TV-Mod­er­a­tor

Mitri Sirin sieht es pos­i­tiv, dass er immer wieder auf seinen Migra­tionsh­in­ter­grund ange­sprochen wird. Für ihn ist es höch­ste Zeit, dass die Migra­tions­de­bat­te in Deutsch­land an Fahrt aufn­immt.

Statement

Ich habe selb­st eine nicht­deutsche Herkun­ft und weiß wie es sich anfühlt, wenn man isoliert und aus­ge­gren­zt wird. Darum möchte ich alles dafür tun, damit andere das nicht so spüren.“

Mehr zu Mitri Sirin

ZUR PERSON:

Mitri Sirin ist deutsch­er Fernsehmod­er­a­tor türkisch-syrisch­er Abstam­mung. Er gehört zu den weni­gen TV-Gesichtern, die sowohl beim ARD-Sender rbb als auch beim ZDF zu sehen sind.

LINKS:

 

 

INTERVIEW MIT Mitri Sirin

Die setzen ihr Leben aufs Spiel, die lassen alles zurück, die riskieren alles.“

Wirst du als TV Moderator oft auf deinen Migrations­hintergrund angesprochen?

Am Anfang mein­er Kar­riere, als ich beim Fernse­hen begonnen habe, da war ich so etwas wie ein Exot. Es gab zwar noch andere Gesichter mit nicht­deutsch­er Herkun­ft, wenn man sich die Medi­en­land­schaft aber heute ansieht, gibt es auf jedem Kanal nicht­deutsche Namen und nicht­deutsches Ausse­hen. Das ist mit­tler­weile nor­mal und auch gut so.

Warum ist es dir so wichtig, dich beim Berliner Ratschlag zu engagieren?

Erstens füh­le ich mich dazu verpflichtet, denn als Fernsehmod­er­a­tor erre­iche ich ein­fach mehr Men­schen als andere das tun. Zweit­ens habe ich selb­st eine nicht­deutsche Herkun­ft und weiß wie es sich anfühlt, wenn man isoliert und aus­ge­gren­zt wird. Da muss man natür­lich – wenn man das bere­its hin­ter sich gelassen hat – alles dafür tun, damit andere das nicht so spüren.

Was muss passieren, damit sich Flüchtlinge in Deutschland willkommen fühlen?

Ich glaube, dass Aufk­lärung immer noch das „A und O“ ist. Die Leute, die Asy­lanten, Geflüchtete, Flüchtlinge und so weit­er ablehnen, die haben Angst – und das ist im Grunde genau das The­ma: Angst. Sie haben Angst, weil sie nicht wis­sen was das bedeutet, wenn da jemand aus der Fremde kommt. „Nimmt der mir möglicher­weise Geld weg?“, „Nimmt der mir möglicher­weise den Arbeit­splatz oder irgen­det­was anderes weg?“ Und das ist ja eigentlich völ­liger Quatsch. Man muss diesen Leuten ent­ge­gen­treten, mit Aktio­nen Aufmerk­samkeit schaf­fen und ihnen genau erk­lären, worum es hier eigentlich geht: Die Leute, die hier­her kom­men, die ver­lassen nicht umson­st ihre Heimat. Die set­zen ihr Leben aufs Spiel, die lassen alles zurück, die riskieren alles. Die brauchen natür­lich unsere Unter­stützung und unsere Hil­fe.

Und ich glaube, dass sich das bei den Men­schen, die jet­zt vielle­icht noch nicht hun­dert­prozentig daran glauben, auf lange Sicht auch durch­set­zen wird. Vor allem wenn man die Zukun­ft im Blick hat – ich brauch nur ein Wort sagen: „Demografie“. Das schieben viele Leute ein­fach so von sich weg, aber es ist ein ganz wichtiges The­ma. Deutsch­land wird ja eigentlich weniger. Und wenn diese Leute, die jet­zt kom­men dafür sor­gen, dass Deutsch­land zumin­d­est erst mal gle­ich bleibt und da einiges auf­fan­gen, dann ist das doch super! Also, ich sage auf jeden Fall: Mehr Infor­ma­tio­nen und mehr Aufk­lärung!

Und ich habe auch Angst, wenn ich einen „Braunen Auf­marsch“ in Ober­schönewei­de oder Köpenick mitanse­hen muss. So etwas finde ich natür­lich fürchter­lich. Aber im Großen und Ganzen kön­nen sich Flüchtlinge, die hier in Berlin ankom­men schon wohlfühlen, bzw. willkom­men fühlen. Es gibt hier so viele Aktio­nen und so viele Ini­tia­tiv­en, die sich für Flüchtlinge engagieren. Und das macht mich stolz, Berlin­er zu sein.

Kann das Fernsehen der Mobilisierung rechtsex­tre­mer Gruppen in sozialen Netzwerken noch etwas entgegensetzen?

Das ist eine sehr gute Frage. Dem Fernse­hen hat man ja schon öfter den schle­ichen­den Tod durch das Inter­net nachge­sagt. Aber man muss hier dif­feren­zieren. Natür­lich gibt es Schlecht­es und Gutes im Inter­net. Das Fernse­hen als klas­sis­ches Leitmedi­um hat da immer noch eine wahnsin­nig wichtige Funk­tion: Näm­lich Ori­en­tierung zu geben und eine Hal­tung aufzuzeigen. Und ger­ade im Inter­net, wo alles voll ist mit Mei­n­un­gen und ver­schieden­sten Aktio­nen – guten wie schlecht­en – kann das Fernse­hen Ori­en­tierung bieten. Das ist in der heuti­gen Zeit total wichtig.

 

Wir trafen Mitri Sirin auf dem Tem­pel­hofer Feld, mit­ten auf der früheren Start- und Lan­de­bahn des Flughafens.