Bei unserem Video­pro­jekt ALLES FÜR ALLE haben 19 Men­schen mit und ohne Behin­derun­gen im Alter von 18 – 65 Jahren 13 kurze Filme rund um das The­ma „Inklu­sion“ gedreht. Die Beiträge wur­den zwis­chen April und August 2019 pro­duziert. Die Beteiligten haben die Filmideen gemein­sam geplant und umge­set­zt. Alle Filme gibt es kosten­los im Inter­net. Sie wur­den mit Unter­titeln und Audiodeskrip­tio­nen verse­hen.

Zur Projektgruppe

Medi­en­pro­jekt Berlin e.V.
Richard-Sorge-Str. 66
c/o Brandt/Hoffmann
10249 Berlin
Tele­fon:
030 755 255 63
Lokale Zuord­nung:
region­alstädtisch

Projektinformation


Die Gruppe set­zte sich aus Men­schen mit ver­schieden­sten Beein­träch­ti­gun­gen zusam­men: Drei blinde Men­schen, einige Teil­nehmende mit psy­chis­chen Prob­le­men, Einige mit kog­ni­tiv­en Ein­schränkun­gen und mehrere im Roll­stuhl fahrende Men­schen zum Teil mit ein­er Spastik.

 Aus den vielfälti­gen Filmideen der Teil­nehmenden wur­den bei den über­wiegend sam­stäglichen Tre­f­fen von April bis August im zwei­wöchi­gen Rhyth­mus konkrete Filmkonzepte und Dreh­pläne entwick­elt. In den Som­mer­fe­rien war ein Teil der Gruppe auch mehrere Tage am Stück aktiv. Dabei wurde teil­weise par­al­lel in zwei Grup­pen gear­beit­et. Während eine Gruppe konkret Filmkonzepte entwick­elte und Inter­views vor­bere­it­ete, sowie bere­its mit den Drehar­beit­en begann, küm­merte sich eine zweite Gruppe um die aufwendi­ge Idee der Neuen­twick­lung eines Liedes zum The­ma Inklu­sion. Das Duo Lebens­geis­ter beste­hend aus einem blind­en Musik­er und sein­er Duo-Part­ner­in entwick­elte dabei mit den Teil­nehmenden aus einzel­nen Textfrag­menten ein Lied und kom­ponierte die Musik dazu. Das Lied wurde mit einem Teil der Gruppe in einem pro­fes­sionellen Ton­stu­dio aufgenom­men und dabei wurde auch noch ein Video­clip gedreht. Neben zwei selb­st­gemacht­en Erk­lärvideos standen eine Reportage über den Film „Kinder der Utopie“ eben­so auf dem Pro­gramm wie die filmis­che Begleitung des Europäis­chen Protest­tages für die Rechte von Men­schen mit Behin­derun­gen am 5. Mai und der Pride Parade Berlin am 22. Juni. Einige Teil­nehmer wün­scht­en sich einen Beitrag über das für 2020 in Berlin geplante „Behin­derten­par­la­ment“. Sechs weit­ere Filme doku­men­tierten Teil­nehmende aus der Gruppe selb­st mit ihren speziellen Fähigkeit­en und Hob­bys. Ein Beitrag begleit­et eine Teil­nehmerin in ein­er inklu­siv­en Tanz­gruppe, ein weit­er­er Kurz­film doku­men­tiert Roll­stuhl-fahrende Men­schen bei den deutschen Meis­ter­schaften im Roll­stuhl-Skat­en. Vier dieser Filme beschäfti­gen sich mit Blind Reit­en und Laufen, Blind Fotografieren und Malen sowie der Fuß­fo­tografie. Ver­bun­den wur­den die 13 Beiträge durch die selb­st for­mulierten Anmod­er­a­tio­nen der im Roll­stuhl sitzen­den Lau­ra, die in der Ausstel­lung „Inklu­sion im Blick“ im Berlin­er Abge­ord­neten­haus aufgenom­men wur­den.

