Gewinner Ausze­ich­nung
2020 — Preisträger*innen

Unsere Gesellschaft befind­et sich aktuell in einem umfassenden, gesellschaftsweit­en Akt der Trans­for­ma­tion. Von der fortschre­i­t­en­den Dig­i­tal­isierung sind Gesellschaft, Wirtschaft, Kul­tur und Bil­dung gle­icher­maßen betrof­fen. Die Dig­i­tal­isierung verän­dert Schritt für Schritt unser pri­vates und beru­flich­es Leben. Die Organ­i­sa­tion des Leben­sall­t­ags sowie gesellschaftliche Prozesse find­en per­ma­nent auch im Inter­net statt. Dadurch ver­schmelzen die Gren­zen zwis­chen Off- und Onlinewel­ten stetig.
Dig­i­tal­isierung eröffnet viele neue Chan­cen, birgt aber zugle­ich auch Risiken und weckt Äng­ste, die ernst genom­men nehmen müssen.
Die Chan­cen und Risiken in der Medi­enge­sellschaft ein­schließlich des Medi­en­nutzungsver­hal­tens von Kindern und Jugendlichen stellen Eltern und Lehrkräfte, die in der Regel nicht mit dem Inter­net aufgewach­sen sind, vor große und neue päd­a­gogis­che Her­aus­forderun­gen.
Der kom­pe­tente und ver­ant­wortliche Umgang mit Medi­en ist im Zeital­ter der Dig­i­tal­isierung zu ein­er zen­tralen Schlüs­selqual­i­fika­tion gewor­den und zugle­ich eine wesentliche Voraus­set­zung für die gesellschaftliche Teil­habe und der Wahrnehmung eigen­er Rechte. Ziel von Bil­dung ist es, Schüler*innen auf diese verän­derte dig­i­tale und glob­al­isiere Welt vorzu­bere­it­en und sie dabei kom­pe­tent zu unter­stützen, die Chan­cen der Dig­i­tal­isierung selb­st­be­wusst und kreativ zu nutzen und die vorhan­de­nen Risiken sachgerecht und kom­pe­tent zu bewälti­gen und sich sich­er, reflek­tiert, ver­ant­wor­tungsvoll und selb­st­be­wusst in der dig­i­tal­en Medi­en­land­schaft zu bewe­gen, ganz unab­hängig ob sie als Rezipienten*innen unter­wegs sind, oder Inhalte selb­st­ständig pro­duzieren und ver­bre­it­en.
Medi­enkom­pe­tenz bedeutet, sich der vielfälti­gen Möglichkeit­en, aber auch der Prob­leme bewusst zu sein, die sich aus der Medi­en­nutzung ergeben kön­nen und sich entsprechend ver­ant­wor­tungsvoll zu ver­hal­ten.
https://www.kmk.org/themen/bildung-in-der-digitalen-welt/strategie-bildung-in-der-digitalen-welt.html

Zur Projektgruppe

Du bist Smart e.V.
Ost­preussendamm 111
Antje Min­hoff | Du bist Smart e.V.
12207, Berlin
Tele­fon:
01778521876
Fokus (Alters­gruppe) auf:
Kinder
Fokus auf:
Schule
Lokale Zuord­nung:
städtisch

