der Selbstbestimmung zu suchen.