Unsere „Anwohner*lnneninitiative für Zivil­courage — gegen Rechts” hat sich Anfang des Jahres 2017 aus einem der regelmäßi­gen Nach­barschaft­str­e­f­fen hier im Kiez entwick­elt. Wir sind ein bunter Zusam­men­schluss von Bürg­erin­nen und Bürg­ern, die im Kiez leben und arbeit­en. Wir sind über­parteilich, überkon­fes­sionell und unab­hängig — aber geschlossen gegen Frem­den­feindlichkeit und völkisches/faschistisches Gedankengut. Mit unseren Ver­anstal­tun­gen wollen wir einen aus unser­er Sicht notwendi­gen Beitrag zur öffentlichen
Mei­n­ungs­bil­dung leis­ten. Poli­tik wird nicht nur von oben gemacht, son­dern auch von uns selb­st, in unser­er Nach­barschaft. Wir laden ein zu einem lebendi­gen Aus­tausch zwis­chen Poli­tik­ern, Kul­turschaf­fend­en, Gewer­be­treiben­den oder—ganz ein­fach —zwis­chen Bürger*lnnen in unserem Kiez.

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Tuchol­skys­tr. 47 10117 Berlin

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Nach­dem mehrfach die recht­sex­tremen Ini­tia­tiv­en „Wir für Berlin” bzw. „Wir für Deutsch­land” unter dem Mot­to „Merkel muss weg!” auch quer durch unseren Kiez gezo­gen waren, stell­ten sich vie­len Anwohner*innen die Fra­gen: Wie gehen wir damit um? Was kön­nen wir dage­gen tun? Was müssen wir dage­gen tun? Die Antwort für uns lautete: arbeit­en! Im Kiez Bewusst­sein stärken. lm Kiez Ange­bote machen für ein sol­i­darisches Miteinan­der. lm Kiez den öffentlichen Raum nutzen, um Räume für recht­sex­treme Ini­tia­tiv­en wieder enger zu machen und selb­st nach außen zu tra­gen, dass viele im Kiez das völkische und faschis­tis­che Welt­bild der recht­sex­tremen lni­tia­tiv­en, Grup­pierun­gen und Parteien nicht teilen.

Wir wollen dies auf unter­schiedlichen Wegen erre­ichen. Ein­er­seits organ­isieren wir tat­säch­lich im Kiez Kundge­bun­gen, die zur demokratis­chen Mei­n­ungs­bil­dung beitra­gen sollen.

Nach den ersten von uns in 2017 organ­isierten Kundge­bun­gen in unserem Kiez haben wir auch in den Jahren 2018 und 2019 jew­eils mehrere Gegenkundge­bun­gen gegen die von „Wir für Deutsch­land” in unserem Kiez durchge­führten Aufmärsche organ­isiert. Ins­beson­dere seien hier die Aufmärsche an den jew­eili­gen 3. Okto­bern der let­zten Jahre genan­nt.

Aus unseren eige­nen Erfahrun­gen her­aus, dass man als Einzel­ner den faschis­tis­chen und recht­sex­tremen Auswüch­sen macht­los gegenüber­ste­ht, wenn sich ein solch­er Auf­marsch mar­tialisch und mit einem hohen Grad an Aggres­siv­ität durch das eigene Wohn­vier­tel bewegt, woll­ten wir zunächst uns selb­st zusam­men­schließen, um gemein­sam aktiv zu wer­den.

Die hohen Teil­nehmerzahlen an unseren Kundge­bun­gen (z.T. bis zu 1.500 Men­schen) haben uns aber auch deut­lich gemacht, dass auch andere Men­schen bei uns im Kiez für unser Ange­bot dankbar sind, ihre Ablehnung des faschis­tis­chen und recht­sex­tremen Welt­bildes in den öffentlichen Raum zu tra­gen.
Unsere Kundge­bun­gen wer­den immer auch von promi­nen­ten Anwohn­ern unseres Kiezes (z.B. Ben Beck­er, Rainald Grebe, Bernadette LA Hengst u.a.) unter­stützt, sei es mit Musik oder mit Rede­beiträ­gen, und wer­den sehr gerne auch von den Fam­i­lien in unserem Kiez besucht.

Im let­zten Jahr haben wir die Anwohner*innen unseres Kiezes aber auch ein­ge­laden, mit uns gemein­sam den gold­e­nen Demon­stra­tionszug für eine offe­nen Gesellschaft, Vielfalt, Tol­er­anz und gegen Ras­sis­mus der„Vielen“ am 19. Mai zu begrüßen, der auch durch unseren Kiez führte. Auf unser­er „Glänzen­den Begrüßung” haben wir neben Musik für die Fam­i­lien im Kiez u.a. das Basteln von glänzen­den Fah­nen und But­tons ange­boten. Anschließend haben wir uns in den gold­e­nen Demon­stra­tionszug der „Vie­len” ein­gerei­ht.

im Rah­men unser­er Kundge­bun­gen kom­men viele Nach­barn und Anwohner*innen miteinan­der und mit den Ver­anstal­tern ins Gespräch. Es haben sich — ins­beson­dere in Vor­bere­itung der Kundge­bun­gen durch die Anwohner*lnneninitiative — neue Kon­tak­te zwis­chen Gewer­be­treiben­den und Anwohn­ern ergeben, wodurch der Zusam­men­halt in der Nach­barschaft gestärkt wurde. Viele Anwohner*lnnen haben sich sol­i­darisch gezeigt mit den Anliegen der Anwohner*lnneninitiative und waren gle­ichzeit­ig sehr froh darüber, dass nun­mehr aktiv gegen die Aufmärsche der „Recht­sex­tremen“ im Kiez etwas
getan wird.

