Radio-Repor­terin, Autorin und Mod­er­a­torin

Inte­gra­tion und kul­turelle Vielfalt sind für Mag­dale­na Bienert wichtige Werte der Berlin­er Stadtkul­tur, die jeden Tag gewürdigt und vertei­digt wer­den müssen.

Statement

Ich wün­sche mir, dass wir alle wach­sam bleiben und sehen, was um uns herum passiert.“

Mehr zu Mag­dale­na Bienert

ZUR PERSON

Mag­dale­na Bienert sam­melte bere­its während ihres Lin­guis­tik- und Philoso­phi­es­tudi­ums erste jour­nal­is­tis­che Erfahrun­gen, u. a. bei Fritz vom rbb. Dort ist sie seit 2001 als freie Repor­terin und Mod­er­a­torin tätig. Zudem arbeit­et sie als Sprecherin und freie Jour­nal­istin für andere öffentlich-rechtliche Radiosender. Für ihr Radio Fea­ture „Ein blutiges Lak­en – Deine ganze Zukun­ft. Von neuer Unschuld für eine Nacht“ wurde Mag­dale­na Bienert unter anderem mit dem CIVIS Medi­en­preis für Inte­gra­tion aus­geze­ich­net.

 

Links

 

Interview

Es ist sehr schwierig geworden, rechte Bands als solche auszumachen.

Welche Bedeutung hat für dich der Wettbewerb „Respekt gewinnt!“

Ich bin großer Fan von diesem Wet­tbe­werb, weil er mir immer wieder vor Augen führt, was für großar­tige Pro­jek­te es in Berlin gibt und was für tolle, engagierte Men­schen hier sind. Denn die kann man alle unmöglich im Blick haben und der Wet­tbe­werb ist eine super Plat­tform, um zu schauen was sich in Berlin in Sachen Engage­ment, Demokratie und Tol­er­anz ger­ade so bewegt. Ich finde es außer­dem wichtig, dass hier diesen Men­schen eine Plat­tform gegeben wird, und sie ermutigt wer­den weit­er zu machen, indem ihnen Respekt und Dank gezollt wird.

Hast du als Reporterin Erfahrung im Umgang mit rechtsorientierten Bands?

Tat­säch­lich musste ich mich mit Rechts-Pop im Jahr 2013 bei der Echo-Ver­lei­hung auseinan­der­set­zen, weil ich die Echo-Berichter­stat­tung für die ARD-Wellen gemacht habe. Damals ging ein Auf­schrei durch die Medi­en und die anderen nominierten Bands, als Frei­wild nominiert wur­den als „Erfol­gre­ich­ste Deutsche Band“, zusam­men mit Kraftk­lub und MIA, die daraufhin auch sofort abge­sagt haben. Da war es schwierig, sich selb­st auf die Schnelle ein Bild zu ver­schaf­fen, denn die Band hat immer behauptet, sie sei nicht mehr rechts. Diese Band macht es einem wahnsin­nig schw­er sie einzuord­nen. Auch allen Medi­en fiel das rel­a­tiv schw­er und es wäre viel leichter, ihnen ein­fach einen Stem­pel aufzu­drück­en. Frei­wild hat zwar teil­weise sehr patri­o­tis­che Texte, behauptet aber selb­st, dass sie Nazis total „doof“ find­en und skandieren sie auch auf ihren Konz­erten „Nazis raus!“. Deswe­gen fand ich das echt schw­er, den­noch aber per­sön­lich gut, dass sich der deutsche Musikver­band dem Druck let­z­tendlich gebeugt hat und noch ein­mal darüber nachgedacht hat, was er da eigentlich mit der Nominierung getan hat. Zumal diese Band ja eigentlich eine ital­ienis­che ist und es doch eigentlich um die deutschen Bands geht.

Woran erkennt man rechtsorientierte Bands?

Es ist tat­säch­lich sehr schwierig gewor­den rechte Bands als solche auszu­machen (oder auch Leute mit rechtem Gedankengut), weil sie inzwis­chen in den sel­tensten Fällen „klas­sisch“ Glatze, Springer­stiefel und Bomber­jacke mit ein­deuti­gen Aufnäh­ern darauf tra­gen. Über die Klam­ot­ten ist es also tat­säch­lich sehr schwierig gewor­den, es gibt aber teils noch Hin­weise – seien es die CD-Cov­er oder Schriften – bei denen man zumin­d­est als Erwach­sen­er stutzig wird. Jugendliche oder Kinder haben es da noch viel schw­er­er. Aber man sollte sofort wach­sam sein, wenn CDs auf Schul­höfen verteilt wer­den! Das ist immer noch ein klas­sis­ches Ver­bre­itungsmit­tel von recht­en Bands, ein­fach so ein paar CDs kosten­los an Schul­höfen abzugeben. Aber ich glaube, dass die meis­ten Schulen da auch gut reagieren und nicht ein­fach nur die CDs weg­nehmen und das Geschehen abtun, son­dern auch mit den Kindern und Jugendlichen darüber reden, um die Vor­fälle gemein­sam einzuord­nen.

Wodurch könnten wir das Miteinander in Berlin respektvoller und toleranter gestalten?

Ich würde mir wün­schen, dass wir alle wach­sam bleiben und sehen, was um uns herum passiert. Ich kenne das selb­st, man arbeit­et viel und hat mit seinem Kind zu tun, man ist gerne in sein­er eige­nen Blase, wo alles rosig ist. Aber dem ist halt ganz und gar nicht so. Ich finde es wichtig zu guck­en „Was kann ich tun?“ – ohne, dass man sich jet­zt ein Bein aus­reißen muss. Ein­fach mal ab und zu darüber nach­denken: „Ich bin hier nicht alleine auf der Welt und hab ein regelmäßiges Einkom­men und kann es mir leis­ten, mir mor­gens mal keinen Cof­fee-to-Go zu kaufen, son­dern stattdessen vielle­icht ein­fach ein Brötchen für jeman­den anderen, der es wirk­lich braucht.“

 

Wir trafen Mag­dale­na Bienert im Böck­ler­park am Rande des Urban Hafens.