0. ALLES FÜR ALLEGesamtlänge 95 Min: https://youtu.be/7fMY0YJ_4nw

1. Mis­sion? Inklu­sion! (10 Min.) https://youtu.be/3aLDFDAC1wM
Die Rechte von Men­schen mit Behin­derun­gen sind immer wieder Diskus­sion­s­the­ma. Die Erfolge, wie zum Beispiel die Durch­set­zung des Wahlrechts für geset­zlich Betreute wer­den aus­giebig gefeiert. Immer noch ist aber viel im Argen. Jedes Jahr am 5. Mai find­et der europäis­chen Protest­tag für die Rechte von Men­schen mit Behin­derun­gen statt. Unser Filmteam hat in Berlin mit­demon­stri­ert.

2. Die Blind­ma­lerin(6 Min.) https://youtu.be/UOYKEAh5xzA
Sil­ja Korn ist seit ihrem 12. Leben­s­jahr blind. 
Das hält sie aber nicht vom Malen ab. Die prak­tizierende Erzieherin gibt Kurse im Blind Malen für Sehende und Nicht-Sehende. Wir haben sie bei einem Work­shop begleit­et.

3. Die Ampel: (1 Min.) https://youtu.be/-r_zoidsoD8
Sich als blind­er Men­sch allein auf der Straße zurecht zu find­en, ist an sich schon nicht so ein­fach. An Strassenkreuzun­gen dro­hen manch­mal sog­ar Gefahren durch Rad­fahrer. Wir haben dazu ein Erk­lärvideo gebastelt.

4. „Die Kinder der Utopie“ (11 Min.) https://youtu.be/BeSbWw8mrS0
Ein Doku­men­tarfilm über gelun­gene Inklu­sion an der Schule. Das Team der Sozial­helden e.V. hat in ganz Deutsch­land Kinoabende mit Diskus­sio­nen ini­ti­iert. Hier ein paar Ein­drücke von der Ver­anstal­tung in Berlin-Friedrichshain.

5. Die Wel­treko­rd­lerin: (11 Min.) https://youtu.be/7fFCHt7RKR4
Für Men­schen, die nichts sehen, kann schon das ein­fache Gehen in der Stadt zum Hin­dernislauf wer­den. Wie ist es aber, als Men­sch ohne Sehfähigkeit zu reit­en? Wir haben Regi­na Voll­brecht bei ein­er Reit­stunde begleit­et und beim Lauf­train­ing. 2010 lief Regi­na mit ein­er Zeit von 3.15,49 h den Wel­treko­rd der blind­en Marathon­läuferin­nen. 2013 erre­ichte Sie im Ren­nen mit sehen­den Läuferin­nen in der Alter­sklasse den ersten Platz beim 100-Kilo­me­ter-Lauf und im sel­ben Jahr den drit­ten Platz im Ren­nen über 50 Kilo­me­ter. Heute lässt es die Beauf­tragte für Men­schen mit Behin­derun­gen in Berlin-Reinick­endorf in ihrer Freizeit etwas ruhiger ange­hen.

6. Jed­er kann tanzen: (8 Min.) https://youtu.be/JEUNm8h_N-M
Es gibt viele, inklu­sive Sportarten. Tanzen natür­lich auch. Mit dem Mot­to „Jed­er kann tanzen“ trifft sich in Berlin regelmäßig eine Gruppe, um gemein­sam ihr lieb­stes Hob­by auszuüben. Wir waren für euch mit drei Kam­eras und Mikro­fon bei ein­er Tanzs­tunde dabei.

7. Der Fuß­fo­tograf: (6:30 Min.) https://youtu.be/gMPPTuZ5Btk
Fotografie ist für viele ein Hob­by. Motorisch auch für die wenig­sten ein Prob­lem. Wie ist es jedoch, wenn die Hände nicht für die Fotografie ein­set­zbar sind? Sven Kocar hält die Welt aus ein­er ganz anderen Per­spek­tive fest. Er fotografiert mit den Füßen. Wir haben Sven bei ein­er Fotoak­tion begleit­et.