Auch unsere Anwohner*inneninitiative hat sich mit anderen ini­tia­tiv­en in Berlin ver­net­zt und hier in vielfälti­gen For­men mit diesen Ini­tia­tiv­en zusam­men arbeit­en kön­nen. Hier sei ins­beson­dere das „Berlin­er Bünd­nis für ein weitof­fenes und tol­er­antes Berlin” und die „Tanzver­samm­lung Rosen­thaler” genan­nt. Da die Ver­anstal­tung von Kundge­bun­gen nur ein Teil der notwendi­gen zu leis­ten­den Arbeit gegen Recht­sex­trem­is­mus und die Ver­bre­itung von völkischem und faschis­tis­chem Gedankengut ist, hat sich unsere Ini­tia­tive entschlossen als weit­eren Weg den Anwohn­ern und Anwohner­in­nen im Kiez Ange­bote zu machen, die ihnen die Möglichkeit geben, sich mit den recht­sex­tremen Ten­den­zen in unser­er Gesellschaft auseinan­derzuset­zen. Dazu gehören Work­shops wie ein antifaschis­tis­ch­er
Jodel­work­shop („Jogi­da”: Jodeln gegen die Idi­o­tisierung durch Angst) aber auch Fort­bil­dungsver­anstal­tun­gen zu den „Codes der neuen Recht­en” oder auch ein Argu­men­ta­tion­strain­ing gegen recht­sex­treme Rhetorik. Wir ver­anstal­ten darüber hin­aus Lesun­gen mit
anschließen­der Diskus­sion zu aktuellen gesellschaft­spoli­tis­chen The­men. Als Beispiele seien unsere Ver­anstal­tun­gen zur Sprache des Drit­ten Reich­es, der „LTI” von Vik­tor Kiem­per­er oder zum Umgang der Medi­en mit der Neuen Recht­en (Jörg-Uwe Albig mit seinem Buch „Zorn­fried”) im ver­gan­genen Jahr genan­nt. Die Pla­nun­gen für die diesjähri­gen Ver­anstal­tun­gen laufen bere­its. Da es lei­der in anderen Kiezen in Berlin seit Jahren recht­sex­trem­istis­che Angriffe und Gewalt­tat­en gibt,
haben wir zwis­chen­zeitlich auch unsere Zusam­me­nar­beit mit Ini­tia­tiv­en z.B. in Neukölln und Britz aus­geweit­et und ver­suchen, die Sen­si­bil­ität der Anwohner*innen unseres Kiezes für die beste­hende Notwendigkeit der Arbeit gegen faschis­tis­che und recht­sex­trem­istis­che Ten­den­zen auch außer halb unseres Kiezes zu erhöhen.

Auch mit ver­schiede­nen Berlin­er Poli­tik­ern ste­hen wir im per­sön­lichen Aus­tausch, um auf poli­tis­ch­er Ebene auf unser Anliegen aufmerk­sam zu machen und gesellschaftlich rel­e­vante Prob­leme
anzus­prechen. Unsere Arbeit kön­nen wir bis­lang leis­ten mit einem hohen ehre­namtlichen Engage­ment von etwa zehn ständi­gen Akteuren der Anwohner*inneninitiative, aber auch durch frei­willige Helfer, die für die Kundge­bun­gen selb­st zur Ver­fü­gung ste­hen, die Fly­er und Plakate entwer­fen oder für die Mobil­isierung der Anwohn­er für unsere Ver­anstal­tun­gen wichtige Beiträge leis­ten. Da unsere Fly­er und Plakate in den let­zten Jahren immer von der gle­ichen wun­der­baren Grafik­erin gestal­tet wur­den, ergibt sich inzwis­chen aus unseren Plakat­en und Fly­er bere­its ein Wieder­erken­nungsef­fekt bei den Anwohner*lnnen im Kiez. Einige Beispiele für unsere Fly­er haben wir beige­fügt.

Wun­der­bare Unter­stützung erfahren wir durch „Berlin gegen Nazis”, die uns mit wertvollem Rat zur Seite ste­hen und für unsere Ver­anstal­tun­gen auf ihrer Inter­net­seite mobil­isieren und die Amadeu-Antonio—Stiftung, die bis­lang die Druck­kosten unser­er Fly­er und Plakate für die durchge­führten Ver­anstal­tun­gen über­nom­men haben.

Für unsere Fort­bil­dungsange­bote für die Anwohn­er haben wir die Möglichkeit, auf die Arbeit der Mobilen Beratung gegen Recht­sex­trem­is­mus Berlin (MBR) zurück­zu­greifen. Eben­so erhal­ten wir kleinere Pri­vat­spenden, die wir für unsere Arbeit nutzen kön­nen.

Aus­geze­ich­net wurde unsere Arbeit im ver­gan­genen Jahr mit dem „Band für Mut und Ver­ständi­gung 2019” (der Film von Antje Dom­browsky über unsere Ini­tia­tive kann über YouTube abgerufen wer­den) und im Jahr 2017 im Rah­men des Wet­tbe­werbs „Aktiv für Demokratie und Tol­er­anz” vom Bünd­nis für Demokratie und Tol­er­anz gegen Extrem­is­mus und Gewalt. Ein Erfolg war es aber auch zu erfahren, dass sich „ Wir für Deutsch­land” Ende Jan­u­ar dieses Jahres aufgelöst hat. Unsere Arbeit hat dazu sicher­lich auch beige­tra­gen. Wir kön­nen etwas erre­ichen!