Projektinformation

Kinder wer­den aktuell in eine von dig­i­tal­en Medi­en bes­timmte Welt hineinge­boren und wach­sen in ein­er Zeit eines ras­an­ten tech­nol­o­gis­chen Wan­dels auf. Die mit der Dig­i­tal­isierung ein­herge­hen­den radikalen Verän­derun­gen in der Gesellschaft bieten auch für Kinder zahlre­iche neue Bil­dungschan­cen, wie zum Beispiel der zeit- und ort­sun­ab­hängige Zugang zu Infor­ma­tio­nen, die unbe­gren­zten Kom­mu­nika­tions- und Koop­er­a­tions­möglichkeit­en über den gesamten Plan­eten sowie die schnelle und kostengün­stige Pro­duk­tion und Ver­bre­itung von Inhal­ten.
Neue medi­ale Lebenswel­ten wie What­sApp, Insta­gram & Co wer­den für Kinder und Jugendliche zugle­ich immer wichtigere Räume für Selb­st­darstel­lung, Kom­mu­nika­tion, sozialen Aus­tausch, Gemein­schaft und Wertev­er­mit­tlung. Dig­i­tale Medi­en sind zu einem wichti­gen Instru­ment für die Entwick­lungsauf­gaben der Her­anwach­senden und zu einem wesentlichen Sozial­i­sa­tions­fak­tor gewor­den.
Gle­ichzeit­ig birgt die mobile Nutzung des Inter­nets auch einige Risiken, Cyber­mob­bing ist eins davon. Smart­phones wer­den bei ver­ant­wor­tungslos­er Nutzung leicht zu dig­i­tal­en Werkzeu­gen mit großem Gewalt­poten­zial, das soziale Dorf schnell zur virtuellen Hölle. Cyber­mob­bing, das absichtliche Belästi­gen, Bloßstellen, Belei­di­gen oder Bedro­hen ander­er mith­il­fe von elek­tro­n­is­chen Kom­mu­nika­tion­s­mit­teln über einen län­geren Zeitraum, spielt auch bei Kindern eine immer größere Rolle und ist für deren Entwick­lung sehr beden­klich. Betrof­fene von Cyber­mob­bing sind in der Schule emo­tion­al block­iert und kön­nen Ler­nange­bote nicht mehr wahrnehmen. Das Eltern­haus und die Schule sind aufge­fordert, gemein­sam und aufeinan­der abges­timmt auf eine kom­pe­tente und ver­ant­wor­tungsvolle Medi­en­nutzung der Kinder vorzu­bere­it­en, bei gle­ichzeit­iger Wahrung ihrer Rechte im Sinne der UN-Kinder­recht­skon­ven­tion.
Über­ge­ord­netes Ziel des Pro­jek­tes „Respekt im Netz“ ist es, alle am Schulleben beteiligte Per­so­n­en (Schulleitung, Lehrerschaft, Pädagogen*innen, Schüler*innen und Eltern) als Ver­ant­wor­tungs­ge­mein­schaft für ein respek­tvolles Miteinan­der im Netz zu motivieren und gemein­sam im Dia­log mit allen am Schulleben beteiligten Grup­pen, päd­a­gogis­che Maß­nah­men der Präven­tion und Inter­ven­tion bei Vor­fällen von Cyber­mob­bing zu entwick­eln und im Sys­tem der Schule verbindlich zu ver­ankern.
Ziel ist dabei der alters­gemäße Schutz der Schüler*innen im Netz und die jew­eils größt­mögliche ver­ant­wortliche Teil­habe an der Gestal­tung und Nutzung des dig­i­tal­en Raums. Dabei bekommt der respek­tvolle Umgang für Kinder in der dynamisierten Medi­en­welt eine beson­dere Bedeu­tung. Auf diesem Hin­ter­grund müssen sich alle Pädagogen*innen immer wieder die fol­gende Frage stellen: „Wie kön­nen alle Schüler*innen in die Lage ver­set­zt wer­den, die Vorteile und Chan­cen der dig­i­tal­en Welt kom­pe­tent und ver­ant­wor­tungsvoll zu nutzen und zugle­ich die Her­aus­forderun­gen kom­pe­tent zu bewälti­gen?“ Kinder dür­fen bei der Wahrnehmung ihrer Rechte in der dig­i­tal­en Welt aber nicht allein gelassen wer­den.
Schüler*innen müssen vielmehr emo­tion­al gestärkt wer­den, sich aktiv für einen respek­tvollen Umgang im Inter­net einzuset­zen und dieses durch eine Selb­stverpflich­tungserk­lärung zu doku­men­tieren.
An zwei Pro­jek­t­ta­gen informierten sich die Schüler*innen der Klasse 5c der Nehring-Grund­schule in Char­lot­ten­burg im Rah­men des The­men­fonds des Deutschen Kinder­hil­f­swerks im Pro­jekt „Respekt im Netz an ein­er Berlin­er Grund­schule“ und mit Unter­stützung der Bil­dungsini­tia­tive „Du bist smart“ unter der Leitung des Medi­en­päd­a­gogen Michael Ret­zlaff über Umfang, Erschei­n­ungs­for­men und Auswirkun­gen von Cyber-Mob­bing auf die Opfer. Schüler*innen wur­den dabei emo­tion­al gestärkt, sich aktiv für einen respek­tvollen Umgang im Inter­net einzuset­zen.
An den bei­den Pro­jek­t­ta­gen ist neben der Selb­stverpflich­tungserk­lärung zum respek­tvollen Umgang auch ein klein­er Film zum The­ma „Wie möchte ich im Inter­net behan­delt wer­den?“ erar­beit­et wor­den.
Das Pro­jekt „Respekt im Netz“ ist auf eine größt­mögliche aktive Mit­gestal­tung durch die Schüler*innen aus­gerichtet. Um die Ziele erfol­gre­ich umzuset­zen, ist es notwendig, Lehrer*innen, Sozialarbeiter*Innen, Schüler*innen und Eltern zu informieren und zu sen­si­bil­isieren über Umfang, Erschei­n­ungs­for­men und Auswirkun­gen von Cyber­mob­bing auf Opfer und Täter. Voraus­set­zung für eine erfol­gre­iche Umset­zung des Pro­jek­ts in der Schule war die Unter­stützung durch die Schulleitung. Als näch­ster wichtiger Schritt erfol­gte die Diskus­sion zum The­ma in der Lehrerkon­ferenz und bei der Eltern­schaft sowie die päd­a­gogis­che Arbeit bei größt­möglich­er Beteili­gung der Schüler*innen der Pro­jek­tk­lasse bei der Pla­nung, Durch­führung und Auswer­tung von zwei Pro­jek­t­ta­gen zum The­ma „Respekt im Netz“ sowie bei der Entwick­lung, Diskus­sion und Ver­ankerung ein­er Selb­stverpflich­tungserk­lärung im Sys­tem der Schule. Dabei wer­den Schüler*innen alters­gemäß mit in die Ver­ant­wor­tung für einen respek­tvollen Umgang im Schu­lall­t­ag genom­men und als wichtiger Part­ner im Peer-to-Peer bei Präven­tion­s­maß­nah­men anerkan­nt.
Die Schüler*innen und die Stärkung ihrer Würde und Per­sön­lichkeit­srechte im Inter­net ste­hen im Mit­telpunkt des päd­a­gogis­chen Han­delns an zwei Pro­jek­t­ta­gen, das auf eine größt­mögliche aktive Mit­gestal­tung im Unter­richt aus­gerichtet ist, z.B. bei der