8. Arbeit­sti­tel Behin­derten­par­la­ment: (8:30 Min.) https://youtu.be/j1BMtTWC-WU
Seit vie­len Jahren schon gibt es in Bre­men ein funk­tion­ieren­des Behin­derten-par­la­ment. Das soll es bald auch in Berlin geben. Die Idee dazu hat­te der Aktivist Chris­t­ian Specht. Wir haben ihn und einige Politiker*innen dazu befragt.

9. WCMX Cham­pi­onschip: (5 Min.) https://youtu.be/peZntWzqdeU
Sportler gibt es viele. Sportler mit Behin­derun­gen schon etwas weniger. Skater im Roll­stuhl sieht man äußerst sel­ten. Bei den Inter­na­tionalen Deutschen WCMX-Meis­ter­schaften in Berlin haben sich die besten Roll­stuhlskater ver­sam­melt, um auf Skate-Ram­p­en einzi­gar­tige Tricks zu zeigen.

10. Die blinde Fotografin Sil­ja: (6 Min.) https://youtu.be/TeeDnCtxzXc
Ungewöhn­liche Hob­bys kann jed­er haben. Häu­fig passen sie nicht in stan­dar­d­isierte Muster. Sil­ja Korn ist blind. Trotz­dem fotografiert sie lei­den­schaftlich gern, meis­tens gemein­sam mit ihrem Mann Gui­do. Das Gefühl spielt dabei eine große Rolle.

11. Die Erd­beere: (2 Min.) https://youtu.be/p49NlbVvdrE
Als Men­sch mit Behin­derung erlebt man viele groteske Sit­u­a­tio­nen. In einem kleinen Erk­lärvideo haben wir ein unan­genehmes Erleb­nis beim Einkaufen fest­ge­hal­ten, das einem Mit­glied unser­er Film­gruppe passiert ist. 

12. „Nor­men über­winden – Kämpfe verbinden“ (13 Min.)
https://youtu.be/0hWDLHqUngg
Das war das Mot­to der Berlin­er Pride-Parade 2019. 1500 Men­schen zogen in einem kun­ter­bun­ten Zug durch die Straßen von Berlin-Mitte bis Kreuzberg und haben „Behin­dert und Ver­rückt“ gefeiert. 

13. Ich bin kein schräger Hund(5 Min.) https://youtu.be/RPk73a0_I4E
Das Duo Lebens­geis­ter hat mit uns ganz exk­lu­siv ein neues Inklu­sions-Lied kom­poniert und im Holz­markt 25-Ton­stu­dio aufgenom­men.

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 Erfahrun­gen und Ergeb­nisse
Während der Drehar­beit­en wur­den die Teil­nehmenden angepasst an ihre jew­eili­gen Bedin­gun­gen und Bedürfnisse an der Kam­era und am Ton geschult und bei den Drehar­beit­en unter­stützt. Geschnit­ten wur­den die Filme auf frei zugänglichen Schnittpro­gram­men. Auf Wun­sch der Teil­nehmenden wur­den die Beiträge mit Unter­titeln und mit Audiodeskrip­tio­nen verse­hen, die sie fast alle selb­st erstellt haben. Dadurch ent­stand für die Teil­nehmenden und den Filmemach­er ein zusät­zlich hoher Zeitaufwand.

 Faz­it des Pro­jek­tes: Sowohl die the­ma­tis­chen Pla­nun­gen als auch die Drehar­beit­en sind zur Zufrieden­heit aller Beteiligten gut und erfol­gre­ich durchge­führt wor­den. Dabei wurde indi­vidu­ell auf die einzel­nen ver­schiede­nen Beein­träch­ti­gun­gen und Befind­lichkeit­en der Teil­nehmenden Rück­sicht genom­men. Die Teil­nehmenden entsch­ieden sich dabei für die Tätigkeit­en, die ihnen am Besten lagen: Von redak­tioneller Arbeit, das For­mulieren von Fra­gen für Inter­views, die Rolle als Reporter*in oder Mod­er­a­torin am Mikro­fon, an der Kam­era oder als Cut­ter beim Schnitt am Com­put­er. Die Stim­mung inner­halb der Gruppe war trotz der sehr unter­schiedlichen Charak­tere sehr gut. Die Beteiligten gin­gen sehr sol­i­darisch und geduldig miteinan­der um und inter­essierten sich für die Beein­träch­ti­gun­gen der Anderen. Alle haben sich miteinan­der wohl gefühlt und einige haben sich während des Work­shops ange­fre­un­det. Alle Beteiligten wür­den bei einem zukün­fti­gen Video­pro­jekt wieder sehr gerne mit­machen.

 Die Ergeb­nisse des Pro­jek­ts wur­den bish­er zweimal öffentlich in Berlin aufge­führt. Die bei­den Ver­anstal­tun­gen am 29.8. im Aquar­i­um am Süd­block in Kreuzberg und am 4.9. im OMAs Café in Friedrichshain wur­den von jew­eils 40 Men­schen besucht. Bei den anschließen­den Diskus­sion­srun­den stell­ten sich die Pro­jek­t­beteiligten den Fra­gen der Anwe­senden und beka­men pos­i­tives Feed­back für ihre selb­st gedreht­en Filme. Zwei einzelne Film-Beiträge wur­den in Anwe­sen­heit einiger Beteiligter bei zwei „open screen­ings“ am 15.8 vor ca. 400 Men­schen im Open Air Kino Cas­siopeia in Friedrichshain und am 18.9. im Sput­nik Kino Hasen­hei­de präsen­tiert und disku­tiert. Das Pro­jekt wurde außer­dem auf dem Basar der Vielfältigkeit beim Spreespek­takel auf dem Gelände des Holz­markt 25 in Berlin präsen­tiert. Am 21. Jan­u­ar 2020 wird es eine weit­ere Vor­führung aller Filme im Anden­buch-Laden in Berlin-Kreuzberg geben. Die Ein­re­ichung und Präsen­ta­tion einzel­ner Beiträge bei Vide­ofes­ti­vals ist geplant.
Alle 13 
ALLES FÜR ALLE - Filme, Länge 95 Minuten, sind für Inter­essierte sowohl kom­plett als auch als Einzel­beiträge im Inter­net auf YouTube kosten­los ver­füg­bar. Dabei sind Unter­ti­tel anwählbar: https://youtu.be/7fMY0YJ_4nw

Die Beiträge wur­den zusät­zlich auf unser­er Face­book-Seite und in mehreren Face­book-Grup­pen veröf­fentlicht und geteilt: https://www.facebook.com/medienprojektberlin1/

Es gab bis jet­zt fol­gende öffentliche Auf­führun­gen der 13 Kurz­filme mit anschließen­den Diskus­sio­nen mit den Beteiligten und den Filmemacher*innen:

- 15.8. „Die Blind­ma­lerin“ beim Open Screen­ing im Open Air Kino Cas­siopaeia in Friedrichshain
— 29.8. Pre­miere im Aquar­i­um am Süd­block in Kreuzberg
— 4.9. Pre­miere im Café OMA in Friedrichshain
— 12.9. beim Basar der Vielfältigkeit auf dem Spreespek­takel Holz­markt 25
— 18.9. Open Screen­ing im Sput­nik Kino Hasen­hei­de am Süd­stern
Eine weit­ere Vor­führung ist am 21. Jan­u­ar 2020 im Anden­buch-Laden in Berlin-Kreuzberg geplant.