  • Pla­nung, Durch­führung und Auswer­tung ein­er anony­men Erhe­bung zum Medi­en­nutzungsver­hal­ten der Schüler*innen der Klasse und zum Erfahrung­sh­in­ter­grund zum The­ma Cyber­mob­bing
  • Sich­tung und Auswahl von Lern­ma­te­ri­alien und Inter­net­por­tal­en,
  • inhaltliche und organ­isatorische Pla­nung von zwei Pro­jek­t­tage zum The­ma „Respekt im Netz“,
  • Auswer­tung der Ergeb­nisse des Pro­jek­t­tages,
  • Über­prü­fung der erar­beit­eten Vorschläge zum respek­tvollen Umgang im Netz
  • Gestal­tung von Plakat­en zum respek­tvollen Umgang im Netz
  • Mitar­beit bei der Film­pro­duk­tion „Wie möchte ich im Inter­net behan­delt wer­den?“
  • Vorstel­lung und Diskus­sion der entwick­el­ten Ergeb­nisse zum respek­tvollen Umgang im Netz auf der Eltern­ver­samm­lung und im Lehrerkol­legium,
  • Vorstel­lung und Diskus­sion der Selb­stverpflich­tungserk­lärung in der SV mit dem Ziel der Beteili­gung aller Klassen am Regel­w­erk,
  • Beteili­gung bei der Fort­bil­dung der Klassenlehrer*innen der vierten, fün­ften und sech­sten Klasse zum The­ma „Respekt im Netz“ und
  • Präsen­ta­tion der Ergeb­nisse des Pro­jek­ts in der Schule und auf der Home­page der Schule.

Die Umset­zung der päd­a­gogis­chen Ziele im Pro­jekt „Respekt im Netz“ ist ein umfassender Schu­len­twick­lung­sprozess, der aus­re­ichend Zeit und Ressourcen benötigt und nur dann erfol­gre­ich sein kann, wenn par­al­lel zur päd­a­gogis­chen Arbeit in der Pro­jek­tk­lasse eine pos­i­tive Wirkung auf die gesamte Schule erzielt und ein umfassendes Hand­lungswis­sen bei den Per­so­n­en­grup­pen erwor­ben wer­den kann. Deshalb ist die Aufk­lärung und Sen­si­bil­isierung aller Lehrer*innen, Sozialarbeiter*Innen, Schüler*innen und Eltern der Schule über Umfang, Erschei­n­ungs­for­men und Auswirkun­gen von Cyber­mob­bing auf Opfer und Täter*innen eine notwendi­ge Voraus­set­zung. Bei der im Dia­log zu entwick­el­nden Maß­nah­men der Präven­tion und Inter­ven­tion bei Vor­fällen von Cyber­mob­bing ist die alters­gemäße und größt­mögliche Beteili­gung der Schüler*innen von größter Bedeu­tung. Die im Dia­log mit den an der Schule beteiligten Per­so­n­en­grup­pen entwick­el­ten Maß­nah­men leis­tet zugle­ich einen wichti­gen Beitrag für die notwendi­ge Demokratiebil­dung in der Schule. Nach Pro­jek­tab­schluss sind die gemein­sam entwick­el­ten päd­a­gogis­chen Fun­da­mente gelegt, um durch

  • die bre­ite Aufk­lärung und Sen­si­bil­isierung über Vor­fälle von Cyber­mob­bing bei allen am Schulleben beteiligten Per­so­n­en­grup­pen,
  • die Fort­bil­dung und Beratung der kün­fti­gen Lehrer*innen der vierten, fün­ften und sech­sten Klasse,
  • die Entwick­lung ein­er Selb­stverpflich­tungserk­lärung durch die Schüler*innen zum respek­tvollen Umgang im Netz und die Auf­nahme in der Klassen- und Schu­lord­nung, im Schul­pro­gramm und im Not­fal­lord­ner der Schule,
  • die Bere­it­stel­lung ein­er dig­i­tal­en Mate­rialmappe mit Lern­ma­te­ri­alienm, Inter­ne­tadressen und rel­e­van­ten Medi­en
  • die Auf­nahme des The­mas “Respekt im Netz” in der Schu­lord­nung, im schulin­ter­nen Cur­ricu­lum und im Schul­pro­gramm sowie
  • den Auf­bau eines regionalen Kom­pe­ten­znet­zw­erkes zur Unter­stützung,

eine nach­haltige pos­i­tive Wirkung des Pro­jek­ts „Respekt im Netz“ an der der Nehring-Grund­schule zu erzie­len. Das Pro­jekt „Respekt im Netz“ hat bere­its ein großes öffentlich­es Inter­esse erzeugt. Im Tagesspiegel unter und in der Berlin­er Abend­schau am 6.12.2019 wurde über das Mod­el­pro­jekt berichtet. Präven­tion ist in der Schule immer dann erfol­gre­ich, wenn sie als Gemein­schaft­sauf­gabe aller beteiligten Per­so­n­en­grup­pen begrif­f­en und umge­set­zt wird. Nach­haltig wirkt sie nur, wenn gemein­same Hal­tun­gen den päd­a­gogis­chen All­t­ag prä­gen und soziale Kom­pe­ten­zen nicht nur in exk­lu­siv­en Präven­tion­spro­jek­ten ver­mit­telt, son­dern im päd­a­gogis­chen All­t­ag gelebt wer­den.
Mit Entwick­lung ein­er Selb­stverpflich­tungserk­lärung der Schüler*innen zum respek­tvollen Umgang im Netz und der Ver­ankerung in der Klassen- und Schu­lord­nung wird ein wichtiger Beitrag zur Wahrung der Rechte der Kinder im Sinne UN-Kinder­recht­skon­ven­tion geleis­tet.